MC Rene: Der Nomade ist zurück – mit Album | Neue Braunschweiger
24. März 2015
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MC Rene: Der Nomade ist zurück – mit Album

Braunschweiger Rapper veröffentlicht nach zehn Jahren Funkstille ein neues Album – „Renessance“ entstand zusammen mit Carl Crinx.

MC Rene und Carl Crinx haben ein Album herausgegeben. oh

Von Falk-Martin Drescher, 25.03.2015.

Braunschweig. In den 90er-Jahren hat er das Hip-Hop-Business entscheidend geprägt: Der gebürtige Braunschweiger René El Khazraje alias MC Rene war schon immer in Bewegung. Ein Nomade, ein rastloser Musiker und ganz besonders: ein echter Freestyler. Musik ist sein Leben – nach rund zehn Jahren hat er nun ein neues Album veröffentlicht. Darüber und vieles mehr sprach er im Interview.

? In diesem Monat erschien „Renessance“. Wie kam es dazu?

! Der Carl Crinx ist Mitglied der Band K-Rings Brothers. Mit ihnen war ich im Jahr 2000 auf Tour. Wir kennen uns aber schon
15 Jahre. Mein Hörbuch, das ich zu „Alles auf eine Karte“ aufgenommen habe, habe ich außerdem bei ihm vertont. Wir dachten uns, dass es doch cool wäre, zwischen den Kapiteln Songs zu machen. So sind dann Tracks wie „Mein Leben ist ein Freestyle“ entstanden. Wir haben dann einfach weiter produziert – irgendwann war das Album da.

? Würdest du es „Comeback“ nennen?

! Reden wir lieber von der „stillen Rückkehr des MC Rene“. Musik ist immer mein Leben – und auch wenn ich jetzt länger nichts mehr gemacht habe, merkt man den neuen Liedern an, dass der Spaß zurückgekehrt ist. Das sollte hierbei auch im Vordergrund stehen.

? Du hast dich zwischendurch auf deine große Reise und das zugehörige Buch konzentriert. Würdest du sagen, das Kapitel ist nun abgeschlossen?

! Das Kapitel habe ich im Grunde abgeschlossen. Mittlerweile habe ich ja auch wieder einen festen Wohnsitz. Das Projekt hat auch seinen Zweck erfüllt: Nämlich, dass MC Rene wieder ein Künstler ist. Da gehört er hin. Vier Jahre sind auch eine lange Zeit.

? Was für eine Essenz hast du aus dem Kapitel mitgenommen?

! Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt (lacht). Die Gewissheit zu haben, dass man sich selbst mehr vertrauen muss. Vor allem ist es wichtig, sich im Leben in eine Situation zu bringen, in der man das Gefühl hat, sich lebendig zu fühlen. Die Reise hat mir eine gewisse Gelassenheit und Ruhe gegeben, auch was meine Zukunft angeht.

? Wovon erzählt „Renessance“?

! „Renessance“ ist ein Album, das sich zum Teil auch mit der Gesellschaft beschäftigt. Ich habe etwa einen Song mit dem Titel „Zurück zum Minimum“ gemacht. Wir leben in einer schnelllebigen Gesellschaft, wo keiner mehr Zeit hat, alles zu verarbeiten. Der Rapsong ist ein Plädoyer für mehr Entschleunigung. Im Grunde ist das Album auch ein klassisches Hip-Hop-Album. Es dreht sich allerdings nicht um Rap, sondern um das Leben. Auch um das Leben des MC Rene, ohne dass ich konkret nur von mir rede. Wir haben einen Vintage-Sound produziert. Vor allem aber ist es eine ehrliche Hip-Hop-Platte, die etwas zu sagen hat.

? Dein letztes Soloalbum liegt zehn Jahre zurück. Hat es dir da nicht inzwischen in den Fingern gejuckt?

! Das Rappen habe ich ja immer wieder praktiziert. Texte geschrieben, viel gefreestyled. An und für sich habe ich mit dem Rappen nie aufgehört, nur eben länger nichts veröffentlicht. Ich habe allerdings auch nicht richtig gemerkt, wie die Zeit vorbeigegangen ist. Ich hatte nicht das Gefühl, die richtige Musik zu haben, um das zu sagen, was mir durch den Kopf ging.
Es mutet wie ein Zufall an, dass Carl genau die Playbacks hatte, wo ich MC Rene drauf hören will. Da hat es „klick“ gemacht. Es war keine Frage der Motivation mehr, es hat sich entwickelt, kam dann ganz von alleine. Vielleicht hat mir zwischenzeitlich auch ein bisschen Selbstbewusstsein gefehlt. Durch die Reise habe ich es mir zurückerkämpft. Ich denke, das hört man auch auf der Platte.

? Fühlst es sich nun wieder „richtig“ an?

! Es fühlt sich in jedem Fall so an. Es gibt immer wieder Aufs und Abs – auf jeden Fall fühle ich mich geerdeter. Ich bin ja damals schon relativ früh aus Braunschweig abgereist – mit
17, 18 Jahren. War also schon immer ein rastloser Typ. Das werde ich mit meiner nomadischen Seele auch immer bleiben. Dafür denke ich nun, ein Stück weit angekommen zu sein. Damit meine ich nicht, hier in Köln angekommen zu sein, sondern eher in mir selbst.

? Ein echter Wermutstropfen: Auf deiner aktuellen Tour warst du gar nicht in Braunschweig …

! … ich weiß, dafür habe ich auch viel Schelte bekommen. Es tut mir auch schrecklich leid, bei einem Gig in Braunschweig wäre ich sofort dabei gewesen. Das Problem war, dass es dafür keinen Veranstalter, geschweige denn eine passende Location gab. Das soll natürlich nicht zum Nachteil für Braunschweig werden. Denn: Wenn ich dann nach Braunschweig komme, dann ist die Show auch tight. Dass ich in diesem Jahr noch mal in Braunschweig aufschlage, ist auf jeden Fall kein leeres Versprechen. Wenn Braunschweig heiß ist, bin ich am Start. Natürlich werde ich auch den Weststadt-Track rappen (lacht).

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