Mobbing stoppen, bevor es beginnt

In der digitalen Welt eskaliert ein Streit schnell – Was Eltern unbedingt wissen sollten

Am Anfang von Ausgrenzung steht oft ein Missverständnis, sagt der Medienreferent Stefan Schaper. Was Eltern wissen sollten, ist Thema einer Informationsveranstaltung. Foto: Imago

Braunschweig. In der digitalen Welt scheinen andere Regeln zu gelten als im wirklichen Leben: Da wird gepöbelt, gehetzt, beleidigt und bloßgestellt.

Das ist schlimm – speziell, wenn es Kinder und Jugendliche trifft. Was aber können Eltern tun, um ihre Kinder zu schützen und wie können sie Mobbing erkennen und beenden? Antworten auf diese Fragen gibt die Veranstaltung „Trollst Du noch oder mobbst Du schon?“ am 20. Januar im Braunschweigischen Landesmuseum.

Bei aller berechtigten Sorge werde oft verfrüht von Mobbing gesprochen. „Nicht jeder blöde Spruch ist gleich Mobbing, dafür muss es schon über sechs Monate oder länger gehen.“ Das jedenfalls sagt der Medienreferent und Sozialpädagoge Stefan Schaper (Medienkoordination Braunschweig). Er organisiert die gemeinsame Veranstaltung vom Mediennetzwerk Braunschweig und der Polizei Braunschweig.

Am Anfang, so seine Erfahrung, stehen oft Missverständnisse, die immer weitere Kreise ziehen, denn die digitale Kommunikation ist weniger klar als wir denken. Der direkte Blick in die Augen und ein Lächeln sagen viel mehr als noch so viele Smileys unter der digitalen Botschaft, ist seine Erfahrung. Oder anders ausgedrückt: Nicht jede Whats-App-Nachricht ist so gemeint, wie sie beim anderen ankommt. Ist die digitale Nachricht erst einmal verschickt, lässt sie sich nicht mehr zurückholen und ein hässliches Wort gibt das nächste.

Spätestens in der fünften Klasse haben die Kinder ihre eigenen Smartphones. Und die werden eifrig genutzt, Botschaften hin- und hergeschickt, Beiträge und Fotos kommentiert und gepostet. Konflikte sind vorprogrammiert, denn die Medienkompetenz fällt nicht vom Himmel. Stefan Schaper kann fast die Uhr danach stellen: „Wenn die Herbstferien vorbei sind, kommen die Anrufe.“ Dann wird es höchste Zeit über Rechte, Pflichten und Regeln zu sprechen.
Das Fatale an der digitalen Kommunikation ist ihre Schnelligkeit und ihre Reichweite. Eine Beleidigung hat das Klassenzimmer schnell verlassen. „Eine Schule ist schon groß genug, aber das geht ja oft noch weiter“, sagt Stefan Schaper. Über Schule, Familie und Vereine verbreiten sich Nachrichten übers ganze Stadtgebiet. Das sei den Nutzern der digitalen Kommunikation oft nicht bewusst – selbst Erwachsenen nicht.

Nicht immer ist es einfach, die Grenze zwischen Streit und Mobbing zu ziehen und einen Weg aus der Hassspirale heraus zu finden. Aber es gibt Hilfe. Das Mediennetz unter dem Dach des Awo-Kreisverbands Braunschweig, für das Stefan Schaper tätig ist, bietet seine Hilfe an und klärt auf. Unter dem Titel „Trollst Du noch oder mobbst Du schon?“ werden Ausgrenzung und Mobbing von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum genauer beleuchtet.

Die Informationsveranstaltung findet am nächsten Montag, 20. Januar, ab 19 Uhr im Braunschweigischen Landesmuseum am Burgplatz statt. Zusammen mit Experten aus der Schulsozialarbeit, der Jugendberatung und der Polizei möchte Schaper mit Eltern, Großeltern und allen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, ins Gespräch kommen und Tipps geben. Der Eintritt ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Eltern, die mitbekommen, dass ihrem Kind auf digitalem Weg übel mitgespielt wird, sollten sich – so Schapers Rat – an den Klassenlehrer wenden, wenn die Schule Ausgangsort ist, an den Sporttrainer oder den Betreuer im Jugendzentrum. Die wissen, wie die Situation einzuschätzen ist und können auch weitere Hilfen vermitteln. „Die Polizei einzuschalten, ist die letzte Konsequenz, aber auch das muss manchmal sein“, sagt er.

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