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NB-Thema Nachhaltigkeit: Tatendrang statt Perfektionismus

Teil 1: Nachhaltigkeit als Lebensstil: Bloggerin Johanna Jahns – „Einfach anfangen“, lautet ihr Tipp

Bloggerin Johanna Jahns kommt mit dem Fahrrad zum Termin. Fotos: Marion Korth

Braunschweig. Auf den ersten Blick sieht der kleine Beutel mit den Herzen aus wie ein Schminktäschchen, aber weit gefehlt: Das ist Johannas „Überlebenspäckchen“, Nachhaltigkeit „to go“ sozusagen.

Wenn sie in der Stadt unterwegs ist, hat sie alles dabei. Kein Lippenstift, keine Puderdose, dafür den wiederverwendbaren Strohhalm, Besteck eine Glasflasche, eine Zahnbürste mit Bambusgriff, ein Stofftaschentuch, Beutel in verschiedenen Größen für den Einkauf, einen wiederbefüllbaren Kaffeebecher.

Der Lebensstil der Menschen in der westlichen Welt verschlingt mehr, als die Erde aus eigener Kraft erneuern kann. Nachhaltigkeit geht anders. Johanna hat sich auf den Weg gemacht, will nichts verschwenden, weniger verbrauchen, möglichst nichts zerstören. Sie hat Alternativen gefunden, der Wegwerfwahnsinn hat bei ihr ein Ende. Jeden Tag lernt sie dazu und lässt andere daran teilhaben – zum Beispiel auf Instagram, wo „Johannas Kopfsalat“ von Beitrag zu Beitrag munter wächst.

Das Billig-T-Shirt für drei Euro lässt die Studentin links liegen. „Damit hat es angefangen. Fast Fashion habe ich komplett gestrichen, ich kann es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, dass irgendwo Menschen für einen Billiglohn schuften müssen, um diese Sachen herzustellen.“ Johanna kauft derzeit keine Klamotten mehr, in ihrem Kleiderschrank findet sie genug. Auch Make-up steht nicht auf ihrer Einkaufsliste: „Ich brauche erst einmal auf, was ich noch habe, dann sehe ich weiter.“

Bloggerin Johanna Jahns hat ihr „Survival-Paket“ mit Stofftaschentuch, Besteck, Bambus-Zahnbürste und einem wiederverwendbaren Strohhalm stets dabei. Außerdem zu Anschauungszwecken noch andere nützliche und selbstgemachte Dinge. Foto: Marion Korth

Wenn etwas kaputt geht, versucht sie es zu flicken und zu reparieren, geht auf Flohmärkte und kauft Gebrauchtes. Auch stellt sie vieles selbst her: Waschmittel zum Beispiel. Das Umdenken hat mittlerweile praktisch alle ihre Lebensbereiche durchdrungen. „Ich brauche kein Auto“, sagt Johanna. Auch keine Plastiktüten oder Seife im Wegwerfspender. Auf Johannas Vorschlag hin treffen wir uns im Café Lüttes, dort sind regionale und saisonale Produkte die erste Wahl.
Schon wird Nachhaltigkeit zum Trend erklärt. Johanna aber hofft, dass sich gerade ein Wandel vollzieht. „Es ist einfach nicht schlimm, mit einem Glas zum Einkaufen zu gehen“, sagt sie und lacht. Sie nimmt die Verpackungen von zu Hause mit, lässt sich Käse in die Plastikdose packen, Müsliflocken ins Glas.

Tauschen statt wegwerfen: Geschenkpapier, Bücher oder Lebensmittel kommen ins Regal im Hausflur. Foto: Johanna Jahns

Nach Ladenschluss rettet sie zusammen mit anderen als „Food Safer“ Lebensmittel, die sonst im Müll landen würden. Die Sachen verschenkt sie oder verwendet sie selbst. Zusammen mit den beiden Jungs in ihrer WG hat sie ein Regal im Hausflur aufgestellt, das als Verteilstation fungiert. Äpfel, die sie oft in großer Menge sammelt, kommen ebenso hinein wie die neue Packung Nudeln oder eine CD. Wer im Haus Verwendung dafür hat, greift zu. Die Idee sei gut angekommen, das System funktioniere.

„Einfach anfangen“, lautet Johannas Tipp für Einsteiger, denn sie ist überzeugt: „Wir würden viel schaffen, wenn alle Menschen ihr Verhalten in ein paar Lebensbereichen verändern würden.“

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