„Krise gibt auch die Chance, etwas zu verändern“ | Neue Braunschweiger
18. Januar 2021
Wirtschaft

„Krise gibt auch die Chance, etwas zu verändern“

Grußwort statt Neujahrsempfang: IHK Braunschweig blickt zurück

Helmut Streiff verabschiedet sich als Präsident der IHK Braunschweig. Screenshot: IHK

Braunschweig/Region. Kein Händeschütteln, keine Gespräche bis tief in die Nacht: Durch die Pandemie musste der traditionelle Jahresempfang der IHK Braunschweig in diesem Jahr ausfallen.

Ganz ohne Grußwort wollte der scheidende Präsident Helmut Streiff das Jahr dennoch nicht beginnen und richtete zusammen mit Ministerpräsident Stephan Weil eine Video-Botschaft an Mitglieder und Unternehmen im Kammerbezirk und der Region. Der Wunsch: Durch einen engen Schulterschluss möglichst viele Betriebe durch die Zeit des Shutdowns zu bringen.

Abschied auf Distanz

Er hätte sich einen anderen Abschied gewünscht, räumt Helmut Streiff ein. Nach fünf Jahren an der Spitze der IHK Braunschweig tritt der inzwi-
schen 72-Jährige bei den Wahlen im Januar nicht mehr an. „Ich bin der Meinung, da müssen jetzt Jüngere ran“, begründete er im Herbst 2020 seinen Schritt. Doch im vergangenen Jahr passierte eben Vieles, was sich der langjährige Kammerpräsident nicht vorstellen konnte. „Ich habe geglaubt, dass uns Fridays for Future und die daraus resultierende Energiewende beschäftigen wird und keine Pandemie, die uns einen

derartigen Konjunktureinbruch beschert“, so Streiff.

Light-Shutdown und Hart-Shutdown hätten die Arbeitsbedingungen enorm verändert. „Home-Office, Video-Konferenzen sind auf einmal in aller Munde“, so Streiff. Vor allem mit Blick auf die gebeutelten Unternehmen wünscht sich Streiff nun einen engen Schulterschluss mit dem Land. „Der ist in den vergangenen Jahren gelungen, doch es muss jetzt einen zweiten Schulterschluss geben, der unseren Unternehmen alle Unterstützung bietet. Dazu gehört auch der Abbau von Bürokratie und die Planungsbeschleunigung. Unsere Unternehmen ersticken an behördlichen Auflagen“, konstatiert Streiff.

Der scheidende Kammerpräsident sieht allerdings auch viele positive Entwicklungen. So seien die acht niedersächsischen Kammern während seiner Amtszeit wieder eng zusammengerückt. „Vor allem das Verhältnis zu unserer Nachbarkammer Lüneburg-Wolfsburg hat sich wesentlich verbessert. Wir machen vieles zusammen“, freut sich Streiff und hofft, dass die Krise letztlich auch Chancen bietet. „Das Wort Krise setzt sich im Chinesischen aus den Zeichen ‚Gefahr und Gelegenheit‘ zusammen. Und so ist es: Die Krise, die gefährlich ist, bietet die Gelegenheit etwas zu verändern. Wir haben es beim Diesel erlebt und dem damit verbundenen Schub für die Elektromobilität, für autonomes Fahren und die Digitalisierung.“

Hilfe durch Bund und Land

Seine Hoffnung auf ein Licht am Ende des Tunnels – die teilt auch Stephan Weil. Der niedersächsische Ministerpräsident sagte den Betrieben der Region deshalb auch die größtmögliche Unterstützung zu. „Wir befinden uns inmitten einer harten Wirtschaftskrise, Bund und Land unterstützen deshalb mit Mitteln in nie dagewesener Höhe. Denn eins ist klar: Wenn ein Unternehmen einmal seine Bücher schließt, dann zahlt es nie wieder Steuern, nie wieder Gehälter und nie wieder Sozialversicherungsbeiträge.“

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