3. April 2022
Kulturelles

„Macht dem Ungeheuer Feuer aufs Dach“

NB-Probenbesuch beim neuen Stück von Eitner und Schanz: „Der Diamantenherzog und das brennende Schloss“

Die Proben zum „Diamantenherzog“ im Großen Haus laufen auf Hochtouren. Am kommenden Freitag ist die Premiere. Foto: Stefanie Druschke

Innenstadt. Konzentrierte Stimmung auf der Bühne im Großen Haus des Staatstheaters. Der Portikus senkt sich von der Decke herab vor die Kulisse des Braunschweiger Schlosses, die Band setzt ein, die Akteure rappen los: „Da sind wir mal gespannt, da sind wir mal gespannt – wie’n Flitzebogen“.
Die NB darf exklusiv Probenluft schnuppern: „Der Diamantenherzog und das brennende Schloss“, heißt das neue Stück, das Christian Eitner und Peter Schanz mit der Jazzkantine bearbeitet haben: Insgesamt 20 Musikstücke, 22 Akteure auf der Bühne und rund zwei Stunden Spieldauer – das sind die Eckdaten.

Arne Stephan spielt Herzog Karl II, der sich lieber amüsierte, als sich um sein Volk zu kümmern. Foto: Veranstalter

Im ersten Corona-Lockdown hat das bewährte Erfolgsduo sich der Geschichte des schillernden Herzogs Karl II. genähert und die Zeit genutzt, um die Stücke zu schreiben. „Wir haben schon immer mal drüber nachgedacht, einen historischen Stoff zu bearbeiten und ihn zu rappen“ erzählt Christian Eitner. „Die schräge Figur hat uns interessiert.“
Bei ihren Recherchen seien sie komplett in die Zeit eingetaucht. Herzog Karl II sei ein weltgewandter Businessmann gewesen, der an der Börse viel Geld verdient, mehrere Sprachen gesprochen und sich für Kunst und Musik interessiert habe. „Auf der anderen Seite hatte er keine Lust aufs Regieren, hat sich um längst überfällige Reformen gedrückt und sich um gestiegene Preise, die das Volk ausgehungert haben, nicht geschert“, so Eitner.
Das Ende vom Lied: Die erbosten Braunschweiger zündeten ihrem Regenten das Dach über dem Kopf an und vertrieben ihn aus Stadt und Land: Die erste erfolgreiche, friedliche Revolution auf deutschen Boden. Und somit bietet das historische Material alles, was es für ein unterhaltsames und spannendes Stück braucht: Politik und Aufruhr, ein Mann zwischen Genie und Wahnsinn, das Ganze garniert mit Liebe und Intrigen.

Satte Klänge, eingängiger Sound: Der Bruch zwischen dem historischen Inhalt und der musikalischen Verpackung ist spannend. Vom Prolog bis zum Finale ist das Werk mit viel Hip Hop, mit Soul und R&B und mit hymnischen Balladen modern durchkomponiert. Und weil gerade Sprechgesang jede Menge Text verschlingt, sind da mal eben rund 50 000 Zeichen im Textbuch zusammengekommen, wie Christian Eitner gezählt hat.
Auf der Bühne gibt es, gut eine Woche vor der Premiere, noch jede Menge Abstimmungsbedarf, wird über Positionen, Einsätze und Abläufe diskutiert. „Es wird jeden Tag ein Stückchen geiler!“, kommentiert da eine Stimme aus dem Off. Zwischen den ersten Sitzreihen im Zuschauerraum ist ein Bildschirm mit Kamera aufgebaut. So hat auch Peter Schanz die Bühne im Blick – er nimmt aus der Quarantäne per Videochat an der Probe teil.
Corona ist nach wie vor präsent, auch im Cast fehlen derzeit noch einige Mitglieder. „Wir sind da in einem sportlichen Modus und fragen uns nicht ständig, was passiert wenn. Wir freuen uns einfach, dass wir vor vollem Haus spielen dürfen und solange der Herzog fit ist, kriegen wir das auch alles hin“, ist Christian Eitner zuversichtlich.
Jener Herzog (Arne Stephan) probt derweil seinen spektakulären Abgang, steigt vor dem Schloss mit einem Heißluftballon auf. Kurz zuvor hatten seine Untertanen gefordert: „Macht dem Ungeheuer endlich Feuer aufs Dach.“ Und während er da so aufsteigt, singt der flüchtende Diamantenherzog versonnen: „Ich fühl mich vogelfrei, von oben sieht die Welt so viel besser aus. Bye, bye Brunswiek, au revoir, adieu!“ Der kleine Probeneinblick macht neugierig auf das ganze Werk: „Da sind wir mal gespannt – wie’n Flitzebogen“.

„Der Diamantenherzog und das brennende Schloss“ ist vom 8. (Premiere) bis 18. April im Großen Haus des Staatstheaters zu sehen. Tickets gibt es noch über das Staatstheater: über den Web-Shop, die Theaterkasse, das Kartentelefon (0531/ 1234-567 oder per E-Mail an besucherservice@staatstheater-braunschweig.de

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