Mit kleinen Stickern Großes bewegen | Neue Braunschweiger
19. November 2013
Menschen

Mit kleinen Stickern Großes bewegen

Die Studenteninitiative Enactus stellte sich mit einem Smartmob auf dem Campus vor – Aktionen für die Nachhaltigkeit.

Luden an der TU nicht zu einem Flash-, sondern zu einem Smartmob ein: Die Mitglieder von Enactus Braunschweig (v.l.): Marlene Hammer, Lennart Kayser, Christopher Trentlage, Hellen Augustin und Vanessa Großmann. Das Schlauchboot und der Tisch mit Box gehörten zur Aktion „Take one“. Foto: Thomas Ammerpohl

Von Birgit Leute, 20.11.2013.
Braunschweig. Ratsch. Ein Griff und Vanessa Großmann reißt fünf Papierhandtücher aus der Box – klar zu viel. Mit der Aktion „Take one“ („Nimm eins“) machte die Studenteninitiative Enactus kürzlich auf die ganz alltägliche Verschwendung aufmerksam.

Enactus – das steht für „entrepreneurial – action – us“: Ein etwas holpriger Name für eine Non-Profit-Organisation, die es bundesweit seit zehn, an der TU inzwischen seit drei Jahren gibt, und die sich die Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben hat.
„Es gibt viele Bereiche, in denen wir Ressourcen schonen oder sinnvoller mit ihnen umgehen können“, bringt es Lennart Kayser, Kopf von Enactus Braunschweig, auf den Punkt. „Take one“ ist dabei nur ein Projekt, mit dem die aktuell 20 Mitglieder von Enactus Braunschweig – alles Studenten und alle aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen – für Nachhaltigkeit werben wollen.
„Denken Sie nur einmal daran, wie viele Papierhandtücher Sie nach dem Händewaschen aus einem Spender reißen – ganz sicher mehr als eins“, sagt Kayser. Im Haushalt der TU mache der Posten Papierhandtücher jedes Jahr 80 000 Euro aus. „Wenn jeder Student nur ein Handtuch nehmen würde, könnten wir 20 bis 30 Prozent an Material einsparen“, rechnet Kayser vor. Zu Beginn des Wintersemesters verteilten die Studenten deshalb „Take-one“-Sticker in den Waschräumen, um zum Nachdenken anzuregen. „Unsere Rolle ist in erster Linie, etwas anzustoßen, das heißt unterschiedliche Partner zusammenzubringen, Fundraising zu betreiben, Förderer zu werben“, skizziert Hellen Augustin, zuständig für Marketing und Externes, die Marschroute von Enactus. Die Studenten nutzen dabei unternehmerische Methoden und werden im Gegenzug auf Bundesebene von Unternehmen wie Bayer, Siemens oder Lufthansa unterstützt. Einen finanziellen Profit zieht Enactus nicht aus den Projekten. „Im Idealfall laufen die Aktionen am Ende alleine, ohne unsere Hilfe“, sagt Augustin.
Gerade das ist allerdings nicht immer ganz leicht und zeigt: Bis zum Erfolg müssen viele kleine Einzelschritte bedacht sein.
„Eines unserer aktuellen Projekte nennt sich „Leitfaden“. Es will Blinden und Sehbehinderten helfen, sich in einer fremden Umgebung – in diesem Fall in einem Restaurant – zurechtzufinden und wird von der Bürgerstiftung unterstützt“, bringt Kayser ein Beispiel.
Entwickelt wurde „Leitfaden“ ursprünglich von drei Studenten der Hochschule fr Bildende Künste: Mit Hilfe von eingestickten Linien und Markierungspunkten in einer Tischdecke sollen Blinde erfühlen, wo sich das Glas, der Teller, das Besteck befindet. Der Blindenverein Braunschweig half dabei, den Prototyp zu optimieren. „Dann allerdings stellten wir fest, dass sich so eine Tischdecke gar nicht kostengünstig produzieren lässt – es gibt keine Stickmaschinen für diese Größe“, erzählt Kayser.
Inzwischen haben die Projektteilnehmer eine neue, bessere Lösung gefunden: Statt einer Tischdecke sollen jetzt Platzsets bestickt werden, „Jetzt suchen wir noch einen passenden Produktionspartner“, wirbt Augustin.
Mehr zu dieser ursprünglich aus den USA stammenden Initiative im Internet unter der Adresse www.tubraunschweig.enactus.de .

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