7. Juni 2021
Wirtschaft

Magni muckt auf: Neue Pläne vorgelegt

Unternehmer Martin K. Burghartz sorgt sich um „sein“ Magniviertel. Er fordert mehr Engagement von Rat und Stadt

Der Braunschweiger Oberbürgermeisterkandidat Dr. Thorsten Kornblum und der Landtagsabgeordnete Christoph Bratmann erörtern mit Martin K. Burghartz (von links) die neuen Wünsche und Pläne für das Viertel. Foto: J. Behme/Bita Communications

Magniviertel. Martin K. Burghartz mischt sich ein. Mal wieder. Im Interview geht er auf die Situation in „seinem“ Magniviertel ein und erklärt, was aus seiner Sicht verbessert werden könnte.

Stell dich bitte kurz vor. Wer bist du?
Unternehmer im Magniviertel, Geschäftsführer bita communications, einer Kommunikationsagentur.

In welcher Funktion trittst du hier an die Öffentlichkeit?
Als Unternehmer im Magniviertel, teils im Auftrag und mit Unterstützung einer Reihe von Immobilienbesitzern.

Warum du? Habt ihr keinen Bezirksrat? Oder eine Werbegemeinschaft?
Nach meiner Meinung ist – auch angesichts der vielfältigen Aufgaben des Bezirksrates in der Innenstadt – das Magniviertel aus dem Blick geraten. Einmal im Jahr Magnifest und dann hat man sich zurück gelehnt. Die Quartierentwicklung eines historischen Viertels ist vornehmlich Aufgabe des Rates der Stadt, des Oberbürgermeisters und des Stadtplaners. Bezirksräte und Werbegemeinschaften sind nicht die richtigen Ansprechpartner. Die durchaus engagierte Magni-Bürgerschaft, in der ich auch Mitglied bin, scheitert ein ums andere Mal an den Verkehrsplanern, hat im innenstadt-dominierten AAI und auch im Bezirksrat nahezu keinen Einfluss.

In wessen Namen sprichst du hier?
Erstmal für mich selbst und hinter mir steht eine Reihe von Immobilienbesitzern.

„Der Schilderwald vom Ölschlägern“ nennt Martin K. Burhartz Burghartz diese eindrucksvolle Fotomontage mit realen Motiven aus einer Straße. Collage: Christo CC

Hast du die Menschen im Magniviertel hinter dir? Woher weißt du das?
Das weiß ich natürlich nicht repräsentativ. Aber nicht wenige haben mir aufgrund der Veröffentlichungen auf die Schulter gehauen, mich angerufen und mir geschrieben und freuen sich, dass endlich was passiert. Übrigens: Andere Gruppen, wie beispielsweise eine Reihe von Unternehmerinnen im Viertel, machen sich auf den Weg, man wird bald davon hören. Das Magniviertel ist ein historisches Viertel und ist, wenn die Stadtplanung das begreift, auch ein Touristenmagnet und hat damit eine wichtige Funktion für Braunschweigs Innenstadt. Wer hierher zog, wusste das und kann sich jetzt nicht beschweren. Hier ist pulsierendes Leben im Fokus.

Die Zukunft der Braunschweiger City nach Corona ist in der Diskussion. Was wird deiner Meinung nach besonders wichtig?
Die Experten sind sich einig: Die Menschen werden – ­auch verstärkt durch die Online-Erfahrungen – künftig die Städte nicht mehr nur besuchen, um bei Rossmann, H&M, Karstadt & Co einzukaufen. Das „Erlebnis Stadt“ wird nach Ansicht vieler Experten eine wesentlich größere Rolle spielen. Das gilt für die Bürger in der Stadt und der Region aber natürlich auch für den prognostizierten deutlichen Anstieg des Regional- und Städtetourismus.

Ist Braunschweig im Vergleich mit anderen Städten da gut aufgestellt?
Im Vergleich kann Braunschweig als einer der Klassenbesten aus der Krise der Innenstädte herauskommen. Neben der kompakten City werden die Wallanlagen, Innenstadtparks, Traditionsinseln, Kunst und Kultur, die Oker und historische Orte wie das Magni-Viertel zu Alleinstellungsmerkmalen. Sie gewinnen massiv an Bedeutung für das gesamte Marketing einer Stadt nach Corona. Entscheidend aber wird sein, wie das „Gesamterlebnis Braunschweig“ zukünftig gestaltet und kommuniziert wird.

So aufgeräumt könnte es nach den neuen Plänen auch funktionieren.. Foto: bitacomm

In diesem Zusammenhang nennst du beispielhaft das Magni-Viertel und kritisierst den Zustand. Warum?
Das historische Magni-Viertel ist stadtplanerisch, verkehrlich und marketingmäßig in den letzten Jahrzehnten – vorsichtig formuliert – aus dem Blick geraten. Die Ursachen hierfür sind vielfältig, aber wichtiger ist der Blick nach vorn. Allein eine Zonenregelung könnte über 100 das Viertel verschandelnde Verkehrsschilder überflüssig machen. Ein zeitgemäß aufgewertetes, verkehrlich beruhigtes und in seiner Substanz gewürdigtes Magni-Viertel hat großes Potenzial, als touristisches Braunschweiger Highlight Impulse für die gesamte Stadt zu setzen. Es verbessert den Lebensraum für die Bürger im Viertel, für die Besitzer der kleinen Läden, für Käufer und Touristen und damit für alle Braunschweiger Bürger.

Was müsste deiner Meinung nach geschehen?
Ein historisches, in sich geschlossenes Stadtviertel braucht – wie in anderen europaweit vergleichbaren Quartieren dieser Art – besondere Regeln. Dazu habe ich 9 Punkte genannt, unter anderem das erwähnte Verkehrskonzept mit einer Zonenregelung, Verbesserungsmaßnahmen für in ihrer Mobilität eingeschränkte Bürger und Tempo 10 im gesamten Quartier, einer Sondernutzungsregelung für die Gastronomie und die kleinen Geschäfte, ein Grün- und Kulturkonzept für Veranstaltungen, ein überregional wirksames Magni-Marketingpaket inklusive einer intelligenten digitalen Besucherführung im Quartier und einer „green fast lane“, einer Anbindung an die City und Braunschweigs Süden mittels eines Radschnellwegs vom ehemaligen Galeria über den Hauptbahnhof bis zum Klinikum Salzdahlumer Straße. Außerdem sollte spätestens der neue Rat eine „Sondernutzungs-Satzung zum Schutz der besonderen Eigenart des Orts-und Straßenbildes für das historische Magniviertel sowie zur Durchführung baugestalterischer und verkehrlicher Maßnahmen und touristischer Nutzung“ in Angriff nehmen, Vorbild ist die Wallring-Satzung.

Gibt es schon Reaktionen auf die Vorschläge?
Ja, positive. Die im Rat vertretenen Parteien haben das Papier vorliegen, mit mehreren Oberbürgermeisterkandidaten und Landtagsabgeordneten bin ich durchs Magni-Viertel spaziert und auch erste Verbände äußern sich zustimmend. Im jetzt beginnenden Wahlkampf wird das Thema „Die Innenstadt nach Corona“ eine große Rolle spielen, die Bürger der Stadt erwarten konkrete Antworten. Für das Magni-Viertel ist dazu eine regelmäßige Runde der Immobilienbesitzer im Magniclub geplant. Weitere Infos unter www.bita-communications.de/braunschweig-die-stadt-und-das-magni-viertel/

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