„Mehr Zeit zum Leben“ | Neue Braunschweiger
22. März 2014
Politisches

„Mehr Zeit zum Leben“

Zurück zum Abitur nach neun Jahren – Eltern sind begeistert.

Lehrerproteste gegen höhere Arbeitsbelastung (hier vor der IGS Heidberg). Die Eltern hoffen, dass mit der Rückkehr zum G9 auch der „Schulfrieden“ wieder hergestellt wird. Foto: Nielsen

Von Ingeborg Obi-Preuß, 23. März 2014.

Braunschweig. G9 könnte den Schulfrieden wieder herstellen – das erhofft der Verband der Elternräte.

„Ich werde in Niedersachsen ein modernes Abitur nach 13 Jahren einführen“, erklärte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) zum Abschluss des Dialogforums „Gymnasien gemeinsam stärken“ in Hannover. Bereits nach den Sommerferien 2015 kehrt Niedersachsen als erstes Bundesland zum neunjährigen Gymnasium zurück.
Der Verband der Elternräte begrüßt diesen Schritt ausdrücklich, erneuert jedoch die Forderung, bereits ab 1. August diesen Jahres mit der Einführung des G9 zu beginnen. „Diese Umstellung ist durch eine Schulgesetzänderung zeitlich noch immer realisierbar“, sagt Vorsitzender Dr. Klaus Pein. Entsprechende Initiativen einzelner Schulen zum Antrag eines Schulversuchs würden daher begrüßt, fügt er an. Das Abitur nach neun Jahren würde zur Entlastung der Lehrer führen und mehr Raum zur Förderung der Schüler bieten. „Das ist der richtige Weg, um im Streit um die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung der Lehrkräfte an Gymnasien und die Aussetzung der Teilzeit endlich auf die Lehrer zuzugehen und den Schulfrieden wieder herzustellen“, fordert Pein.
Alle von den Gymnasiallehrkräften gemeinsam erwirtschafteten freigewordenen Lehrerstunden müssten im System Gymnasium bleiben und zum Aufbau des „modernen Abiturs“ genutzt werden, so der Verband.
Das von der Kultusministerin vorgestellte „moderne Abitur“ nach 13 Jahren erhält vom Verband der Elternräte „die ausdrückliche Zustimmung.“ Ebenso wird die „Beibehaltung von fünf Prüfungsfächern, die Aufteilung der Leistungskurse mit fünf Stunden und der Grundkurse mit drei Stunden“ begrüßt. Die Ministerin nehme mit dieser richtungsweisenden Veränderung an den Gymnasien in Niedersachsen wichtige Argumente der Eltern ernst, die zu einer umgehenden Entlastung für alle Beteiligten führen werde. Der Verband begrüße ausdrücklich, dass basierend auf G9 eine individuelle Schulzeit für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler möglich sein wird.
„Das Abitur nach zwölf Jahren wurde in Niedersachsen überhastet eingeführt und hat nicht nur an den Schulen zu vielen Problemen geführt. Mir war es wichtig, vor einer möglichen Reform eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu haben“, sagte Heiligenstadt in einer Erklärung.
Daher habe sie im Rahmen des Dialogforums „Gymnasien gemeinsam stärken“ die Expertenkommission eingesetzt, die verschiedene Szenarien sorgfältig geprüft und wertvolle Hinweise gegeben hat. „Mir ist eines ganz wichtig“, sagte sie. „wir steuern um auf ein Abitur nach 13 Jahren und strecken damit die Schulzeit, aber die Kerncurricula werden nicht ausgeweitet. Wir gehen nicht zurück zu den alten Lehrplänen, die vor zehn Jahren gegolten haben. Wir geben Schülern künftig mehr Zeit zum Lernen und zum Leben.“

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