19. September 2021
Buntes

Mit viel Liebe und Dünger zum gemeinsamen Glück

Rene Wadas aus Börßum bei Wolfenbüttel hat ein neues Buch geschrieben – Zeitgemäße Tipps für den Dschungel im Wohnzimmer

Der Zierpflanzengärtner Rene Wadas weiß, was Zimmerpflanzen brauchen. Zu viel Wasser gefällt den wenigsten. Foto: Patrice Kunte / Rowohlt

Braunschweig/Börßum. Das Gespräch fängt gut an. Rene Wadas ist fest davon überzeugt: Menschen, die Pflanzen mögen und sich gern mit Pflanzen umgeben, sind nett und mehr als das: Sie übernehmen Verantwortung, sie kümmern sich. Das höre ich gern, fühle mich gleich gemeint. Aber eigentlich geht es an dieser Stelle nicht um mich, sondern um Zimmerpflanzen. Denen hat Rene Wadas, der in Börßum im Landkreis Wolfenbüttel lebt, ein ganzes Buch gewidmet.

Das Zauberwort heißt „Zuwendung“

In dieser Woche erscheint es im Rowohlt-Verlag und steht schon auf Platz eins der Bestsellerliste. Als Pflanzendoktor ist Rene Wadas bundesweit bekannt. Jetzt verrät er, wie aus Zimmerpflanzen „gesunde und glückliche Zimmerpflanzen“ werden. Das Zauberwort heißt: Zuwendung. Denn glückliche Pflanzen, so erfahren wir, verzeihen auch manchen Pflegefehler, Deshalb ist es nicht verkehrt, seinen Pflanzen ab und an einen Stärkungstee mit Knoblauch oder Schachtelhalm zu kochen, um sie zu stärken und bei Laune zu halten.

Der Pflanzenarzt Rene Wadas kümmert sich in seinem neuen Buch um Zimmerpflanzen. Es ist in dieser Woche bei Rowohlt erschienen und kostet 12 Euro. Foto: Patrice Kunte / Rowohlt-Verlag

Der Pflanzenarzt Rene Wadas kümmert sich in seinem neuen Buch um Zimmerpflanzen. Es ist in dieser Woche bei Rowohlt erschienen und kostet 12 Euro. Foto: Patrice Kunte / Rowohlt-VerlagBis Corona kam, hatte Rene Wadas jeden Dienstag seine Pflanzensprechstunde in einem Gewächshaus in Kissenbrück, in denen die Menschen mit ihren grünen, gelben oder gar schon braunen Problempflanzen vorbeikamen. In der Pandemie zog er ins Netz um, gibt jetzt eine Live-Sprechstunde auf Youtube. nach der Sommerpause geht es an diesem Sonnabend ab 19 Uhr wieder los.
Als gelernter Zierpflanzengärtner ist Wadas ein Mann vom Fach. „Ich hatte immer mit Zierpflanzen zu tun“, sagt er im NB-Gespräch. Aus dieser Gärtnerperspektive heraus geht er das Zimmerpflanzenthema fachlich fundiert, aber keineswegs theorietrocken an. Mit Bedacht hat er die einfachsten Pflanzen für sein Buch ausgewählt, solche, die auch Menschen mit „schwarzen Daumen“ zum Wachsen bringen können, solche sozusagen mit Gedeih-Garantie. Solche wie Efeu und Einblatt, wie Gummi- und Geldbaum, Zyperngras und Wachsblume.

Seine Empfehlung: Erst überlegen, wo die Pflanze ihren Platz bekommen soll, dann kaufen. Außerdem verrät die Blattfarbe, wie viel Licht die Pflanze benötigt. Je dunkler das Grün, desto dunkler darf sie stehen. Beim gedanklichen Wohnungsrundgang findet er schnell für jedes Zimmer den passenden Mitbewohner. Der erste Schritt zum gemeinsamen Glück.
„Aber es ist nicht so, dass Pflanzen von Licht und Liebe allein wachsen“, mahnt er. In der Wachstumszeit brauchen sie regelmäßig einen „Schluck“ aus der Flüssigdüngerflasche – Kakteen weniger, Blattpflanzen mehr. „Aber der Fehler Nummer eins ist zu viel Wasser“, sagt Wadas. Welke Blätter deuten dann nicht auf Durst, sondern eine Überschwemmung im Topf hin – oft das Todesurteil. Unsere Birkenfeige (Ficus benjamina) weiß, wie es sich anfühlt, wenn sich durch den coronabedingten „Schichtwechsel“ im Büro zu viele Gärtnerinnen nicht absprechen und zu oft zur Gießkanne greifen. Hier könnte alle Liebesmüh zu spät kommen …

Rene Wadas mag Pflanzen, das ist aus jedem seiner Worte herauszuhören. Lieblingspflanzen hat er viele. „Wenn meine Orchideen gerade blühen, dann mag ich die am liebsten.“ Gut verzichten kann er dagegen auf die Phönixpalme („Die hat mir mal fast eine Auge ausgepikst.“) und die millionenfach verbreitete Dieffenbachie, die stark giftig ist und für Wellensittich, Meerschweinchen, aber auch Hund, Katze und Mensch eine Todesgefahr darstellt.

„Gärtnern hat mit Spaß zu tun“

Dann doch lieber die „Allerweltsgewächse“, die gehegt und gepflegt werden: Weihnachtssterne, die – Jahr für Jahr – wenn auch nicht mehr pünktlich zu Weihnachten – erröten, Flammende Käthchen, deren Ableger verschenkt werden. Gummibäume, die ihren menschlichen Mitbewohnern längst über den Kopf gewachsen sind. Auch wenn es Zimmerpflanzen zum Spottpreis in jedem Supermarkt gibt, als Wegwerfartikel würden die wenigsten Menschen sie sehen.

„Gärtnern hat mit Spaß zu tun“, sagt Wadas. Stecklinge nehmen und groß ziehen, das sei ein Erlebnis. Kinder könnten gar nicht früh genug an dieses Thema herangeführt werden, um die Natur und ihre Zerbrechlichkeit kennenzulernen und Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln. Und er freut sich, dass die Zimmerpflanzen aus ihrem Schattendasein herauskommen. Obwohl es sie spottbillig in jedem Supermarkt gibt, wachsen die Pflanzen „ihren“ Menschen dann doch irgendwie fest ans Herz. Immer mehr Menschen – vor allem jüngere – möchten sich mit lebendigem Grün umgeben, sagt Rene Wadas.
Damit aus der puren Ansammlung von Zimmerpflanzen ein „Urban Dschungel“ wird, hat der Pflanzenarzt sein neues Buch geschrieben. Und das in seiner ganz persönlichen, sehr unterhaltsamen Art.

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