20. Dezember 2020
Soziales

Mit neuen Ideen in eine neue Zeit

Propst Lars Dedekind nimmt die Pandemie als Herausforderung, neue Angebote anzubieten

Eines der neuen Angebote: Die rote Kirchenbank geht Heilig Abend an den Start. Die Initiatoren (v.l.): Marcel Franze (Ostfalia), Propst Lars Dedekind, Tonio Vakalopoulos (Ostfalia). Foto: Privat

Braunschweig. Die Idee beschäftigt Propst Lars Dedekind schon lange. Bereits als Landesjugendpfarrer – weit vor Corona – wollte er ein zusätzliches Angebot, damit Kirche zur Jugend kommt. Jetzt, pünktlich zu Heilig Abend, geht das Projekt an den Start, oder besser, online: „Die rote Kirchenbank“ wird erstmalig in der Nacht vom 23. auf den 24. Dezember um Mitternacht freigeschaltet.

Die Bank wird alle 14 Tage an verschiedenen Orten platziert, und Jugendliche reden dort mit Menschen, die diese Orte repräsentieren. „Das kann im Rathaus sein, im Medienhaus oder im Eintrachtstadion“, nennt Dedekind Beispiele. Das Konzept hat er gemeinsam mit Medienprofis der Ostfalia entwickelt.
Die Herausforderungen kamen direkt mit dem beruflichen Neustart. Die Amtseinführung zum Propst Anfang März gehört zu den letzten großen Veranstaltungen in der Stadt. „Dann kam Corona und blieb“, sagt Dedekind.

Von (fast) null auf (fast) hundert sind unter seiner Leitung die Themen Digitalisierung und Kommunikation neu gedacht worden. Onlinegottesdienste und Videokonferenzen waren bis dahin eher Fremdworte im Alltag der 28 Gemeinden, die zur Propstei gehören. Und es musste schnell gehen. „Unser Alltag läuft ja weiter“, erzählt der Propst von Trauer- oder Traugesprächen, von Seelsorge, aber auch von alltäglicher Koordination.

„Gerade in so einer Ausnahmesituation werden wir noch mehr gebraucht“, erklärt der Theologe. „Wir müssen auch von uns aus mehr leisten und anbieten. Und besonders die Verlierer dieser Krise im Blick behalten“.

Kompliziert war es für die gesamte Organisation, weil gefühlt täglich neue Handlungsanweisungen von der Regierung und der Landeskirche kamen und kommen. „Mancher Pfarrer wird beim Anblick der hundertsten Mail von mir vermutlich die Augen verdrehen“, lacht der Propst.
Der ganze Apparat fährt auf Sicht. Auch in Bezug auf das Weihnachtsfest. „Meine letzte Präsenzveranstaltung mit den Pastoren war im August“, blickt Dedekind zurück, „und von da an laufen unsere Weihnachtsplanungen.“

Seitdem sind die Konzepte zig mal verworfen und neu geschrieben worden. Jüngster Stand: Eine Mischung aus kleinen Gottesdiensten mit Anmeldung, offenen Kirchen über die ganze Nacht und Open-Air-Veranstaltungen (siehe auch unsere Sonderseite in dieser NB). Es gibt auch ein Heft für den Weihnachtsgottesdienst To Go sozusagen. Bastelbögen, Liedtexte, Texte für gemeinsame Gebete und Andachten – alles da. Das „Programm für die Advents- und Weihnachtszeit“ ist noch zu bestellen per Mail unter braunschweig.pr@lk-bs.de .

Die erzwungene Ruhe könne helfen, neu nachzudenken. „Die Pandemie macht uns deutlich , dass das Leben nicht komplett planbar ist“, sagt der Propst, „dass wir uns mit Krankheit, Leiden, Tod auseinandersetzen müssen.“ Da biete sich die Kirche als liebevolle Begleitung an.

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