25. März 2014
Kulturelles

Leise Töne – glasklar und stark

Wolfgang Niedecken (m.) und seine sechs Mitmusiker von BAP spielten Montag rund drei Stunden in der Stadthalle. Foto: Pause

Die Kölschrocker von BAP zogen am Montag in der fast ausverkauften Stadthalle den Stecker.
Von André Pause
Braunschweig. Die Besucher in der fast ausverkaufen Stadthalle sind mehrheitlich im sogenannten besten Alter. Ein Sinfoniekonzert – könnte man meinen. Doch die legere Garderobe – das eine oder andere Fan-Utensil inklusive – verrät: Die Herrschaften warten auf BAP, die Kölsch-rocklegende.

Wolfgang Niedecken und seine sechs Mitmusiker sind auf „BAP zieht den Stecker“-Tour. Ruhig möchten sie es angehen lassen, „höösch“, wie der Kölner sagt. 63 Jahre jung wird Niedecken Ende dieser Woche, ein Alter in dem auch Rocker bedächtiger werden. Dass das kein Nachteil sein muss, beweisen BAP mit einem rund dreistündigen (!) Akustikkonzert.
Das Programm umfasst ältere und aktuellere Nummern, alle neu arrangiert. Das letzte Album „Zosamme alt“, eine Homage an die Frau des Frontmanns, ist dabei eher Inspirationsquelle als konkrete Blaupause. Das bedeutet: Liebeslieder als Schwerpunktthema, ja – aber nicht nur.
Der Sound in der Stadthalle ist differenziert und glasklar ausgesteuert, nicht zu leise aber schon gedämpft. Die erste Hälfte des Abends besitzt über weite Strecken beinahe kammermusikalischen Charakter. Überhaupt: Am stärksten sind BAP in diesem Rahmen, wenn sie der Losung „weniger ist mehr“ folgen, sich die Band bei der Instrumentierung auf drei, höchstens vier Instrumente fokussiert. Das ohnehin dunkle „Nöher zo mir“ beispielsweise wird allein durch das Indische Harmonium von Multiinstrumentalistin Anne de Wolf und den klopfenden Kontrabass von Werner Kopal zum herrlich bedrohlichen Seemannslied. Tour-Percussionist Rhani Krija dreht bei „Magdalena“ eine hochklassige Solorunde nach der anderen und verleiht dem Song dadurch eine völlig neue Note.
Zwischendurch wird immer wieder ein bisschen geplaudert. Über die Songs, klar, aber auch die Sympathiebekundung in Richtung Eintracht Braunschweig darf natürlich nicht fehlen.Nach der Pause das gleiche Bild, nicht nur optisch. Niedecken und Co. sitzen immer noch bequem auf ihren Hockern. Es gibt Songs, bei denen die Musiker etwas zuviel wollen („Morje fröh doheim“), und es gibt Lieder, bei denen schlicht alles passt („Lisa“, „Lena“, „Jupp“). Die Stimmungskurve erreicht ihren Höhepunkt erwartungsgemäß bei „Verdamp lang her“. Erst stehen zehn Zuschauer, dann 50, 200 und schließlich fast alle. Etliche Zugaben spielen BAP, bevor sie ihr Publikum mit „Sendeschluss“, einem Song über die Alltagssorgen von Jugendlichen, zufrieden und endgültig in die Nacht entlassen. Milde lächelnd, als wollten sie sagen: Gott sei Dank, aus dem Alter sind wir raus.

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