28. Juli 2021
Buntes

Liebe Leute spezial

Sommerfest der Stadt am Dowesee - Unterwegs mit NB-Redaktionsleiterin Ingeborg Obi-Preuß

Rund 350 Gäste waren zum Sommerfest in den Schulgarten am Dowesee eingeladen. Da der traditionelle Neujahrsempfang wegen der Coronapandemie ausfallen musste, gab es jetzt eine „Ersatzfeier“ im Freien. Foto: Daniela Nielsen/Stadt Braunschweig

Eigentlich sollte es wieder etwas leichter werden, ein fröhliches Sommerfest, wenn schon der Neujahrsempfang gestrichen werden musste. Aber dann wird es doch ernster als gedacht. Gastgeber Ulrich Markurth ist hörbar angefasst. Die Flutkatastrophe überschattet den sonnigen Abend im Schulgarten am Dowesee.

„Ich habe mir noch Gedanken gemacht, ob womöglich ein Regenschauer unser schönes Beisammensein stören könnte“, blickt er nur wenige Tage zurück. Gedanken, für die man sich jetzt fast schämen könnte. „Aber ich hätte mir nicht vorstellen können, dass solche dramatischen Nachrichten aus Deutschland kommen würden“, sagt der Oberbürgermeister, der zu zahlreichen Bürgermeistern in den von der Flut getroffenen Städte im engen Kontakt steht. Kolleginnen und Kollegen, die er gerade erst beim Deutschen Städtetag getroffen hatte. Alle unter dem Eindruck von 500 Tagen Pandemie. „Das macht etwas mit einer Gesellschaft“, sagt Markurth, „wir haben Gespräche geführt, die es sonst nur in Selbsthilfegruppen gibt.“

Sommerlaune am Dowesee: Gastgeber Ulrich Markurth (Mitte) hat seinem Ehrengast Sigmar Gabriel einen Löwen überreicht. Andreas Jäger als „Prof. Dr. Heinrich von Löwenstadt“ gibt gute Ratschläge. Foto: Ingeborg Opi-Preuß

Viele Sorgen gibt es durch Corona, aber auch viel Gutes, erzählte der OB. Und dankte auch besonders den Beschäftigten der Gefahrenabwehrleitung, die ebenfalls unter den geladenen Gästen waren für ihren besonderen Einsatz.
„Kluge Wahrheiten haben wir von den Wissenschaftlern erfahren“, sagt er und spricht stellvertretend für alle den anwesenden Vertretern aus Forschung und Lehre seinen Dank aus. Auch an die Gäste aus der Kultur und dem Mittelstand wendet sich der OB, lobt deren Durchhaltermögen. „Mir gibt das Kraft“, sagt Markurth, „da ist doch viel gelungen. Wir dürfen uns nicht trennen“, appelliert er an Zusammenhalt unter den Menschen, es gehe um ein großes soziales Gemeinschaftswerk, das sich nicht an die Politik delegieren lasse.

Der frühere Vizekanzler Sigmar Gabriel spricht ebenfalls zuerst den Opfern der Flutkatastrophe sein Mitgefühl aus. Und erinnert an die Sturmflut 1962 in Hamburg. „Damals haben wir Kinder aus den überfluteten Gebieten in den Harz eingeladen, damit die Eltern Luft haben zum Neuaufbau“, erzählt der Mann aus Goslar. „Das würden wir jetzt gern noch einmal machen. Wir könnten die Kinder gemeinsam in den Harz und nach Braunschweig einladen. In der Flüchtlingskrise haben wir doch gezeigt, dass wir helfen können“, regte Gabriel an.

Angesichts der großen Themen – Klima, Nuklear, Konflikte zwischen den Großmächten, Digitalisierung – würde das sogenannte Kleine an Bedeutung gewinnen. „Wir haben das früher Heimat genannt“, sagt Gabriel, „es ist die Sehnsucht nach sicherem Grund.“ Was angesichts der Flutkatastrophe noch einmal eine andere Bedeutung bekomme.
„Als ich vor 60 Jahren zur Welt kam, waren wir 2,5 Milliarden Menschen, heute leben 7,7 Milliarden auf dieser Welt. Und 100 Jahre nach meiner Geburt werden es zehn Milliarden sein. Wir bräuchten 2,5 Planeten“, rechnet er vor. „Antworten auf diese Herausforderungen kommen sicher auch aus dieser Forschungsregion.“

Der wunderbare Schulgarten am Dowesee verfehlte auch an diesem Abend seine Wirkung nicht. Trotz der schweren Themen, wird die Stimmung heiter. Manche machen eine kleine Führung mit Professor Heinrich von Löwenstadt (Andreas Jäger), andere, wie zum Beispiel Karin und Jochen Prüsse, nutzen das weitläufige Gelände für einen Abendspaziergang.
Handfester wird es im Gespräch mit Dr. Andreas Bierich, Geschäftsführer Kreishandwerkerschaft, und Otto Schlieckmann, ehemaliger Präsident der Handwerkskammer. Es geht um Interessenvertretungen, um Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Und Schlieckmann verrät, dass er zwei linke Hände hat. „Zu Hause ist meine Frau die Handwerkerin.“

Das Essen spielt beim städtischen Empfang traditionell eine Nebenrolle, da Steuergelder nicht für aufwendige Büffets verwendet werden sollen. Bernd Weymann und sein Team von den Wendezeller Stuben bieten kleine Gerichte wie Couscous oder Salatkreationen in Gläsern an. Das kommt Anette Riedel und Mirko Rüsing gerade recht. Die Landschaftsgestalterin und der Chef vom Mediamarkt sind über das Thema Abnehmen im Gespräch. Mirko erzählt von einem Heilpraktiker und Akupunktur – bei ihm jedenfalls hat es gewirkt. „Halb Braunschweig war schon bei dem Mann“, versichert Mirko.

Essen ist am Juristentisch eher Nebensache, dafür wird der Graue Burgunder zum Verhängnis. Zumindest mir. Generalstaatsanwalt Detlef Rust hat das Glück, dass die Frau an seiner Seite, Angelika Düfer, Vorsitzende Richterin am Verwaltungsgericht, sich für den Fahrdienst gemeldet hat. Ebenso Doris Fritzsche. Die Ernährungsberaterin macht vermutlich schon von Berufs einen Bogen um alkoholische Getränke, jedenfalls hat sie das Steuer übernommen, und ihr Mann, der Präsident des Verwaltungsgerichts Braunschweig, Erich Müller-Fritzsche, darf nun ebenfalls zu einem Glas Wein greifen. Der jedenfalls ist ausgesprochen lecker und schön kalt – der Abend wird relativ lang.

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