1. März 2019
Menschen

„Nächstes Jahr feiern wir drei Tage durch“

Die Freibeuter: Neben Schoduvel und Prunksitzungen wollen die „Piraten“ ein breiteres Angebot zum Karneval

Die Braunschweiger Freibeuter während der Karneval-Show Ne’ Kappe Buntes der Mascheroder Karnevalgesellschaft (MKG) am Samstag (23.02.2019) in der Stadthalle in Braunschweig. Foto: Peter Michael/BestPixels.de

Innenstadt. „Wir stehen für bekennenden Straßenkarneval“, sagt Robert Glogowski, „El Commandante“ – also Chef der Freibeuter, einer Horde (relativ) wilder Männer und Frauen, die ihre Forderungen mit Nachdruck überall in der Stadt an- und unterbringen: Karneval soll mehr sein als Schoduvel und Prunksitzungen.

Drei Tage durchfeiern

Mit dem Projekt „Elf Lieder“(eigene Musik und Texte von heimischen Musikern zum Karneval) haben Glogo und seine Mitstreiter in den vergangenen drei Jahren den Karneval aufgemischt. Jetzt geht es den Freibeutern über die Musik hinaus um das Feiern an sich. „Nächstes Jahr feiern alle Karneval-Fans rund um den Schoduvel drei Tage durch“, erklärt der Commandante die Zukunftspläne der Piraten.

Vier Feierzonen schlagen die Freibeuter vor – Neue Straße, Hagenmarkt, Bohlweg/Schloss und Magniviertel. Dort könnten die Gastronomen vor Ort Angebote machen und Musik sowie Orte zum Aufwärmen anbieten. Auch eine Bühne etwa im Magniviertel fänden sie sinnvoll. „In diesen Zonen muss das Feiern auf der Straße bis 21 Uhr möglich sein“, sagt Glogowski. Notwendig sei dafür eine erweiterte Ausschankgenehmigung. „Danach verschwinden die meisten in den Kneipen und Diskotheken. Um Alkoholmissbrauch einzudämmen, müsste man das Mitbringen eigener, oft hochprozentiger Getränke am Zug unterbinden.“

Eine echte Feierkultur rund um den Schoduvel fehle. „Karneval ist zunehmend ein junges Thema geworden“, sagt auch Freibeuterin Antje Maul. Die vielen Jugendlichen, die zum Schoduvel kommen, stehen nach dem Zug sozusagen „im Regen.“ Hier sei „geplanter Straßenkarneval“ nötig.
Es sei auch ein Sicherheitsaspekt, den Menschen, die noch feiern wollen, etwas anzubieten. Aber auch für Familien mit Kindern seien zum Beispiel Zelte am Schoduvel-Weg schön und sinnvoll. „Hier könnte sich Gastronomie präsentieren, oder aber Sponsoren Angebote für die Kleinen und Großen machen“, schlägt Glogowski vor.
„Wir wollen hier keinen Ballermann, sondern für jeden Narren den idealen Ort zum Feiern: Kneipenbesuch, Tanzen, Straßenkarneval, Prunksitzungen, Konzerte.“

Wünsche an die Stadt

Ein verlängertes Wochenende für den Karneval soll es werden. „Schließlich muss ein gutes Kostüm sich auch lohnen“, sagt Antje Maul. Die Freibeuter übergeben ihre Wünsche und Forderungen an die Stadt: „Es ist ein Kulturauftrag“, sagen sie, „wir haben Mumme-Meile, Autofrühling und Nachtlauf, aber kein Konzept für den Karneval, das über den Schoduvel hinausgeht.“ Auch der Weihnachtsmarkt sei ein gutes Beispiel, „spezielle extra Fahrten zum Braunschweiger Karneval könnten ein gutes touristisches Thema sein“, sagen die Freibeuter.
Das Braunschweiger Karneval-Komitee rund um Zugmarschall Gerhard Baller stimmt den Freibeutern grundsätzlich zu und will fürs nächste Jahr frühzeitig alle Beteiligten ins Boot holen, um zu prüfen, was sinnvoll ist und was sich umsetzen lässt.

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