15. August 2021
Politisches

Lösung nach Protest: Unisex-Urinal

„Pipi-Gate“ in der Südstraße: Männer pinkeln kostenlos, Frauen müssen dafür 20 Cent zahlen

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Marion Lenz und Umweltdezernent Holger Herlitschke beraten sich an der neuen öffentlichen Toilette in der Südstraße über Beschwerden, dass Frauen für die Benutzung des WC-Teils zahlen müssen. Foto: Stefan Lohmann/regios24

Innenstadt. Kaum war sie aufgestellt, sorgte sie für Diskussionen: Die neue öffentliche Toilettenbox in der Südstraße erhitzt die Gemüter.

Warum? Weil Frauen für die Benutzung der Toilette 20 Cent bezahlen müssen. Für Männer hingegen ist das Pissoir frei und ohne Pipi-Obulus zugänglich. Dass das nicht fair ist, weiß auch die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Braunschweig, Marion Lenz: „Es gab rund zehn bis 15 Beschwerden an das Gleichstellungsreferat beziehungsweise die Stadt.“ Die bisher gewählte Lösung sei zwar nicht gerecht, entspreche aber dem Dilemma: offene Toiletten würden schnell zerstört und verschmutzt. Ein weiterer Punkt: Männer neigen schnell zum Wildpinkeln, wenn sie bezahlen sollen. Würde man also auch für die Benutzung des Pissoirs 20 Cent verlangen, gäbe es wohl nur wenige Nutzer – auch keine Lösung also.

Problem: Wildpinkler

Seit Jahren schon hat der Friedrich-Wilhelm-Viertel-Verein eine öffentliche Toilettenanlage für Braunschweigs Kiez angeregt. An manchen Wochenenden strömen hier bis zu 8000 Nachtschwärmer durch die Partymeile. „Bis dato fehlte die Möglichkeit einer öffentlichen Toilette“, skizziert Falk-Martin Drescher vom Kultviertel-Verein. Nicht nur zum Ärger der Feiernden, sondern auch der Anwohner, Ladenbetreiber und Hausverwaltungen, die Woche für Woche Schaufenster und Innenhöfe von Hinterlassenschaften befreien mussten. Der neue WC-Kubus auf dem Parkplatz Südstraße schafft an der Stelle endlich Abhilfe.
Doch wie sieht die Lösung für Braunschweigs „Pipi-Gate“ nun aus? Fest steht: Die meisten Frauen benutzen öffentliche Toiletten beim Urinieren ohnehin nicht sitzend, sondern stehen in einer Art Skihocke. Auch vor diesem Hintergrund schlägt Marion Lenz daher ein Unisex-Urinal vor, das genauso von Frauen benutzt werden kann. „Die Stadt Braunschweig prüft zurzeit die Umrüstung des bisherigen Urinals der WC-Anlage Südstraße“, erklärt sie.

Unisex-Urinal als Lösung?

Wie schnell dies umgesetzt werden könne, hinge auch von den Lieferfristen und der Verfügbarkeit von Handwerkern ab. „Wir schätzen, dass es Herbst wird. Aber ich bin froh, denn auf diese Weise wäre eine Gleichbehandlung der Geschlechter gegeben“, sagt Lenz. Durch die Abschließbarkeit des Urinals sei eine geschützte Nutzung für alle Nutzergruppen gewährleistet.
Ob die neue Lösung mit einem Unisex-Urinal das Gender-Gap beim Pinkeln schließen kann, wird sich dann zeigen müssen. Mit der Umrüstung würde der WC-Kubus in der Südstraße quasi zum Modellprojekt werden.
„Die Lösung bietet allen Menschen die Möglichkeit, kostenfrei zu urinieren. Das begrüße ich sehr. Urinale für Frauen gibt es schon lange, allerdings wurden sie bisher in Deutschland nicht angenommen“, weiß Marion Lenz. Sie hofft, dass die von innen abschließbare Tür ein Vorteil ist. „Wir werden dann gespannt auf die Rückmeldungen warten und bestimmt auch einen Selbstversuch unternehmen“, sagt sie.

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