25. Juli 2020
Verkehr

Liebe auf den ersten Knopfdruck

Unterwegs im Elektroauto – Die NB testet den Hyundai Kona Elektro

Unsere Testfahrt mit dem Hyundai Kona Elektro vom Autohaus Stark in Königslutter führte uns auch an das Kloster St. Marienberg in Helmstedt. Fotos (5): Lüer

Einsteigen, Tür zu, den Startknopf gedrückt: Check! Und jetzt? In einem Elektroauto brummt kein Motor. Nur ein Fiepen ist zu hören.

Läuft er schon? Ja, lautlos setzt sich der Wagen, ein weißer Hyundai Kona, in Bewegung, das typische Elektro-Feeling stellt sich ein. Aufgeregt drehen wir unsere Runden in der Region und stellen fest: So ein Elektroauto ist schon was Feines!

Doch wie alltagstauglich sind die E-Fahrzeuge wirklich? Wie hoch ist ihre Reichweite? Und ist das Akkuladen eigentlich aufwendiger als ein Tankstellenbesuch? Die NB hat eine Woche lang getestet und einige Antworten gefunden. Unseren Fahrbericht lesen Sie hier. 

Das Beste für mich am E-Auto-Fahren ist das gute Gewissen und das „Ich-verbessere-jetzt-die-Welt-ein-wenig“-Gefühl. Aber wie alltagstauglich sind die Stromfahrzeuge eigentlich wirklich? Und viel wichtiger: Wie weit komme ich mit einer vollen Akkuladung?

Satte 484 Kilometer – das ist die überraschend hohe Reichweite, die mir der Bordcomputer anzeigt, als ich den Hyundai Kona Elektro starte. Ich frage mich, ob der Stromer das auch im Test einhalten kann. Ich drücke zwei Knöpfe, und schon kann’s losgehen.

Weil die Leistung sofort da ist, beschleunigt der Kona erstaunlich zügig, die „Gasannahme“ ist natürlich der Wahnsinn. Denn anders als Verbrenner entwickeln Elektromotoren ihre maximale Anzugskraft von der ersten Umdrehung an und können deshalb ohne Gedenksekunde starten – und so lasse ich an der Ampel so manchen Benziner hinter mir – zumindest auf den ersten Metern. Speziell in der Einstellung „Drive“ reagiert der E-Motor sportlich direkt.

Insgesamt fährt sich der E-Kona recht weich und handlich, der Fahrspaß ist dementsprechend riesig – bei mir ist es sozusagen Liebe auf den ersten Knopfdruck.

Was mir so richtig Freude bereitet: das Stromsparen. Ich versuche also, so effizient wie möglich zu fahren, um das Maximum an Rekuperation herauszuholen (Bremsenergierückgewinnung) und möglichst lange Rollphasen ohne Antriebskraft hinzukriegen. Gerade, wenn mir die Anzeige sagt, wie viele Meter zusätzliche Reichweite ich mit dem letzten Bremsvorgang eingeheimst habe, erzeugt das eine Art innere Befriedigung.

Zahlreiche Assistenzsysteme, etwa der Abstandsregeltempomat, der Spurassistent oder der autonome Notbremsassistent inklusive Frontkollisionswarner mit Fußgängererkennung, sind für die aktive Sicherheit zuständig. Besonders hilfreich finde ich den Toten-Winkel-Assistenten, der vor drohenden Zusammenstößen mit parallel fahrenden oder nachfolgenden Fahrzeugen bei Spurwechselmanövern mit einem Symbol im Außenspiegel warnt.

Auch mit dem Head-up-Display habe ich mich schnell angefreundet, bewahrt es mich doch davor, zu schnell zu fahren: Oberhalb des Armaturenbrettes lässt es das Tempolimit in meinem Blickwinkel erscheinen, daneben ist die gefahrene Geschwindigkeit zu sehen.

Der Innenraum ist Geschmackssache. Zumindest im Farbton grau, den unser Testwagen trug, strahlt der Kona ein eher kühles Ambiente aus. Das Hartschalenarmaturenbrett wirkt nicht sonderlich hochwertig. Vielleicht aber mag mancher Beobachter darin auch etwas Futuristisches sehen. Die Instrumente sind indessen übersichtlich angeordnet, das Cockpit wirkt aufgeräumt. Alle Anzeigen sind digital und die Bedienung ist umfangreich, gibt aber keine Rätsel auf. In der ersten Reihe sitzt man sehr bequem, in der zweiten geht es ein bisschen beengter zu.

So ein Elektroauto ist schon was Feines. Aber mal eben schnell laden? Von wegen! Im besten Fall dient die Garage als zentrale Ladestation, bei mir jedoch ist das Kabel viel zu kurz, um den Weg in die heimische Steckdose zu finden. Für meinen Test muss ich mich also nach öffentlichen Lade-Alternativen umschauen. Dafür sind Umwege nötig, einige Ladepunkte sind belegt. Die Odyssee nimmt ihren Lauf.

Bei einem Batteriestand von 20 Prozent macht sich Angstschweiß breit. Denn: Wenn ein Elektroauto mit leeren Akkus stehenbleibt, dann steht es wirklich. Mit einem Reservekanister mal eben nachtanken? Funktioniert nicht. Endlich finde ich eine freie Station und docke an. Glück gehabt!

Alles in allem erweist sich der Kona Elektro im Alltag als stimmiges und gut durchdachtes Auto, das in seiner ganzen Handhabung einfach sehr normal ist. Und das ist wohl letztlich sogar das größte Lob.

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