Mutig gegen Ausgrenzung

„Cellistin von Auschwitz“ in Braunschweig

Oberbürgermeister Ulrich Markurth begleitet Anita Lasker-Wallfisch und Bundespräsident a.D. Joachim Gauck in der Dornse. Schüler aus fünf Braunschweiger Schulen begrüßen die Gäste. Gleich werden sie ihre Fragen stellen. Foto: Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen

Innenstadt. Lea und Joris Delano fassen sich ein Herz. Nach der offiziellen Veranstaltung gehen die Schüler der John-F.- Kennedy-Schule quer durch die Sporthalle und sprechen die Frau mit den weißen Haaren einfach an. Anita Lasker-Wallfisch reagiert lächelnd und beantwortet geduldig alle Fragen.

Die 94-Jährige ist Holocaust-Überlebende. Aber sie ist viel, viel mehr. Zwei Tage lang war sie in der Stadt. Sie hat Mut gemacht, jeder Form von Ausgrenzung entgegenzutreten. Ein Treffen mit jungen Menschen war in der Kennedy-Schule, ein weiteres in der Dornse. Hier gemeinsam mit Bundespräsident a.D. Joachim Gauck. Die Prüsse-Stiftung hat diese beiden besonderen Tage möglich gemacht. Wer dabei war, ist tief beeindruckt und wird es nicht vergessen.

Anita Lasker-Wallfisch in der Dornse. Foto: Stadt Braunschweig / Nielsen

 

Direkt vor dem Eingang zur Dornse steht der Büchertisch. „Ihr sollt die Wahrheit erben“ – was Anita Lasker-Wallfisch als Notizen für ihre Kinder begann, wurde ein Roman. Leicht zu lesen, unbedingt zu empfehlen. Für zehn Euro bei Graff.
„Die Cellistin von Auschwitz“ heißt der Untertitel. Am ersten Tag ihres (inzwischen vierten Besuches) in der Region, liest die enorm rüstige Frau in der Kennedy-Schule aus diesem Buch. Erzählt von der unbeschwerten Kindheit in Frankfurt, den ersten Ausgrenzungen, zeigt den Kids ihren Judenstern. Mit klarer, fester Stimme beschreibt sie die Zeit des Grauens in Auschwitz, die sie nur überlebt hat, weil sie Cello spielte. „Ich stand nackt, mit rasiertem Kopf und eintätowierter Nummer auf dem Arm im Raum“, erzählt sie von furchtbaren Momenten. Dann wurde sie gefragt, was sie so kann. „Cello spielen“. Im Mädchenorchester von Auschwitz fehlte noch eine Cellistin. Ihre Chance.

In der Sporthalle der Kennedy-Schule konnte man eine Stecknadel fallen hören. Am nächsten Tag in der Dornse beantwortet Lasker-Wallfisch gemeinsam mit Bundespräsident a. D. Gauck Fragen der Schüler. Titel des Nachmittages: Die Zukunft der Erinnerung. Die Schüler fragen nach dem Umgang mit einer neuen Rechten, mit Parteien wie der AfD. „Seien Sie mutig und kritisch, machen Sie den Mund auf, lassen Sie sich nichts gefallen“, sind die wichtigsten Antworten. Anita Lasker-Wallfisch fügt noch an: „Sie haben eine Aufgabe, lernen Sie Ihre Geschichte.“

 

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