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NB-Stadtteilserie: „Ich würde nicht im östlichen Ringgebiet leben wollen“

Kanzlerfeld-Lehndorf-Lamme: Frank Graffstedt ist Zollbeamter, Ratsvorsitzender, Bezirksbürgermeister und liebt seine Dörfer

Frank Graffstedt bei einem Ortstermin im Lammer Busch. Foto: Uwe Hildebrandt

Kanzlerfeld/Lehndorf/Lamme. „Ich würde nicht im östlichen Ringgebiet leben wollen“ ­– sagt Frank Graffstedt. Der Mann kommt ursprünglich „von der Nordsee“, hat kurz im westlichen Ringgebiet gelebt und ist dann nach Lehndorf gezogen.

Das war vor ungefähr 30 Jahren. Inzwischen hat er in Lamme gebaut, was auch schon wieder mehr als 20 Jahre her ist. „Und jetzt bin ich durch und durch ein Dorfmensch“, sagt er lachend, „im östlichen Ringgebiet wäre es mir viel zu eng.“ Und schnell in die Stadt geht es trotzdem: „Gut 20 Minuten, entweder mit dem Rad oder mit dem Bus.“

Sind Sie gern Bezirksbürgermeister? Und warum?

Seit 2001 ist Frank Graffstedt im Bezirksrat und weil er „seine“ Dörfer so liebt wie sie sind, liebt er auch seit 2011 seinen Job als Bezirksbürgermeister. „Einfach, weil es Spaß macht“, sagt er, „ich freue mich immer wieder über das funktionierende Miteinander in den jeweiligen Stadtteilen – auch wenn jeder Teil anders ist.“ Beispiel: Runder Tisch Lamme.
„Den gibt es schon ewig“ erzählt Graffstedt. Irgendwann hat ihn mal jemand gefragt, wer das eigentlich ist, der runde Tisch. „Da habe ich geantwortet: Das sind wir alle.“ Und so ungefähr ist es auch. Organisiert von Pfarrer Bernhard Kiy treffen sich – je nach Thema – Menschen aus allen möglichen Vereinen, Gruppen, Organisationen, den Kindergärten, der Schule, Verbänden oder Einzelpersonen, um miteinander zu reden, „und um etwas auf die Beine zu stellen“, freut sich Graffstedt.
So passiert das in Lamme. Aber auch im Kanzlerfeld und in Lehndorf. Die Lehndorfer feiern in diesem Jahr ihr 70. Volksfest. „Alles ehrenamtlich organisiert von der Lehndorfer Arbeitsgemeinschaft“, betont Graffstedt, „das ist eine Riesenleistung.“ Und immer ist es proppenvoll. Das Fest ist eine Erfolgsgeschichte. Und auch im Kanzlerfeld wird nun das dritte Nachbarschaftsfest stattfinden.
Die Lammer haben ein Open-Air-Festival an den Start gebracht, das ebenfalls sehr erfolgreich ist und jedes Jahr größer wird. „Auch hier hat sich ein Verein gegründet, die Lammer-Open-Air-Freunde. In diesem Jahr wird Silent Radio auftreten“, erzählt Graffstedt begeistert.
„Als die Sporthalle in Lehndorf abgebrannt war, standen alle Vereine sofort zur Seite und haben ihre Hilfe angeboten“, gibt der Bezirksbürgermeister ein weiteres Beispiel für den besonderen Zusammenhalt. „Es funktioniert einfach“, sagt Graffstedt immer wieder.
„Wir hatten in diesem Jahr zum zweiten Mal den Neujahrsempfang des Bezirksrates – mit mehr als 100 geladenen Gästen, stellvertretend für all diejenigen, die sich ehrenamtlich auf unterschiedlichste Weise engagieren. „Und ohne die auch so ein Miteinander nicht möglich wäre“, stellt er anerkennend fest.

Gibt es denn gar keine Probleme?

„Aber natürlich“, sagt Graffstedt, „wie überall, wir sind ja keine Heiligen.“ Es grummelt zum Beispiel im Kanzlerfeld. „Der Görge-Markt will aus dem alten Einkaufszentrum ausziehen und gegenüber auf einer Grünfläche neu bauen“, erklärt der Bezirksbürgermeister. Vielen dauert es zu lange, andere üben Kritik und erheben Einwände, die auch teilweise anerkannt wurden und zu Veränderungen der Planungen führten.
„Jetzt beraten wir zum vierten Mal darüber“, sagt Graffstedt. Am 26. März entscheidet der Verwaltungsausschuss der Stadt über die erneute Auslegung. „Die Planung umfasst 982 Seiten, die müssen gelesen und bewertet werden“, zeigt Graffstedt das Verfahren auf. „Das macht nicht immer Spaß, aber das müssen wir aushalten. Denn das Einspruchsrecht ist ein hohes Gut“, ist er sicher, „viele Bedenken waren richtig und wichtig und sind auch in die Planungen aufgenommen worden.“ Jetzt, nach allen Änderungen, hofft er auf eine Entscheidung. „Auch möglich, dass noch ein Gericht entscheiden muss“, sagt er, auch das gehöre dazu. „Aber irgendwann muss man das Ergebnis akzeptieren“, appelliert er an alle Beteiligten.

Was liegt Ihnen politisch besonders am Herzen?

„Unmittelbar als Nächstes, dass wir zum Ende der Sommerferien endlich die neue Sporthalle in Lehndorf in Betrieb nehmen können. Dauerhaft, dass wir immer versuchen, das Leben in den Stadtteilen so zu gestalten, dass sich möglichst alle gemeinsam weiterhin dort wohlfühlen können“, erklärt Graffstedt, „und das geht nur durch miteinander reden und machen.“
Insbesondere mit denjenigen, die sich auf unterschiedlichste Weise in den Stadtteilen engagieren. Manchmal seien es nur Kleinigkeiten, wie ein fehlender Papierkorb, ein Fahrradständer oder beispielsweise die Unterstützung der Ehrenamtlichen, erklärt er.
Oft aber auch Dinge , die etwas länger dauern bis sie umgesetzt werden können, wie beispielsweise die Verbesserung der Verkehrssituation für alle Verkehrsteilnehmer. Manchmal sind es aber auch die großen Projekte, wie die Neuansiedlung des Görge-Marktes, die Sicherung der Nahversorgung oder der Straßenbahnausbau nach Lehndorf.
„Wichtige Projekte, die aber nicht überall gleich auf große Begeisterung stoßen – aber auch gemeinsam mit möglichst großer Zustimmung abschließend umgesetzt werden sollten.“

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