Nächster Einsatz Bratwurststand | Neue Braunschweiger
23. Dezember 2019
Soziales

Nächster Einsatz Bratwurststand

Die Malteser kümmern sich um die Besucher des Weihnachtsmarktes – sieben Tage die Woche

Manchmal muss es ganz schnell gehen: Jonathan, Hannah und Lukas (v.l.) von den Maltesern. Fotos: Wiefel

Innenstadt. Milchtüte und Wasserflasche sind zur Seite geräumt. Auf dem Tisch liegt ein Lageplan des Braunschweiger Weihnachtsmarktes. Jeder Wurst-, jeder Crêpe-, jeder Dekostand trägt eine Nummer. Das ist wichtig, wenn Sven, Jonathan, Hannah und Lukas ausrücken und in minutenschnelle vor Ort sein müssen. Die vier Malteser schieben an diesem Dezemberabend Dienst. Und sorgen dafür, dass hunderte Menschen unbesorgt feiern können.

„Vor zwei Jahren saßen wir noch in einem Wohnwagen, inzwischen haben wir eine mobile Sanitätsstation“, führt Frank Stautmeister, der Malteser Stadtbeauftragte durch einen Container, der aus einem winzigen Aufenthaltsraum und einem zweiten Bereich mit Bank und Rollliege besteht.

Es ist warm hier, die Laune gut. Weihnachtsmarkt – das ist auch für Sanitäter etwas besonderes. „Manchmal klopft es und jemand möchte sich einfach nur bedanken, dass wir hier sind“, sagt Sven. Er ist mit seinen 42 Jahren der „alte Hase“ im Team. Weiß genau, was alles auf dem Markt passieren kann. „Der eine rutscht auf dem Kopfsteinpflaster aus, der andere – meist Standbetreiber – schneidet sich in den Finger, dem dritten wird in der Masse an Menschen schwindelig“, zählt er auf.

Erstaunlich, aber wahr: Alkohol spielt kaum eine Rolle, „vielleicht liegt es an den Preisen oder daran, dass der Markt früh anfängt und schon um 21 Uhr schließt“, mutmaßt Sven. Über jeden Einsatz führen die Malteser Buch. Bis zu diesem Abend wurde zweimal der Notarzt gerufen, 20 Mal der Rettungswagen, 24 Mal gab es internistische und 15 Mal chirurgische Notfälle.

Erst seit 2006 werden die Besucher direkt auf dem Markt versorgt, vorher kamen sie in die Notaufnahme. Der Container der Malteser steht unauffällig am Rand auf dem Platz der Deutschen Einheit, nur eine Beach-Flag signalisiert: Hier passt jemand auf. Einen Monat lang, sieben Tage die Woche, immer von 17 bis 21 Uhr. Für die Malteser ein logistischer Kraftakt. Denn gerade in der Advents- und Weihnachtszeit drängeln sich die Veranstaltungen.

Und – auch das muss gesagt sein – nicht immer bekommen sie ein Dankeschön. Auch nicht auf dem Weihnachtsmarkt. Was im Straßenverkehr schon lange zu beobachten ist, passiert auf dem Burg- und Domplatz genauso. Leute, die ihr Handy zücken, wenn jemand auf dem Boden liegt. Die keinen Platz machen, wenn sich die Sanitäter mit ihrem Erste-Hilfe-Rucksack schnell einen Weg durch die Masse bahnen müssen. „In diesen Momenten brauchen wir die Hilfe der Polizei, sonst treten die uns noch in den Rucksack, wenn wir jemanden am Boden versorgen“, sagt Lukas.

Warum macht er es trotzdem? Warum wischen er, Jonathan und Hannah – alle gerade einmal um die 20 Jahre – ehrenamtlich Blut und Unappetitliches ab, wo sie doch entspannen könnten wie die anderen? Lukas braucht nicht lange zu überlegen: „Wenn mir etwas passiert, wäre ich auch froh, wenn mir jemand helfen würde.“

Lagebesprechung in der mobilen Sanitätsstation auf dem Platz der Deutschen Einheit. Sven (l.) hat mit dem Weihnachtsmarkt Erfahrung.

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