„Mit neuer Saison im Herbst beginnen“ | Neue Braunschweiger
11. April 2020
Sport

„Mit neuer Saison im Herbst beginnen“

Eintracht-Präsident Sebastian Ebel im Interview

Sebastian Ebel während der Eintracht-Jahreshauptversammlung im letzten November. Foto: Philipp Ziebart/BestPixels.de

Braunschweig. Genau wie alle anderen wurde auch Eintracht-Präsident Sebastian Ebel von der Corona-Krise kalt erwischt. Die vergangenen Wochen standen für den Manager deshalb vor allem im Zeichen von Krisenmanagement. Zum Osterfest strahlt der der 57-Jährige dennoch auch Zuversicht aus und sieht Chancen, dass ein „neues Miteinander“ nach gemeinsam gemeisterten Herausforderungen in der Mitte der Gesellschaft Einzug halten wird.

Herr Ebel, die aktuelle Situation hätte zu Jahresbeginn wohl niemand für möglich gehalten. Sie selbst sind von der Corona-Krise als Familienvater, TUI-Vorstandsmitglied und Eintracht-Präsident betroffen. Wie haben Sie die Situation erlebt?

Die letzten Wochen waren mehr als aufreibend. Arbeit bis an und manchmal über die Belastungsgrenze hinaus. Bei der TUI mussten wir 100 000 Gäste aus dem Ausland nach Hause holen und bei der Eintracht das wirtschaftliche Überleben sicherstellen. Daneben galt es, möglichst vielen Menschen Vertrauen in die Zukunft zu vermitteln.

Ostern steht vor der Tür und wird in diesem Jahr bei vielen von Angst um Gesundheit und Zukunft geprägt sein. Gibt es Dinge die Ihnen zum Osterfest Hoffnung machen?

Ostern, mit der Auferstehung Jesus von den Toten ist ja generell ein Fest der Hoffnung. Dazu erleben wir zur Zeit das Erwachen der Natur, die sich glücklicherweise nicht von Corona beeinflussen lässt. Und ich erlebe ganz viel Engagement, Menschen zu helfen, die Hilfe bedürfen. Und Wertschätzung für Arbeit, die wir sonst manchmal als viel zu selbstverständlich ansehen, zum Beispiel in den medizinischen und pflegerischen Berufen aber auch in den Handelsunternehmen. Dafür bin ich sehr dankbar, daneben auch für viele Mut machende Gespräche.

Sie haben in ihrer „Mutmacher“-Ansprache in der aktuellen Krise für ein „neues Miteinander“ geworben. Woran haben Sie dabei in erster Linie gedacht?

Ich erlebe, dass wir gemeinsam viel mehr erreichen können, als jeder von uns alleine. Dass die Wertschätzung, die wir unserem Nächsten zeigen, viele Türen öffnet. Dass Einsamkeit und auch Trauer aufgefangen werden können. Ich erlebe die aktuelle Zeit auch als Entschleunigung des so oft hektischen Lebens. Wir können erleben, dass viele Dinge nicht selbstverständlich sind. Darauf sollten wir auch in der Zukunft achten.

Der Fußball ist vollständig zum Erliegen gekommen und in den Hintergrund gerückt. Wie erleben sie dieses surreal anmutende Szenario?

Es ist wirklich surreal. Und ich erlebe es als Zeit, in der viele Menschen den Fußball sehr vermissen. Das Miteinander, das Mitfiebern, das Erleben, dass das Team in seiner Gesamtheit den Unterschied machen kann. Eine Mitarbeiterin im Markt, indem ich oft einkaufe, sprach mich diese Woche darauf an, wann es denn endlich wieder los ginge. Ich dachte zuerst an den Wegfall der Bewegungseinschränkungen. Aber sie meinte, die Spiele unserer Eintracht. Wir dürfen uns, auch in Zeiten der Sorge, darauf freuen, dass es weitergehen wird. Wann immer dies wieder möglich sein wird.

Was bedeutet der „Shutdown“ für Eintracht?

Dank des sofortigen und nicht selbstverständlichen Gehaltsverzichts unserer Mitarbeiter und unserer Spieler werden wir wirtschaftlich ausreichend gut durch die Saison kommen. Hier erlebe ich EIN Team mit einem Engagement, was unbeschreiblich ist. Ich habe eine große Hochachtung davor und sage von Herzen Danke. Dazu das Engagement unserer Fans, sich um die Schwachen in unserer Gesellschaft zu kümmern. Ich erlebe echte Eintracht.

Nicht nur in der dritten Liga, auch in den ersten beiden Ligen geht aktuell die Angst vor Insolvenzen um. Hat dieser Zustand neben der Corona-Krise auch damit zu tun, dass sich die „Geldschraube“ im Fußball zuletzt immer weiter gedreht hat?

Was jetzt passiert ist, war nicht vorhersehbar und bringt viele Vereine in große Schwierigkeiten. Am meisten diejenigen, die in der Vergangenheit besonders über ihre Verhältnisse gelebt haben. Ich habe immer Sorge vor einer Überkommerzialisierung des Fußballs gehabt. Vielleicht schaffen es DFL und DFB, sich hier auf die Grundwerte des Fußballs zu besinnen. Wir dürfen und sollten uns mehr in Bescheidenheit üben.

Wie könnte der Spagat zwischen Schutz der Gesundheit bei gleichzeitigem wirtschaftlichen Überleben der Vereine zu meistern sein?

Ich halte es für unverantwortlich, jetzt kurzfristig mit Ligaspielen zu beginnen und befürworte auch keine Geisterspiele. Stattdessen würde ich mich freuen, wenn wir erst im Herbst mit einer neuen Saison beginnen würden. Eine großzügige Aufstiegs- und Abstiegsregelung, die zu einer Vergrößerung der Ligen führte, würde ich begrüßen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dass wir das momentane Innehalten in die neue Zeit, die kommen wird, mitnehmen, wir die Arbeit aller wertschätzen und uns um unseren Nächsten sorgen und ihn begleiten. Dazu, dass es bald einen Corona-Impfstoff gibt und unsere Eintracht durch das neue Miteinander sportlich erfolgreich ist.

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