Lage muss nicht ängstigen | Neue Braunschweiger
1. April 2014
Politisches

Lage muss nicht ängstigen

Kriminalität insgesamt rückläufig — Mehr Wohnungseinbrüche.

Von Andreas Konrad, 02.04.2014.

Braunschweig. Die Stadt und die Region sind überdurchschnittlich sicher. Das sagen die jeweiligen Statistiken, die Cordula Müller, Leiterin der Polizeiinspektion Braunschweig, und Polizeipräsident Michael Pientka am Dienstag präsentiert haben.

23 692 Straftaten flossen in die Statistik der Polizei Braunschweig ein, das bedeutet eine sogenannte Häufigkeitsziffer von 9382 pro 100 000 Einwohner. „Eine Häufigkeitsziffer von unter 10 000 ist für eine Großstadt im bundesweiten Vergleich ein exzellenter Wert“, kommentierte Müller die Zahl, die noch im Vorjahr bei 9795 lag. Das bedeutet übersetzt in das reale Leben, dass die Zahl der zur Anzeige gebrachten oder von der Polizei entdeckten Straftaten gesunken ist – in Braunschweig wie in der Region. Wolfenbüttel (4348), Peine (4875), Helmstedt (5966), Goslar (6383), Gifhorn (4743), Salzgitter (6241) und Wolfsburg (7011) stehen hier noch besser da als Braunschweig. „Die Kriminalität im städtischen Bereich ist naturgemäß größer“, berichtet Pientka. Um mehr Licht in die Dunkelziffer der Straftaten zu bringen, wurde erstmalig ein sogenannte „Dunkelfeldstudie“ landesweit durchgeführt. Dazu wurden Einwohner ab 16 Jahren vereinfacht ausgedrückt befragt, wie sicher sie sich fühlen: 88 Prozent sagten, sehr sicher bis sicher.
Autodiebstahl, Wohnungseinbrüche und Jugendkriminalität sind die Felder, der die Polizei verstärkte Aufmerksamkeit widmet.

Es ist die absolute Horrorvorstellung: Man kommt von einer Hochzeit oder schlimmer, einer Beerdigung, nach Hause und die Wohnung ist ausgeräumt. Wer in entsprechenden Inseraten zu einem dieser Anlässe seine Adresse preisgäbe, habe gute Chancen, dies zu erleben, beschreibt Braunschweigs Kripo-Chef Ulf Küch. Aber, es gibt auch Möglichkeiten, sich zu schützen.
„Aufklärung ist ganz wichtig“, sagt Cordula Müller. Nicht nur über klassische Fehler der Opfer. Insbesondere Fenster und Türen sind häufig zu schlecht gesichert. In 325 Wohnungen von Mehrfamilienhäusern und 161 Ein- oder Zweifamilienhäuser wollten Täter im vergangenen Jahr in Braunschweig einbrechen, in 216 Fällen blieb es beim Versuch. Statistisch eine kleine Abnahme, praktisch dem bundesweiten und regionalen Trend (plus 3,47 Prozent) folgend ein Anstieg, weil noch nicht alle tatsächlichen Fälle vor dem Stichtag der Statistik bearbeitet waren.
Im Bereich des Autodiebstahls, der 2013 leicht rückläufig war, ist die Region nach wie vor ein landesweiter Brennpunkt. Das läge zum einen an der verkehrsgünstigen Lage in Richtung Osteuropa und zum anderen an der starken Präsenz eines der größten Autobauer der Welt, erklärt Michael Pientka.
Große Sorgen bereiten der Polizei Trickbetrügereien zum Nachteil älterer Menschen. Unglaubliche 130 000 Euro Bargeld und Schmuck fielen den meist europaweit agierenden Tätern 2013 allein in Braunschweig so in die Hände. „Wir haben hier einige Familienclans als Täter ermittelt, erhalten aber keine Unterstützung der jeweils zuständigen Behörden in Osteuropa“, beklagt Ulf Küch die Schwierigkeit der Ahndung dieser Delikte. Auch hier seien Prävention und Berichterstattung wichtig, die Zahl der Anzeigen auch bei gescheiterten Versuchen zu erhöhen. „Wenn wir Anzeigen erhalten, können wir daraus ableiten, dass eine Bande in der Stadt aktiv ist und eingreifen“, so Küch weiter. Von 165 angezeigten Trickbetrügereien blieben 117 im Versuchsstadium.
Weiter auf dem Vormarsch sind Taschendiebstahl und Raub — meist von Handys oder Geldbörsen. Aber auch hier lässt sich das Risiko, Opfer zu werden reduzieren: Sehr viele dieser Straftaten finden im Umfeld der Braunschweiger Feiermeile statt, häufig in der Nacht begangen von mehreren Tätern an einzelnen Opfern.
Über 60 Prozent aller erfassten Straftaten wurden 2013 in Stadt und Region aufgeklärt – damit steht auch die Polizei im bundesweiten Vergleich gut da.

Die kompletten Statistiken finden Sie hier: Polizeistatistik

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