Magazin über Eintrachts wilde Jahre | Neue Braunschweiger
23. November 2018
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Magazin über Eintrachts wilde Jahre

Druckfrisch aus dem BZV Medienhaus – die Helden und Geschichten aus den 70ern

Das Cover zum Magazin.

Sexuelle Revolution und Flower-Power-Welle, Schlaghosen und Plateauschuhe, Flokatiteppiche und schrille Tapetenmuster, Bonanza-Fahrräder, „Dalli Dalli“, Früchte-Bowle und Mett-Igel – das alles und noch viel mehr waren die 70er-Jahre. Zudem ging es damals bunt, bedeutsam und bewusstseinserweiternd zu: In der Welt und bei Eintracht Braunschweig.

Das wildeste Jahrzehnt der Vereinsgeschichte war geprägt vom Abschied der legendären 67er-Meisterspieler und Trainer Helmut Johannsen, vom umstrittenen Bundesligaskandal, der zweiten (Fast-)Meisterschaft in der Saison 1976/77, der Einführung der Trikotwerbung und natürlich vom großen Einfluss von Jägermeister-Chef Günter Mast.

Zahlreiche Anekdoten und Geschichten ranken sich um diese bewegte und bewegende Ära. Das einmalige Magazin „Wilde Jahre – Eintracht Braunschweig in den 70ern“ gewährt intensive Einblicke hinter die Kulissen.
Es geht um die Menschen, die den Fußball in Braunschweig maßgeblich prägten, wie Weltstar Paul Breitner, der damals von Real Madrid geholt wurde, Nationaltorhüter Bernd Franke oder Top-Stürmer Bernd Gersdorff. Alle drei Eintracht-Ikonen geben in exklusiven Interviews ausführlich Auskunft über ihre turbulente Zeit im Verein. Weitere 70er-Jahre-Helden wie Ausnahme-Trainer Branko Zebec, Spieler wie Wolfgang Frank und Franz Merkhoffer sind mit großen Porträts dabei. Die Macher haben für das facettenreiche, aufwendig recherchierte und liebevoll layoutete Magazin viele Archive durchforstet und wichtige Zeitzeugen getroffen und erhielten so überraschende Einblicke in ein Jahrzehnt, das bis heute tiefe Spuren hinterlassen hat. Tore, Tabellen, Statistiken und Kuriositäten runden das Werk ab.

 

Hier das Interview mit Paul Breitner von Tobias Bosse:

Er ist einer der bekanntesten Fußballer in der langen Historie von Eintracht Braunschweig: Paul Breitner. Mit der Nationalmannschaft wurde er 1972 Europa- und 1974 Weltmeister, bei Eintracht Braunschweig sorgte er in der Saison 1977/78 für viel Wirbel auf und neben dem Platz. Der ­66-jährige kritische, konsequente und immer wieder kontrovers diskutierte Ur-Bayer gab sich im Interview äußerst charismatisch, offen und nonchalant.

 

Herr Breitner, läuft es Ihnen heute noch kalt den Rücken ­herunter, wenn Sie den Hubertus-Hirsch sehen?
Nein, absolut nicht. Jägermeister ist bei uns Zuhause omnipräsent.

Schwirrt Ihnen das Jahr in Braunschweig immer noch im Kopf herum?
Ja, immer wieder. Auch weil ich nach wie vor einen sehr guten und engen Kontakt zum Hause Jägermeister pflege und mich zu hundert Prozent als Jägermeisterianer bezeichne. Von allen Unternehmen, die ich mal repräsentiert habe, steht dieses ganz oben. Das fängt bei Günter Mast sowie seiner damaligen Chefsekretärin Ingrid Bastian, mit der meine Familie bis heute ein freundschaftliches Verhältnis pflegt, an und setzt sich mit der jetzigen Führung fort, zu der ich ebenfalls guten Kontakt habe.

Fragen Sie sich manchmal, was Sie damals geritten hat, als Sie dem Wechsel nach Braunschweig zustimmten?
Nein, ganz im Gegenteil. Das ist nach wie vor eine Entscheidung in meinem Leben, die die wenigsten verstanden haben. Die meisten haben damals wohl gedacht, jetzt ist der Breitner völlig blöd geworden da drüben – warum wechselt der von Madrid nach Braunschweig? Aber es gibt eine ganz einfache Antwort auf das „Warum“.

Und die wäre?
Ich wollte weg, weil es mir zu gut ging. Ich und meine Familie lebten in einem goldenen Käfig, der uns zu viel wurde.  Eine Situation, die man sich erträumt, aber wenn man sie dann erreicht, ist man geschockt und fragt sich, gibt es das? Du wirst hier hofiert, und man sorgt sich um dich wie um einen König oder Staatspräsidenten.

Aber sportlich lief es doch auch sehr gut ...
Sogar mehr als gut. Reals Präsident Santiago Bernabéu sagte bei meiner Verpflichtung, dass er sich wünschen würde, den Rückstand auf den FC Barcelona in meiner ersten Saison auf zehn Punkte schmelzen zu lassen. Im vorhergehenden Jahr wäre Real fast abgestiegen und lag nach der Saison 18 Punkte hinter dem größten Rivalen. Am Ende meines ersten Jahres waren wir Meister der spanischen Primera División und das elf Punkte vor Barcelona. Im Jahre darauf wurden wir wieder Meister und Pokalsieger. So sollte um mich herum eine neue Mannschaft aufgebaut werden. Madrid legte mir vor meinem dritten Jahr ein Angebot zur Vertragsverlängerung um vier Jahre vor.

Und das haben Sie abgelehnt?
Nein, in einer spontanen Reaktion habe ich gesagt, dass ich schon irgendwann unterschreiben werde. Nach meinem Urlaub. Doch während meines Urlaubs ist mit klar geworden, dass ich so nicht weiterleben kann. Eigentlich war alles perfekt. Zu diesem Zeitpunkt war Eintracht ja noch kein Thema.

Und dann rief Sie irgendwann Günter Mast an. Wussten Sie, wer er ist?
Zum einen kannte ich ihn durch die Einführung der Trikotwerbung und zum anderen wegen des für mich bis heute größten Werbecoups der Sportgeschichte: Die ARD wollte 1972 aufgrund von Werbebanden, die rings um den Platz herum aufgestellt werden sollten, das EM-Viertelfinale zwischen der deutschen Nationalmannschaft und England im Londoner Wembley-Stadion nicht übertragen.
Am nächsten Tag kam die Meldung, dass ein Wolfenbütteler Likörfabrikant alle Werbeflächen aufgekauft hätte, um sie weiß zu lassen, damit die ARD das Spiel im Fernsehen überträgt. Günter Mast schenkte den deutschen Fußball-Fans so das Spiel. Ich glaube, dass keine Aktion jemals so viel Aufmerksamkeit erzielte wie diese. Seitdem war er in meinem Kopf ganz oben.

Das vollständige Interview lesen Sie im Magazin „Wilde Jahre – Eintracht Braunschweig in den 70ern“.

Das Buch kann ab sofort online im Lesershop des BZV-Medienhauses bestellt werden: 

https://shop.bzv.de/region-38/braunschweig/1859/wilde-jahre-eintracht-braunschweig-in-den-70er-jahren

 

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