Lärm, Müll, Gestank: Grillplatz nervt | Neue Braunschweiger
31. Juli 2020
Politik

Lärm, Müll, Gestank: Grillplatz nervt

Anwohner am Ölper See gehen auf die Barrikaden – „Öffentlicher Grillplatz ist eine einzige Belästigung“

So ordentlich sieht der Grillplatz am Ölper See nur an den wenigsten Tagen aus. Die Anwohner beschweren sich über Müll und Lärm. Foto: Birgit Wiefel

Schwarzer Berg. Eigentlich ist die Ecke am Ölper See die reinste Idylle. Dichtes Grün, ein weiter Blick übers Wasser und bei gutem Wetter noch ein schöner Sonnenuntergang inklusive. Genau hier, an der nordöstlichen Seite des Sees, hat die Stadt 2017 einen öffentlichen Grillplatz eingerichtet. Wer möchte, kann ohne Termin und kostenlos grillen. Die Anwohner sind allerdings von dem Platz nur noch genervt.

Ortstermin an einem Nachmittag. Auf den ersten Blick scheint alles perfekt: Der Platz wirkt wie geleckt, die Bänke sind sauber, die Mülleimer leer. „So sieht es hier nie aus“, sagt einer der Anwohner und zeigt Fotos. Die beweisen tatsächlich das Gegenteil. Auf den Tischen stehen jede Menge Flaschen, die einmal Hochprozentiges enthalten haben, außerdem Verpackungsmüll, der offensichtlich nicht mehr in die überquellenden Eimer gepasst hat. Auf dem Grillrost sind außerdem Überreste von Holz, Ästen und Plastikmüll erkennbar – alles nicht zulässig laut der Beschilderung.

„Noch schlimmer ist der Krach, der bis tief in die Nacht dauert“, stöhnt ein anderer Nachbar. Wie alle möchte auch er nicht mit Namen genannt werden, aus Angst vor Übergriffen. „Ich wurde schon angegangen, als ich mich in der Nacht über den Lärm beschwerte und mit der Polizei gedroht habe“, sagt einer. Die würde aber nur verwarnen und dann wieder wegfahren. „Keiner sagt Halt“ so der Tenor.

Die Anwohner kennen mittlerweile die Problemfälle. „Alles einschlägig bekannte Fangruppen“, sagt einer. „Die kommen schon stramm hierher, grölen herum, drehen die Musik bis zum Anschlag auf und missbrauchen – da keine öffentlichen Toiletten in der Nähe sind – unsere Gärten als Klo.“

Die Betroffenen haben sich inzwischen zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen und sind an die Verwaltung herangetreten. Ihr Hauptkritikpunkt: Der Abstand von Grillplatz und Häusern reiche nicht. „Ob Heidberg oder Prinzenpark – alle Grillplätze liegen viel weiter von den umliegenden Häusern entfernt. Am Ölper See sind es gerade einmal 25 Meter“, haben sie errechnet. Sie möchten deshalb, dass der Platz ein Stück weiter weg verlegt wird.

Zwei Ortstermine haben bereits stattgefunden. Auch in einer Bezirksratssitzung haben die Hausbesitzer ihrem Ärger Luft gemacht, „bis jetzt ist nichts passiert. ‘Sie können sich beschweren, da wird sowieso nichts draus’“, bekamen wir unter anderem zu hören.“

An diesem Nachmittag gibt es erneut ein Treffen zwischen Verwaltung und Anwohnern, mit dabei der neue Dezernent für Umwelt, Stadtgrün, Sport und Hochbau, Holger Herlitschke. Der macht klar: Der Grillplatz an sich ist nicht verhandelbar: „Wir haben nachgemessen: Wenn sich die Nutzer an die Regeln halten, liegen die Emissionen und der Geräuschpegel im Toleranzbereich“, sagt Herlitschke. Auch ein Umzug des Platzes in einen abgelegeneren Teil sei ausgeschlossen. „Da bin ich als Umweltdezernent entschieden dagegen, das Problem wird nur in eine Schutzzone verlagert.“

In seinen Augen ist die Belästigung eher eine ordnungstechnische Frage. „Die Kontrollen durch die Polizei müssten intensiviert werden, ebenso die Intervalle der Säuberung.“ Was die Gruppen betrifft, so hofft Herlitschke, über die Fan-Beauftragten etwas bewegen zu können. „Die Geruchs- und Lärmbelästigung könnte eventuell auch durch einen Wall oder eine Anpflanzung vermindert werden“, suchte der Umweltdezernent nach einer weiteren Lösung. Am Ende des Tages war klar: Der große Knoten war nicht geplatzt, aber man war ins Gespräch gekommen, erste Schritte für eine Verbesserung gefunden. „In drei Monaten treffen wir uns nochmal wieder und bewerten die Lage“, versprach der Umweltdezernent. Die NB bleibt dran.

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