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„Lassen Sie die Helikoptermutter ruhig zu Hause“

Kinder sollten den Schulweg besser alleine gehen – Heidrun Möbius und Michael Schlutow erklären, warum

Heidrun Möbius, Vorsitzende der Verkehrswacht, und Michael Schlutow, ehemaliger Verkehrssicherheitsberater der Polizei hinter einem Banner, das jetzt zum Schulanfang Autofahrer wieder für die kleinen Abc-Schützen sensibilisieren soll.. Fotos: Birgit Wiefel

Braunschweig. Wenn Michael Schlutow eines sauer machen kann, dann sind es falsch geparkte Autos. Vor allem falsch geparkte Autos vor Schulen. Seit fast 30 Jahren setzt sich der inzwischen pensionierte Polizeibeamte mit der Verkehrswacht für sichere Schulwege ein und jetzt das: Praktisch vor der Tür der Grundschule Heinrichstraße steht ein silberner Golf.

Mitten im Parkverbot an einer Kreuzung. „Stellen Sie sich vor, Sie sind 1,20 Meter groß und wollen die Straße überqueren – Sie sehen nichts“, sagt Schlutow und geht zum Beweis in die Hocke.

Ob Poller, Parkverbote, abgesenkte Bordsteine, Mittelinseln und gelbe Füße, die signalisieren: „Hier bitte stehenbleiben und erst einmal schauen, ob alles frei ist“ – Polizei, Verkehrswacht und Stadt haben in den vergangenen Jahren viel dafür getan, dass Kinder sicher durch den Straßenverkehr manövrieren können.
Mehr noch: Für jede Schule wurde ein Schulwegplan entwickelt. Heidrun Möbius, Vorsitzende der Verkehrswacht, reicht ein Beispiel über den Tisch. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Schnittmusterbogen, sind in Wirklichkeit alle Wege von und zur Grundschule Heinrichstraße.

Schraffierte Straßen bedeuten: Hier ist der Übergang besonders gefährlich, blaue Linien signalisieren: Alles sicher. „Die Schulwegpläne werden schon vor Schulanfang an die Eltern verteilt und sind auch auf den Internetseiten der Stadt hinterlegt“, weist Möbius hin. Gerade jetzt zum beginnenden Schuljahr hat sie noch einen ganz besonderen Wunsch an die Eltern. „Verzichten Sie auf das Elterntaxi und lassen Sie Ihr Kind nach einer Übungsphase alleine den Schulweg gehen“, bittet die Vorsitzende. Der Appell ist nicht neu, doch Möbius und Schlutow werden nicht müde, ihn zu wiederholen. „Eltern, die ihre Kinder bis vor die Schultüre fahren, womöglich noch in Hektik, bewirken genau das, was sie eigentlich vermeiden wollen: Sie bringen die Kinder in Gefahr“, warnt der 61-Jährige Polizist a.D.

Der Grund: Die Mütter und Väter sorgen eine halbe Stunde vor Schulbeginn für ein riesiges Verkehrsaufkommen vor der Schule, lassen ihr Kind oft auf der falschen Seite aussteigen und laden auch noch ihren Stress ab. „Kein optimaler Start in den Tag für die Kinder“, schüttelt Schlutow den Kopf. Warum es außerdem noch gut ist, die Helikoptermutter oder den -vater ruhig zu Hause zu lassen: Das Kind wird selbstständiger. „Wer einen Weg alleine geht, achtet viel mehr auf ihn. Und ist es nicht viel geselliger, mit einem Klassenkameraden zur Schule zu gehen, statt alleine hinten im Auto zu sitzen?“, gibt Möbius zu bedenken.

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