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NB-Stadtteilserie: Der Ilmweg – ein leuchtendes Beispiel

Die Weststadt verändert ihr Gesicht: Aus Anwohnern werden Nachbarn, aus einem Viertel ein Lieblingsort

Gregor Kaluza spricht eine Besucherin, die gerade das Haus der Talente verlässt, spontan an. Karin Tomczak nimmt regelmäßig an der Frühstücksgruppe teil, trifft sich außerdem zum Romméspielen. Wie sie das Angebot im Nachbarschaftszentrum Elbeviertel findet? „Super!" Foto: Marion Korth

Weststadt. Vor dem Nachbarschaftszentrum Elbeviertel ist an diesem Vormittag ein Schwarm Stockenten „gelandet“. Geschnattert wird nicht, die Frauen der Walkinggruppe „Stockenten“ sind vertieft in die Aufwärmübungen – ihre Stöcke haben sie hoch in die Luft gereckt, dehnen und strecken sich. Ein guter Auftakt für unseren Besuch in der Weststadt, wo über viele Jahre aus einem Nebeneinander an vielen Stellen ein Miteinander geworden ist.

Vor dem Haus gegenüber stapelt sich der Sperrmüll. Totalräumung. Früher wäre das ein schlechtes Zeichen gewesen. Wieder jemand, der auszieht, wieder eine Wohnung, die leer steht, Wochen, vielleicht Monate. Früher. Jetzt weht ein anderer Wind. Das Haus wird saniert, deshalb der Sperrmüll. Überall am Ilmweg ist das Grau gewichen, Hausfassaden leuchten rot, orange und grasgrün.

Die bunten Farben sind äußerliches Zeichen für den tiefgreifenden Wandel, der nicht zuletzt mit dem Förderprogramm Soziale Stadt die Weststadt und hier speziell das Elbeviertel zu einer begehrten Wohnadresse gemacht hat. Und das schon Jahre bevor der Wohnungsmarkt unter Druck kam und die Leerstände zurückgingen. „Heute haben wir hier Wartelisten“, sagt Gregor Kaluza.

Gerade läuft der Sprachkursus für Flüchtlinge im Haus der Talente. Lehrerin Tugsjargul Oyungerel (stehend) hat ihren Schülerinnen und Schülern in neun Monaten schon viel beigebracht. Vorne rechts sitzen die drei Freundinnen Khansaa, Ahlam und Amani. Foto: Marion Korth

Wir haben ihn um ein Gespräch gebeten, bevor der Umbau im Donauviertel Fahrt aufnimmt, wollten wir wissen: Was konnte bisher erreicht werden? Ein Motor, der die Entwicklung antreibt, ist der Verein Stadtteilentwicklung Weststadt, dessen Geschäftsführer Gregor Kaluza ist, außerdem leitet er die Abteilung Soziales Management bei der Baugenossenschaft Wiederaufbau. Außer der Wiederaufbau sind die Braunschweiger Baugenossenschaft, die Nibelungen Wohnbau GmbH sowie die Stadt Braunschweig mit im Boot. 2018 feierte der Verein sein zehnjähriges Bestehen. „Eine Erfolgsgeschichte“, sagt Kaluza. Mehrfach wurden der Verein und seine Arbeit ausgezeichnet, dienen bundesweit als Vorzeigemodell. Gemeinsam werden die Treffpunkte Am Queckenberg, Pregelstraße und das Nachbarschaftszentrum Elbeviertel betrieben.

Und obwohl mittlerweile Vollvermietung erreicht sei, hätten die Partner ihr finanzielles Engagement nicht zurückgefahren, sondern von jeweils 50 000 Euro sogar auf je 80 000 Euro erhöht, betont Kaluza. Darüber hinaus hat die Wiederaufbau als Bauträger das Nachbarschaftszentrum Elbeviertel und damit das Haus der Talente verwirklicht. Investition allein von dieser Seite: eine halbe Million Euro.
Die Weststadt hat die Größe einer mittleren Stadt. Viele Wohnungen auf kleiner Fläche – als städtebauliches Konzept hat das auf Dauer nicht getragen. Die Probleme wuchsen. Armut, Vandalismus, Kriminalität – die Weststadt hatte keinen guten Ruf, ein nachbarschaftliches Leben fand kaum statt.

Die Frühstücksgruppe kommt regelmäßig im Haus der Talente zusammen. Für heute verabschieden sich die Frauen von Katrin Bail (2. v. r.). Foto: Marion Korth

Im Nachbarschaftszentrum Elbeviertel geben sich die Initiativen mittlerweile die Klinke in die Hand. Das Bürgerbüro wird wechselweise von mehreren Vereinen als Schaltzentrale genutzt, wer will, kommt einfach auf einen Kaffee vorbei. „Der Prozess ist noch nicht am Ende“, sagt Kaluza, „der Queckenberg wird der nächste Schritt.“ Er sieht in der Bürgerbeteiligung das Geheimnis des Erfolges. Indem die Wünsche der Bürger erfragt und möglichst auch erfüllt wurden, sei ein hohes Maß an Identifikation geschaffen worden. Graffitis, Zerstörung, Vermüllung, das war alles einmal. Am 24. August wird am Ilmweg das Abschlussfest Stadtumbau West gefeiert – und alle sind dazu eingeladen.

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