Kultur, die durch den Magen geht

Neue Tour-Idee: Ein kulinarisch-kultureller Stadtrundgang durch Braunschweig

Tourguide Elena Laubig vor der Jakob-Kemenate, dem ältesten Gebäude der Stadt. Fotos Birgit Wiefel

Innenstadt. Stadtführerin Elena blickt auf die Uhr und drängt energisch zum Aufbruch. Ihre kleine Reisegruppe hat es sich gerade im Restaurant Belly Button Food gemütlich gemacht. Die Salatschälchen sind zur Seite geschoben, man kommt mit dem Nachbarn ins Gespräch. Doch die Betonung liegt heute nicht auf Menü, sondern auf Kostprobe – und davon möglichst viele. Also auf zum nächsten Stopp.

Seit 2016 veranstaltet die Berliner Agentur „Eat the world“ auch in Braunschweig Stadtführungen der besonderen Art. Das Konzept: Auf dem Spaziergang lernen die Besucher neben Kultur und Geschichte auch gleich noch die Gastronomie kennen. Nicht die großen Restaurants oder Ketten an den touristischen Einfallschneisen, sondern die kleinen inhabergeführten Lokale, die eher im Verborgenen blühen.

Unser Guide beim Servieren von original schlesischen Mohnhälften in der Bäckerei Fucke.

Die Idee scheint anzukommen: Schon in 44 deutschen Städten werden auf diese Weise Kultur und Kulinarik „häppchenweise“ vermittelt. In Braunschweig steht die Tour unter dem Titel „Magniviertel“.
„Das ist etwas irreführend, denn wir lernen die ganze Innenstadt kennen“, begrüßt uns Elena Laubig am Treffpunkt auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz. Schon ihr Outfit macht klar: Dieser Rundgang ist eher eine Outdoorveranstaltung. Die Studentin für Deutsch und Geschichte ist dick in eine wetterfeste Jacke und Fellweste gepackt. Dreieinhalb Stunden mäandern wir mit ihr durch die Stadt – wir, das sind 16 Gäste, von denen sich viele schon kennen: Tanja Borchert und ihre Kollegen haben kurzerhand den Rundgang als Betriebsausflug genutzt. „Ich komme aus Kassel und bin gespannt auf Braunschweig“, erzählt Borchert beim Start.

Appetithäppchen im Belly Button Food. Mitarbeiterin Lena (stehend) erklärt den Gästen das Konzept des Restaurants, das ganz auf Nachhaltigkeit und regionale Produkte setzt.

Für Elena ein Ansporn: Sie ist eine von acht Guides, die derzeit die „Eat the world“-Tour durch Braunschweig leiten, und versteht es, humorvoll und kurzweilig die Geschichte der Stadt zu erzählen. Keine trockenen Zahlen – Personen und Anekdoten sind ihr wichtig. „Wissen Sie, warum Christoph Kolumbus nicht Indien sondern Amerika entdeckt hat?“, fühlt Elena ihren „Schülern“ vor dem Gewandhaus auf den Zahn. „Weil er zu viel von der Braunschweiger Mumme getrunken hat“, klärt sie über den jahrhundertealten Exportschlager der Löwenstadt auf. Und gleich noch ein Superlativ: Was so unscheinbar als Poller neben die Magnikirche einbetoniert wurde, „ist die zweitgrößte Kanonenkugel Europas“, sagt Elena stolz.

Stopp am Ringerbrunnen: Uwe Seeler (Dritter von links) – er heißt tatsächlich so – und seine Kollegen nutzten die Tour gleich als Betriebsausflug.

Dazwischen immer wieder Zehn-Minuten-Stopps bei Gastronomen. Auf dem Rundgang lernen wir unter anderem die Suppenbar auf dem Kohlmarkt, das nachhaltige Restaurantkonzept von Belly Button Food und die alteingesessene Bäckerei Fucke im Magniviertel kennen. Die backt nicht nur besondere schlesische Spezialitäten, sondern war auch schon Set im „Tatort“. „Einen ganzen Tag gingen hier die Filmleute ein und aus – am Ende waren wir sieben Minuten im Film zu sehen“ erzählt Susanne Fucke lachend.

Fazit: Eine schöne Tour – auch wenn es ruhig die eine oder andere Kostprobe hätte weniger sein können und dafür mehr Zeit zum Genießen. Infos und Termine unter www.eat-the-world.de .

^