• Home
  • > >
  • „Lange Straße wird noch mehr zur Schlucht“

„Lange Straße wird noch mehr zur Schlucht“

Die Bürgerinitiative Baumschutz kritisiert die Bebauungspläne für die Freifläche an der Petri-Kirche

Edmund Schulz von der Bürgerinitiative Baumschutz und Hartmut Gaedecke vom Bürgerforum Wallring sind gegen den Lückenschluss. Foto: Birgit Wiefel

Innenstadt. Lückenschluss an der Petri-Kirche: An der Ecke Lange Straße/Gördelingerstraße sind Wohnungen sowie Räume für die Kirchengemeinde geplant.

Bei einem Wettbewerb erhielt die Idee der Architekten Rüdiger den ersten Preis. Noch verhandeln Kirchengemeinde und Stadt über das Grundstück. Doch die Bürgerinitiative Baumschutz Braunschweig (BI) hat sich in einem offenen Brief an die Gemeinde schon einmal in Stellung gebracht und fordert, von der Bebauung abzusehen: Die Verdichtung hätte direkte Auswirkungen auf das Stadtklima.

Wiese belassen

Derzeit ist die Anlage hauptsächlich Ziel von Hundebesitzern, die ihre Vierbeiner dort Gassi führen. Fußgänger nutzen die Wiese auch gern als Abkürzung zwischen der Gördelinger und der Langen Straße. Sechs Bäume spenden im Sommer Schatten. Um ihren Erhalt geht es den Baumschützern in erster Linie. „Die Fläche sollte grün und unversiegelt bleiben“, fordert Sprecher Edmund Schulz. Eine Bebauung würde dazu führen, „dass die Lange Straße noch mehr zu einer Straßenschlucht wird, in der die Luft nicht mehr zirkulieren kann“. „Nach einer Studie des Bundesamtes für Umwelt der Schweiz wirken sich verdichtete Straßenzüge mit dunklem Asphalt und fehlendem Luftaustausch negativ auf das Stadtklima aus“, zitiert Schulz. Der Baumschützer würde aus der Fläche auch nicht unbedingt eine Parkanlage machen. „die Abkürzung über die Wiese für den Fuß- und Radverkehr ist vollkommen in Ordnung“, sagt er.

Was wird mit der Kirche?

Die Initiative hat inzwischen Unterstützung bekommen. Hartmut Gaedecke vom Bürgerforum Wallring und Stadtteilheimatpfleger Elmar Arnold sind ebenfalls gegen eine Nachverdichtung. Gaedecke befürchtet vor allem, dass die Petri-Kirche durch die neuen Gebäude schlicht verschluckt wird. „Setzt sich der prämierte Entwurf der Architekten Rüdiger durch, wird man wohl nur noch das Dach und den Turm der Kirche sehen“, befürchtet Gaedecke. Der Braunschweiger wurde in der Kirche getraut, seine drei Töchter getauft und konfirmiert. „Ich finde es deshalb besonders schade, dass sie so eingezwängt wird“, sagt Gaedecke.

Der Entwurf der Architekten Rüdiger. Bei einem Wettbewerb gewann der den ersten Preis.

Bei seinen Recherchen ist er auf ein weiteres Problem gestoßen: Der Untergrund besteht aus sumpfigem Gelände. „Wie beim Bau des Pressehauses müssten auch hier zur Langen Straße hin mit schwerem Gerät viele, sehr lange Betonpfeiler in den schluffigen Grund der Okeraue gerammt werden“, erklärt Gaedecke und befürchtet: „Das Rammen könnte ein Problem für die Petri-Kirche werden.“

Noch nichts entschieden

Stadt und Landeskirche versuchen derweil die Wogen zu glätten. Für die Bebauung der Freifläche an der Petri-Kirche lägen zwar Architekten-Entwürfe vor, „aber noch keine konkrete Bauentscheidung“, teilt Michael Strauß, Pressesprecher der Landeskirche auf Anfrage der NB mit. Derzeit werde gemeinsam mit der Stadt weiter geprüft, wie das Projekt realisiert werden könne. „Dabei spielen auch ökologische Abwägungen eine Rolle, die der Landeskirche wichtig sind“, so Strauß.
Die Stadt sieht den prämierten Entwurf der Architekten Rüdiger zwar als Grundlage für den Bebauungsplan. Doch „im Rahmen des Bauleitplanverfahrens, das nach gegenwärtigem Stand im ersten Quartal 2020 abgeschlossen sein soll, wird der Öffentlichkeit die Möglichkeit geboten, Anregungen und Stellungnahmen zu den Planungen abzugeben“, so Stadtsprecherin Juliane Meinecke.

^