Kreative Ideen von Fenstergespräch bis Hinterhofkonzert | Neue Braunschweiger
23. Juli 2020
Politik

Kreative Ideen von Fenstergespräch bis Hinterhofkonzert

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf Kinder und Jugendliche in Braunschweig? Stadt zog ein Resümee

Die Covid-19-Pandemie hat auch den Alltag von Kindern und Jugendlichen dramatisch verändert. Foto: Pixabay/oh

Braunschweig. „Rund ein Drittel der Kinder und Jugendlichen hat Schwierigkeiten, mit der Situation umzugehen, das hat eine aktuelle Studie des Deutschen Jugendinstituts gezeigt“, sagt Braunschweigs Sozialdezernentin Dr. Christine Arbogast mit Blick auf die Corona-Krise und deren Auswirkungen.

Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie und des Lockdowns auf die jungen und jüngsten Braunschweiger war Thema einer Pressekonferenz. „Der Lockdown sowie die aktuellen Lockerungsprozesse forderten und fordern alle Beteiligten – die Familien, die Fachkräfte in den Bildungs- und Betreuungseinrichtungen und die Verantwortlichen auf kommunaler Ebene in höchstem Maß“, stellte Arbogast fest. In Braunschweig sei eine ganze Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht worden, um die Situation der Kinder und Jugendlichen abzumildern. Ein Beispiel ist der coronabedingte Wegfall von Leistungen wie kostenlosem Mittagessen oder Nachhilfeunterricht: Leistungen, die Kindern und Jugendlichen aus von Armut betroffenen Familien nach dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) zustehen. Durch die Umwidmung des Schulmittelfonds konnte das Geld aus diesem Topf (180 000 Euro) an knapp 7 000 Kinder und Jugendliche ausgezahlt werden. Einmalig erhielten Familien so pro berechtigtem Kind Einkaufsgutscheine im Wert von 30 Euro. „Viele Rückmeldungen aus den Familien haben gezeigt, dass auch so ein kleiner Betrag in dieser Situation geholfen hat“, berichtet Dr. Sandra Dittmann, Leiterin des Sozialreferats.

„Was dürfen wir jetzt überhaupt noch machen?“ Der Schock sei am Anfang schon ganz schön groß gewesen, sagt Stadtjugendpfleger Andreas Bodner. Online-Angebote? Nicht so einfach: „Wir haben viele Kinder und Jugendliche, die täglich zu uns gekommen sind, die leben zu Hause in nicht gerade einfachen Verhältnissen“. Die direkte Beziehung sei in dieser Sache das Wichtigste. Mit regelmäßigen Telefonaten oder per Mail blieb man in Kontakt. Zudem wurden Einzelfallhilfen und kreative Ideen entwickelt. „Home-Schooling ist schwierig, wenn zu Hause weder genug Platz noch die technische Ausstattung vorhanden ist“, so Bodner. Kurzerhand wurden dafür Lernplätze eingerichtet und für solche Fälle zur Verfügung gestellt. Auf Initiative des Kinder- und Jugendzentrums Rotation wurden in der Weststadt unangekündigte Hinterhofkonzerte gegeben. Medientauschbörsen vor verschiedenen Einrichtungen wurden als Kontaktpunkte genutzt.
Flexibel und erfindungsreich zeigten sich auch Kitas und Kindergärten, etwa bei der Aktion „KiTa zu – Fenster auf! Spielzeugausleihe im Bebelhof“ des Awo-Familienzentrums Schefflerstraße. Bei diesen „Fenstergesprächen“ blieben die Erzieherinnen im Austausch mit Eltern und Kindern. Andere Einrichtungen boten ein Kindertelefon oder Wundertüten mit Koch- und Basteltipps an.

Die Sprechzeiten des „Sorgentelefons für Kinder-und Jugendliche“ sowie des „Elterntelefons“ des Deutschen Kinderschutzbundes wurden nahezu verdoppelt. 20 Prozent mehr Anrufe verzeichnet Roswitha Goydke vom DKSB-Ortsverband Braunschweig: Vor allem um die Themen Schule, Noten, Abschlüsse und generell um Zukunftssorgen sei es in diesen Gesprächen gegangen.

Mit vielen Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu bleiben und ihre Bedürfnisse im Blick zu behalten, das sei trotz aller Einschränkungen in Braunschweig gut gelungen, so das Resümee dieser Pressekonferenz. Um sie auch in Zukunft zu unterstützen, richtet die Verwaltung einen Runden Tisch „Bildung in Zeiten von Corona“ ein.

„Die Kommunen sind das Brennglas: Da tauchen die Probleme auf und da müssen sie gelöst werden“, sagt Dr. Christine Arbogast und fügt hinzu: „Ich würde es schätzen, wenn wir da mehr Gehör finden würden“. Unbürokratisch und schnell helfen – nicht immer einfach, aber: „Auch wenn eine hohe Frustrationsgrenze notwendig ist, werden wir nimmermüde versuchen, unseren Einfluss in Richtung Land und Bund geltend zu machen“.

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