2. Oktober 2018
Kultur

Mit Harlekin und Reißverschluss

Kunstverein zeigt unkonventionelle Malerei im Duo – und durch die Remise weht ein unheimlicher Hauch

Lüftungsschächte und Boxhandschuhe: Malerei von Leda Bourgogne und Ida Ekblad im Kunstverein am Lessingplatz. Foto: Stefan StarkKunstverein Braunschweig

Innenstadt. Am Eingang hängt Wäsche: Farbige Stofffetzen, zusammengenäht, baumeln vom Balkon des Foyers.

Soll es nicht um Malerei gehen in dieser Ausstellung? Ja, geht es auch. Wie vielfältig das aussehen kann, zeigen Leda Bourgogne (geb. 1989 in Wien) und Ida Ekblad (geb. 1980 in Oslo) im Kunstverein auf eindrucksvolle Weise.

„Die Malerei wird von innen nach außen gekehrt – sie zeigt, was sie in ihrem Inneren verbirgt“, sagt Dr. Jule Hillgärtner, Kunstverein-Direktorin und Kuratorin der Duo-Ausstellung. Die Bilder von Leda Bourgogne haben Reißverschlüsse
und Lüftungsgitter. Bestehen aus Samt oder Latex.

Und als Zutat gibt es auch mal in Harz gegossene Boxhandschuhe. Trotzdem sind wir hier immer nah dran an der langen Tradition der Malerei. So, wenn Bourgogne das Motiv des Harlekins aufnimmt und dabei Picasso zitiert.

„Der Harlekin fasziniert mich – er hat Narrenfreiheit, wandelt zwischen den Welten, lässt sich nicht festlegen“, sagt die Künstlerin.

Das närrische Augenzwinkern findet sich auch bei der Norwegerin Ida Ekblad. Kakadus, Fische und ein Dino-Baby tummeln sich in ihren Bildern. Und auch sie spielt mit der Oberfläche.

Etwa, wenn sie mit Plusterfarbe arbeitet, die in den 1980er-Jahren gerne für die Verzierung schriller T-Shirts verwendet wurde. Und es gibt auch schon mal Brandlöcher in ihren Leinwänden, vom Trocknen der Farbe.

Malerei gab es schon länger nicht mehr im Kunstverein zu sehen – auch weil die Villa Salve Hospes zu wenige durchgehende Wandflächen hat.

Aber die Arbeiten der beiden Künstlerinnen erlauben „eine freche und unkonventionelle Art der Platzierung“, sagt Hillgärtner. Und so hängt auch mal ein Bild vor dem Fenster – und das durchscheinende Sonnenlicht lässt die Farben erstrahlen.

Vor dem Genuss der Malerei lohnt ein Besuch in der Remise des Kunstvereins. Hier hat der Franzose Camille Blatrix eine Atmosphäre der Spannung geschaffen – mit einem verschlossenen Zimmer, wehendem Lufthauch und seltsamen Objekten aus Holz. Das alles musikalisch begleitet durch eine verzerrte Version von Whitney Houstons Song „I Will Always Love You“.

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