18. November 2022
Buntes

Lichterglanz (fast) wie früher

Am kommenden Mittwoch wird der Weihnachtsmarkt eröffnet – ohne Regeln, aber gedimmt

Der Braunschweiger Weihnachtsmarkt kann in diesem Jahr zum ersten Mal wieder ohne Corona-Beschränkungen stattfinden. Foto: Christian Bierwagen / Stadtmarketing

Braunschweig. Stadtmarketing und Schausteller sind sichtlich erleichtert. Die zwei Corona-Winter haben an den Nerven gezerrt. Jetzt soll die Advents- und Weihnachtszeit endlich wieder werden wie früher – mit einem Weihnachtsmarkt ohne Masken, Maßnahmen und Corona-Beschränkungen.

Am kommenden Mittwoch, 23. November, wird Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum um 18 Uhr die Lichter rund um Burg und Dom einschalten und damit den Startschuss geben. 130 Buden laden dann bis zum 29. Dezember zum Schauen, Stöbern und Verkosten ein, dazu gibt es wieder das beliebte Kinder- und Kulturprogramm. An Herausforderungen mangelt es trotzdem nicht, denn in diesem Jahr müssen alle mit der Energiekrise kämpfen.

Energie sparen

Münster und Bielefeld verkürzen die Öffnungszeiten, Düsseldorf schaltet die Lichter später an und deutlich früher aus. Weihnachtsmärkte sind in diesem Jahr ein Drahtseilakt zwischen heimeligem Lichterglanz und beinharten Sparmaßnahmen. Auch in Braunschweig wurde im Vorfeld mit spitzer Feder gerechnet.

Sind froh über einen Weihnachtsmarkt, wie man ihn kennt (v.l.): Stefan Franz und Thomas Bronswyk vom Schaustellerverband und Gerold Leppa, Geschäftsführer der Stadtmarketing GmbH. Foto: Birgit Wiefel

Den Markt ganz abzusagen, war weder für das Stadtmarketing noch den Schaustellerverband eine Option. „Handel, Gastronomie, Beschicker und Schausteller waren die Hauptleidtragenden der Pandemie“, erinnert Gerold Leppa. Auch für Stefan Franz, Vorsitzender des Schaustellerverbandes Braunschweig, gab es letztlich keine Alternative. „Der Weihnachtsmarkt ist das Highlight am Ende der Saison. Wir unterhalten damit unsere Familien und Mitarbeiter“, macht er die wirtschaftlichen Zwänge deutlich. Dennoch werde der Markt rein rechnerisch eine „knappe Kiste“, räumt Leppa ein.
Aufgrund von Lieferengpässen und Personalmangel haben einige Standbetreiber schon abgesagt. Nur 162 Bewerbungen sind in diesem Jahr beim Stadtmarketing eingegangen, zum Vergleich 2019 waren es noch 236. Dennoch soll sich der Bummel natürlich lohnen. 130 Buden werden rund um Dom und Burg und auf dem Platz der Deutschen Einheit Kunsthandwerk und weihnachtliche Köstlichkeiten anbieten, darunter acht neue Stände mit Röstbrot, Keramik, Strickwaren oder Leckereien fürs Haustier.

Wie viel Licht darf es sein?

Hell, gedimmt oder dunkel? In Zeiten der Energiekrise werden das Thema Licht, aber auch das Thema Heizen zur Gretchenfrage. Stefan Franz, in vierter Generation Schausteller, zuckt die Schulter. „Bei uns gilt eine Regel: ‘Licht lockt Leute’“. Kein Wunder, dass ihm jede ausgeschaltete Lampe Bauchschmerzen bereitet. Dennoch tragen die Schausteller natürlich die Sparmaßnahmen mit. Die Beleuchtung wird in diesem Jahr erst mit Einbruch der Dämmerung und nicht schon bei der täglichen Marktöffnung um 10 Uhr morgens angeschaltet, „die Mehrheit der Stände hat außerdem bereits vor Jahren auf moderne LED-Technik umgesattelt“, sagt Franz. Wo möglich, soll auch auf den Einsatz von Heizlüftern verzichtet werden, „und die Speisen und Getränke werden auch nicht mit normalem Gas, sondern mit Propangas, einem Abfallprodukt der Erdöl- und Erdgasproduktion, erhitzt“, betont Leppa.

Auch die Stadt spart. Verzichtet wird auf die beleuchteten Schwippbögen in den Rathausfenstern und das blaue Licht in den Burggräben – der teuerste Posten in der Energiebilanz. „Die Schwippbögen sind eher symbolischer Natur“, sagt Leppa. Sie seien längst auf LED-Technik umgestellt, „die verbrauchen nicht mehr als ein handelsübliches Bügeleisen.“ Außerdem werde zu 100 Prozent Strom aus regenerativer Erzeugung genutzt …

Öffnungszeiten: 23. November bis 29. Dezember (Marktruhe am 24. und 25. Dezember), montags bis samstags 10 bis 21 Uhr, sonn- und feiertags von 11 bis 21 Uhr. Die Preise werden voraussichtlich 10 bis 15 Prozent über denen des Vorjahres liegen, allerdings nicht durchgängig für alle Produkte. Alle Infos unter www.braunschweig.de/weihnachtsmarkt.

Programm

Noch im vergangenen Jahr musste das Kulturprogramm rund um den Weihnachtsmarkt coronabedingt schmaler ausfallen. Jetzt ist es wieder in voller Länge da. Hier die Highlights:

• Regionale Chor- und Orchestergruppen treten fast täglich an den Markttagen auf. An den Adventssonntagen (27. November, 4. und 18. Dezember) schallen außerdem von 16.20 bis 16.50 Uhr weihnachtliche Trompeten- und Posaunenklänge vom Rathausbalkon.

• Die Weihnachtskulturwoche im Dom stimmt vom 10. bis 18. Dezember mit dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach, Orgelkonzerten und dem Quempas-Singen auf die Feiertage ein.

• Für Kinder gibt es ein kostenloses Programm. Vom 1. bis 23. Dezember wird von 11 bis 11.15 Uhr ein Puppentheater an der Heinrichslinde aufgeführt. Zudem gibt es an den vier Adventssamstagen jeweils um 14 Uhr eine Kindertheateraufführung im Großen Saal der Handwerkskammer. Basteln und Kerzenziehen ist vom 24. November bis zum 23. Dezember in der Weihnachtswerkstatt im Burggraben angesagt. Dort hängt in diesem Jahr auch wieder ein roter Wunschzettel-Briefkasten, in den Kinder ihre Wünsche an den Weihnachtsmann werfen können.

• Das „Wintertheater“ öffnet noch bis zum 30. Dezember sein Spiegelzelt auf dem Platz an der Martinikirche und unterhält mit Klassikern wie der „Braunschweiger Weihnachtsgeschichte“. Beim „Eiszauber“ auf dem Kohlmarkt können sich Besucher dagegen auf Schlittschuhen oder beim Eisstockschießen versuchen. Verschiedene Bühnenhäuser wie das Staatstheater runden das kulturelle Angebot ab.

• Dank des Engagements der Innenstadthändler lockt die geschmückte Fußgängerzone zum Einkaufsbummel. Noch mehr Einblicke in die Stadt versprechen zwei Führungen. Mit einem Blick vom Rathausturm können sich Gäste aus 61 Meter Höhe einen Rundblick über den Weihnachtsmarkt verschaffen. Außerdem gibt es eine Gruppenführung rund um den Burglöwen. Buchbar sind die Angebote online unter www.braunschweig.de oder in der Tourist-Info, Kleine Burg 14.

• Schon einen Tag vor dem ersten Advent startet wieder die Spendenaktion „Braunschweig zeigt Herz“. Am Samstag, 26. November, wird zwischen 12 und 18 Uhr an verschiedenen Orten in der Innenstadt für Projekte der Braunschweiger Verkehrswacht gesammelt.

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