„Mama, das schmeckt nicht!“

Mäkelige Kinder können Eltern verunsichern – Die Ökotrophologin Heike Kästner gibt Rat

Das Thema Essen kann in manchen Familien zu einem echten Nervenkrieg führen. Foto: Imago

. Von Birgit Wiefel, 19.05.2018.

Braunschweig. „Mein Kind bekommt viel zu wenig Vitamine!“, „Der Kleine isst nur noch Süßes, sonst nichts!“ Hilferufe wie diese kennt Heike Kästner gut. Meist kommen sie von Eltern, deren Kinder bei Tisch plötzlich mäkelig werden. Die ein Protestgeschrei anfangen, wenn der gesunde Brokkoli gegessen werden soll. Oder ganze Jagdszenen durch die Wohnung veranstalten, weil Mama trotzdem einen Löffel hineinzwängen will.

„Alles falsch“, macht die Ernährungsberaterin der städtischen Kindertagesstätten klar. Ihr Rat: Gelassen bleiben. „Der Übergang von der Muttermilch zum Brei und vom Brei zur festen Nahrung ist für Kinder eine große Umstellung. Wenn sie dann Essen ablehnen, ist das eine ganz normale Entwicklungsphase“, beruhigt Kästner.
Die Ökotrophologin wird seit einiger Zeit immer häufiger von besorgten Eltern angesprochen. „Die Verunsicherung wächst: Was ist gesund, was schädlich? Diese Fragen beschäftigen heute viele Menschen, auch die, die keine Kinder haben“, zeigt sie Verständnis. Doch je verkrampfter Mütter und Väter reagierten, desto schlimmer werde es. „In manchen Familien gibt es völlig skurrile Rituale, um das Kind zum Essen zu bewegen: Das eine wird mit einem Spielzeug abgelenkt, das andere mit einer Belohnung bestochen, das dritte mit dem ’Nachtischtrick‘ erpresst: Wenn du kein Gemüse isst, gibt es hinterher kein Dessert“, weiß Kästner.
All diese Methoden, so die Ernährungsexpertin, hätten eins gemeinsam: Sie funktionierten nicht. „Der Esstisch wird zum Stresstisch“, sagt Kästner. Ihr Tipp: Eltern sollten zwar ihre mäkeligen Kinder im Blick behalten, ihnen aber nicht übertrieben viel Aufmerksamkeit schenken. „Es dauert lange, bis ein Kind tatsächlich mangelernährt ist“, verweist die Expertin auf eine aktuelle Studie.

Hier ihre Empfehlungen:

• Feste Essenszeiten einhalten, damit das Kind auch wirklich hungrig zu Tisch geht.

• Keine Ablenkung durch Fernsehen oder Smartphone. Im Mittelpunkt sollte das gemeinsame Essen stehen, bei dem Kinder durch das Beispiel ihrer Eltern neue Speisen kennenlernen.
• Die Selbstständigkeit der Kinder fördern. „Kinder, die immer nur gefüttert wurden, weil es praktischer und schneller ging, können später im Kindergarten natürlich nicht selbstständig essen“, so die städtische Ernährungsberaterin.

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