24. März 2015
Tipps

Masernwelle ebbt nicht ab

Gesundheitsamt: Impfung nachholen.

ind mit der Impfquote in Braunschweig zufrieden (v.l.): Die Leiterin des Gesundheitsamtes Brigitte Buhr-Riehm und Christine Bohnensack, Impfberaterin beim Gesundheitsamt. Foto: T.A.

Von Birgit Leute, 25.03.2015. Berlin/Braunschweig.

Keine Entwarnung in Sicht: Die Masernwelle, die seit Herbst 2014 Deutschland und besonders Berlin im Griff hält, ebbt einfach nicht ab. Im Schnitt, so vermeldete das Robert-Koch-Institut, gibt es in der Hauptstadt jeden Tag 15 Neuerkrankungen.

Inzwischen machen sich die Experten sorgen, dass die Welle auch auf andere teile Deutschlands überschwappt. Brigitte Buhr-Riehm, Leiterin des Gesundheitsamtes Braunschweig, rät vor diesem Hintergrund dringend, den Impfausweis zu überprüfen und wenn nötig die Impfung gegen Masern nachzuholen. „Der Schutz lässt sich jederzeit auffrischen“, so Buhr-Riehm.
Eine Risikogruppe sind vor allem die jüngeren Erwachsenen, genauer die nach 1970 geborenen. „Sie sind oft ungeimpft und damit auch ungeschützt“, sagt Buhr-Riehm. Wie sieht die Lage in Braunschweig aktuell aus?

Impfmüdigkeit? Militante Impfgegner? Mit diesen Problemen hat Braunschweig scheinbar nicht zu kämpfen. Im Zuge der Debatte um die Ursachen der jüngsten Masern-Epidemie stellt Brigitte Buhr-Riehm, Leiterin des Gesundheitsamtes, den Eltern ein gutes Zeugnis aus. „Bei der Impfquote für Masern liegen wir mit 95 Prozent über dem Bundesdurchschnitt“, sagt sie zufrieden.

Wie sinnvoll sind Impfungen heutzutage noch? Über diese Frage wird immer mal wieder diskutiert. Doch für die Gesundheitsamtsleiterin steht fest: „Impfen ist wichtig. Vor allem in Zeiten der Globalisierung, wo Dienstreisen regelmäßig ins Ausland führen oder Urlaubsreisen in die entlegensten Winkel gebucht werden.“ Impfgegner sollten sich bewusst sein, dass sie eine Verantwortung für die Gemeinschaft tragen. „Eine Herdenimmunität besteht nur, wenn 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind. Jeder Nichtgeimpfte verschlechtert im Falle einer Infektion die Quote und ist dann eine Gefahr vor allem für Schwangere, Kinder oder geschwächte Menschen.“

Impfgegner schuld

Sind also die Impfgegner schuld am jüngsten Masernausbruch, wie immer wieder als Gerücht zu hören ist? Buhr-Riehm kann beruhigen: „Diese Hardliner gibt es natürlich – vor allem im Bildungsbürgertum.“ Aber: Das seien Einzelfälle. „Generell stellen wir in Braunschweig keine Impfmüdigkeit fest. Ganz im Gegenteil: Die Eltern sind sehr bemüht, alle Impfungen für ihre Kinder vornehmen zu lassen“, sagt sie und stützt sich dabei auf die Zahlen aus den Schuleingangsuntersuchungen im Jahr 2014. „Bei den 1940 untersuchten Schulanfängern haben wir von 97 Prozent den Impfausweis gesehen.“
Auch den Asylsuchenden wird gerne der Schwarze Peter zugeschoben. Sie schleppten längst besiegte Krankheiten ein, heißt es. Doch auch hier schüttelt Buhr-Riehm den Kopf. „Alle Asylbewerber in der Landesaufnahmebehörde erhalten von uns eine Eingangsuntersuchung. Außerdem gibt es seit August 2014 einen neuen Erlass, der eine Antikörperbestimmung vorsieht. Das heißt, wir kontrollieren ganz besonders, ob die Bewerber schon einmal Masern, Röteln oder Windpocken hatten.“ Das Resultat: Mehr als 80 Prozent hatten Antikörper gegen diese Krankheiten. Der Rest erhält eine Neuimpfung oder Auffrischung.

Auffrischen möglich

Das Problem liegt nach Buhr-Riehm woanders. „Die Masernerkrankungen sind seltener geworden als früher. Gleichzeitig gibt es die Impfung erst ab Anfang der 70er-Jahre, sodass Nichtgeimpfte – insbesondere die nach 1970 Geborenen – ohne Impfung ungeschützt sind.“ Es sind also die jüngeren Erwachsenen, die als Risikogruppe gelten. Buhr-Riehm und ihre Kollegin Christine Bohnensack raten deshalb zur Nachimpfung. „Der Schutz lässt sich jederzeit auffrischen“, sagt Bohnensack. Und empfiehlt: „Nehmen Sie beim nächsten Arztbesuch Ihren Impfausweis mit und lassen überprüfen, welche Impfungen noch gemacht oder aufgefrischt werden müssten.“

Service

Kinderkrankheiten sind nicht harmlos:

Masern bergen die Gefahr einer tödlichen Gehirnentzündung als Spätfolge. Bei Erwachsenen kann es zu schweren Durchfällen, Mittelohr- und Lungenentzündungen kommen.

Mumps kann zu einer Meningitis und Taubheit nach Innenohrentzündung führen kann. Junge Männer tragen das Risiko einer Hodenentzündung und können in der Folge unfruchtbar werden.

Der Schutz vor Röteln wiederum ist ganz besonders für Frauen wichtig: Erkranken sie in der Schwangerschaft, ist das Risiko für Fehlgeburten und Fehlbildungen des Kindes stark erhöht. Da eine schwangere Frau nicht mehr geimpft werden darf, sollten alle Frauen mit Kinderwunsch ihren Impfschutz überprüfen und sich gegebenenfalls nachimpfen lassen.

Das empfehlen die Experten ebenso in Bezug auf Windpocken, denn auch sie sind gefährlich für Schwangere.

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