Löwen gewinnen Defensivschlacht | Neue Braunschweiger
16. Januar 2016
Sportliches

Löwen gewinnen Defensivschlacht

Basketball-Bundesliga: Vor über 5000 Zuschauern gewinnt Braunschweig mit 46:43.

Löwen-Topscorer mit elf Punkten: Derek Needham. Foto: Ammerpohl.

Von Christoph Matthies, 16.01.2016.

Braunschweig. Ein schönes Spiel war es wahrlich nicht, das die 5024 Zuschauer am Samstagabend in der VW-Halle zu sehen bekamen. Feiern durften sie am Ende trotzdem, denn in einer Partie, die von der Defensive bestimmt war, behielten die Löwen schließlich mit 46:43 (20:24) die Oberhand.

Mit nur 46 Punkten eine Begegnung der Basketball-Bundesliga zu gewinnen, grenzt fast schon an ein Kunststück. Noch dazu, wenn der Gegner 14 Offensivrebounds mehr abgreifen kann. Dass dann auch noch Löwen- und BBL-Topscorer Keaton Grant 39 Minuten brauchte, um seinen ersten Korb aus dem Feld zu erzielen, beweist, wie verrückt die Partie zum Rückrundenauftakt wirklich war.

„Das war eines der hässlichsten Spiele, an die ich mich erinnern kann“, sagte Alba-Trainer Sasa Obradovic nach dem Duell zweier defensivstarker Mannschaften, und auch Löwen-Coach Raoul Korner pflichtete ihm bei. Tatsächlich deutete sich schnell an, dass dies eine Angelegenheit mit sehr wenigen Punkten werden würde. Besonders die Berliner schienen ihre Wurfhändchen in den eiskalten Schnee getaucht zu haben, ehe sie das große graue Ufo am Europaplatz betraten: Nach den ersten zehn Minuten (13:14) hatten die Berliner nur vier von 17 Wurfversuchen verwandelt, zur Halbzeit (20:24) fiel besonders ihre schwache Dreierquote (1/13) ins Auge. Das alles hatte viel mit der starken Braunschweiger Verteidigung zu tun, die Berlin am Ende bei einer Wurfquote von unsäglichen 23 Prozent hielt. Manchmal fehlte dem Tabellenzweiten, bei dem Allstar-Guard Will Cherry sogar ganz ohne Punkt blieb, aber auch einfach das Wurfglück.

Und die Braunschweiger? Die trafen nur unmerklich besser und kontrollierten das defensive Brett nur ungenügend, sodass die Albatrosse immer wieder zu zweiten Chancen kamen. Zum Glück nutzten sie diese nur selten.

Spätestens irgendwann während des dritten Viertels begannen die Braunschweiger Fans, sich sorgen um ihren zuverlässigsten Punktesammler zu machen. Keaton Grant klebte das Pech förmlich an den Fingern, der Amerikaner warf auch dann daneben, wenn er gegen die ligaweit gefürchtete Alba-Defense doch mal einen einigermaßen offenen Wurf bekam. Glänzen konnten bei Braunschweig nur wenige. Aufbauspieler Derek Needham ganz selten, als er zu Beginn der Partie zwei Dreier traf und später ein paar Mal den Turbo zündete, ansonsten mit elf Punkten und nur einem Assist aber auch deutlich unter seinen Möglichkeiten blieb. So richtig positiv fiel deshalb nur Flügelspieler und Eigengewächs Lucas Gertz auf, der sein neu gewonnenes Selbstvertrauen mit Drives zum Korb demonstrierte, die er entweder gleich vollstreckte oder in (erfolgreiche) Freiwürfe ummünzte. Der Alley-Oop-Pass von Gertz auf den dunkenden Amin Stevens (35:34) war die Szene des Spiels.

Immerhin 13 Würfe hatte Keaton Grant bereits danebengefeuert und es schien, als könnte er noch einige Stunden werfen ohne jemals zu treffen, als der 29-Jährige 80 Sekunden vor Schluss doch noch jubeln durfte – und das tat er ausgiebig und von ganzem Herzen, denn er wusste, dass sein Dreier zum 45:43 in einer so punktearmen Partie bereits die Vorentscheidung sein konnte. „Wenn Josh Gasser heute dabeigewesen wäre, wäre Keaton da vielleicht schon gar nicht mehr auf dem Feld gewesen“, räumte Korner hinterher ein, dass er tatsächlich mit dem Gedanken gespielt hatte, seinen glücklosen Flügelspieler in der „Crunchtime“ auf die Bank zu befördern.

Dass er es nicht tat, war ein Segen für die Löwen, denn nun mussten sie nur noch eine Minute richtig intensiv verteidigen. Und das taten sie, unterstützt von der nun lauten Kulisse. Und wie! Die Berliner wurden keinen guten Wurf mehr los, verstießen sogar einmal gegen die 24-Sekunden-Regel, weil die Gastgeber nun mit Leidenschaft den Sieg festhalten wollten. Und das Kunststück schaffen, mit nur 46 Punkten ein BBL-Spiel zu gewinnen.

Für die Löwen punkten: Needham 11, Frease 8, Gertz 8, Nash 7, Grant 5, Stevens 4, Simon 3.

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