Mit Sonne, Wind und Mut: „Future by Technology“ | Neue Braunschweiger
18. Januar 2020
Wirtschaft

Mit Sonne, Wind und Mut: „Future by Technology“

Rund 1000 Gäste sind der Einladung zum IHK-Neujahrsempfang in die Gebläsehalle in Ilsede gefolgt

Die Gastgeber beim Gruppenfoto (von links): IHK-Präsident Helmut Streiff, Landrat Franz Einhaus, Bernd Althusmann, Niedersachsens Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, Dr. Florian Löbermann, Hauptgeschäftsführer der IHK.. Andre Pause/IHK

Ilsede (obi). Neujahrsempfang der IHK in der Gebläsehalle in Ilsede: Die „Kathedrale der Industrie“, wie der Peiner Landrat Franz Einhaus den Veranstaltungsort bezeichnete, bot den Rahmen für einen feierlichen Jahresauftakt. Neben Einhaus würdigte auch Niedersachsens Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, Dr. Bernd Althusmann, die historische Bedeutung der Gebläsehalle als den Ursprungsort der Industrialisierung Norddeutschlands.

Die erste Ansprache des Abends richtete IHK-Präsident Helmut Streiff an das Publikum. „Wenn’s alte Jahr erfolgreich war, dann freue dich aufs neue. Und war es schlecht, ja dann erst recht“, zitierte er Albert Einstein und zeigte sich trotz aller Herausforderungen optimistisch: „Warum sollen wir nicht sagen, wir schaffen das?“
Dabei gibt es für die Wirtschaft aktuell gleich mehrere Gründe für Verunsicherung: Handelskonflikte, Abschwächungen der Konjunktur, stockende Planungsverfahren und nicht zuletzt Umstrukturierungen der Arbeitswelt durch Digitalisierung, Klimawandel und Umweltschutz.

Gerade mit Blick auf die anhaltenden Diskussionen in der Klimapolitik und in Anlehnung an die „Fridays for Future“-Bewegung warnte Streiff davor, dass sich Deutschland nicht auf internationale Solidarität verlassen könne, sondern selbst Lösungen finden müsse. Sein Motto dafür: „Future by Technology“. Gleichzeitig verdeutlichte er, dass Deutschland und auch die regionale Wirtschaft bei diesen Themen vorangehen möchten, dazu jedoch die Rahmenbedingungen angepasst werden müssen.

So sprach er sich für den schnellen und unkomplizierten Ausbau von Windenergieanlagen und Stromtrassen sowie gegen die einseitige Belastung von Unternehmen mit Steuern und Abgaben aus.
Mit Nachdruck kritisierte der IHK-Präsident, dass Planungsverfahren in Deutschland zu lange dauern und forderte wiederholt ein Planungsbeschleunigungsgesetz. Als Beispiele führte er hier den Ausbau der Weddeler Schleife, den Lückenschluss der A 39 und die Krise in der Windindustrie an: „Wir müssen uns wieder mehr Gedanken machen, wie wir die große Allgemeinheit voranbringen und dürfen uns nicht nur auf Individualrechte konzentrieren.“

Bernd Althusmann stellte in seinem Festvortrag die Frage, was seine politischen Nachfolger im Jahr 2030 wohl von den heutigen Weichenstellungen halten werden. Für eine erfolgreiche Zukunft möchte er staatliches Handeln in den Hintergrund stellen und die Eigenverantwortung und -initiative der Menschen und Unternehmen stärken. „Dabei helfen uns die Grundtugenden unserer sozialen Marktwirtschaft. Nicht der allumsorgende Wohlfahrtsstaat, der sich mehr um das Verteilen von Wohltaten kümmert als um das Erarbeiten, ist unser Erfolgsrezept. Es sind vielmehr freies Unternehmertum, Eigenverantwortung und der Mut zum Risiko.“ In diesem Zusammenhang sieht der Minister gerade seine Berliner Berufskollegen in der Pflicht, wieder mehr Verlässlichkeit an den Tag zu legen.

Gegenseitiger Respekt, Realismus und Pragmatismus sollten seiner Meinung nach den Kern politischer und gesellschaftlicher Diskussionen bilden. „Das Erregungs- und Empörungsniveau unserer gesellschaftlichen Debatten muss wieder auf ein Normalmaß sinken“, mahnte er. Vor dem Hintergrund des globalen Wettbewerbs fordert Althusmann wie schon Helmut Streiff eine Entlastung von Betrieben durch eine umfassende Unternehmenssteuerreform sowie die Abschaffung des Solidaritätszuschlages.

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