23. Oktober 2021
Politik

Medizin-Ausbildung sorgt für Ärger

Stadt irritiert über Pressemeldung

Das Klinikum Braunschweig soll langfristig eine Medizinerausbildung in Campusstruktur bekommen. Archivfoto: Darius Simka/regios24

Braunschweig (obi). Die Stadt Braunschweig hat mit großer Irritation die Pressemeldung über den geplanten Aufbau eines Medizincampus Wolfsburg mit der Universitätsmedizin Göttingen am Klinikum Wolfsburg zur Kenntnis genommen.

Diese Information komme komplett überraschend, heißt es aus dem Rathaus. Denn schon im Februar 2018 war zwischen der Niedersächsischen Landesregierung (MWK), der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und dem Städtischen Klinikum Braunschweig (SKBS) vereinbart worden, dass in Zusammenarbeit mit der Uni Göttingen 60 Medizinstudierende pro Jahr in Braunschweig ihr Studium absolvieren. Hauptgrund ist, den bestehenden Ärztemangel in Niedersachsen zu beheben. Dann kam die Corona-Pandemie und die Pläne lagen auf Eis.

Ungeklärt blieben letztendlich drei Punkte, die zum damaligen Zeitpunkt nicht abschließend geklärt werden konnten, in denen es vor allem um die Finanzierung ging. In einer gemeinsamen Presseerklärung aus Göttingen und Braunschweig vom Februar 2020 wurde vorgeschlagen, den Start des Medizinstudiums in Braunschweig um ein Jahr auf das Wintersemester 2022 zu verschieben, um für die noch offenen Punkte passende Lösungen zu finden. Daraufhin habe das zuständige Ministerium in Hannover für sich entschieden, die Kooperationsgespräche zu beenden.

„Wir haben den seinerzeitigen Abbruch der Gespräche durch das Land als großen Rückschlag empfunden, eine verstärkte Medizinerausbildung in Campusstruktur am größten kommunalen Krankenhaus in Niedersachsen zu etablieren“, erinnert sich Erster Stadtrat Christian Geiger, Stadtkämmerer und aktueller Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums Braunschweig.

Oberbürgermeister Ulrich Markurth ist enttäuscht. „Nicht nur mit Blick auf Wolfsburg, sondern auch mit Blick auf das Land ist es bemerkenswert, dass ein solcher Lösungsansatz ohne die Beteiligung des größten Gesundheitsversorgers in der Region jetzt erfolgen soll“, sagt Markurth. „Für alle Beteiligten ist klar, dass das Städtische Klinikum Braunschweig gewillt war und auch weiterhin absolut gewillt ist, eine qualitativ hochwertige moderne und zukunftsfähige Medizinerausbildung in Braunschweig zu ermöglichen. Selbstverständlich müssten die noch nicht endgültig geklärten Punkte dabei gelöst werden.“

Dr. Andreas Geopfert: „Das Städtische Klinikum ist bereits jetzt Lehrkrankenhaus der Medizinischen Hochschule Hannover und schon über drei Jahrzehnte starker Partner bei der universitären Ausbildung von Medizinstudierenden.“ Um den bestehenden Medizinermangel auflösen zu können, müssten deutlich mehr Medizinerinnen und Mediziner ausgebildet werden.

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