NB-Thema Nachhaltigkeit: Klassenbeste beim Klimaschutz

Folge 2 - Vorbildlich: Die Wilhelm-Bracke-Gesamtschule und der Förderverein Bracke Solar

Der Technikunterricht in der siebten Klasse findet getrennt für Mädchen und Jungen statt. Chanel (v. l.), Emely, Sara, Alina und Angelina haben einen solarbetriebenen Propeller gebaut. Foto: Korth

Weststadt. „Wir waren mutig und das hat sich gelohnt.“ Barbara Kage-Heiser geht mit einem guten Gefühl in diese Sommerferien und im Anschluss in den Ruhestand. Vor zehn Jahren hat die Lehrerin mit sechs anderen engagierten Kollegen an der Wilhelm-Bracke-Gesamtschule den Förderverein Bracke Solar gegründet. Das Vereinsziel: eine Solaranlage für das Dach der Sporthalle im Wert von rund 45 000 Euro zu finanzieren.

Von Anfang an waren Schülerschaft und Eltern mit eingebunden. Um das Geld zusammenzubekommen, gab der Verein 50-Euro-Anteilsscheine aus, bei einem Sponsorenlauf kamen 10 000 Euro zusammen, der Förderverein der Schule gewährte ein zinsloses Darlehen. Kurz bevor die Anlage ans Netz ging, drohte die Neuregelung der Einspeisevergütung einen Strich durch die Rechnung zu machen. Ein Wettlauf mit der Zeit begann, der Barbara Kage-Heiser Nerven und Verhandlungsgeschick kostete. Dann aber war alles klar: Die Anlage ging im Juni 2010 ans Netz, hat danach mehr Solarstrom erzeugt als erwartet. „Wir haben seitdem 75 Tonnen CO2 eingespart, das ist gar nicht schlecht“, sagt der neue Vereinsvorsitzende Michael Zientek.

Über dem Projekt scheint noch immer die Sonne: Die Anlage liefert Solarstrom, bringt regelmäßige Einnahmen und der damals aufgenommene Kredit ist abbezahlt. Mehr geht nicht. Die Erträge fließen nun in voller Höhe an die Schüler zurück. Unterrichtsmaterialien, wie der Bausatz für den Solar-Ventilator, hat der Verein bezahlt.

Die Geschichte des Fördervereins Bracke Solar ist eine Erfolgsgeschichte. Barbara Kage-Heiser und Michael Zientek waren von Anfang an dabei. Foto: Korth

Die vergleichsweise kleine Solaranlage des Vereins (12,8 kWp Spitzenleistung) war nur der Anfang, die Initialzündung sozusagen. Mit dem Schulneubau hat die Stadt nachgelegt und eine zweite, mehr als zehnmal so große Anlage (183 kWp) finanziert. Beim Klimaschutz ist die Wilhelm-Bracke-Gesamtschule in Braunschweig Klassenbeste. Wärmedämmung, regelbare Fenster, Dreifachverglasung und die Photovoltaikanlage machen die Schule zum Nullemissionshaus. Im Vergleich zum Altgebäude hat sie einen 93 Prozent geringeren Wärmebedarf, ihr Strombedarf sank um 65 Prozent. Die Anlage auf dem Dach liefert mehr Strom als die Schule rechnerisch verbraucht.

Die Photovoltaikanlage des Vereins ging 2010 ans Netz und hat seitdem alle Erwartungen übertroffen. Im zehnten Betriebsjahr ist das Darlehen getilgt.. Förderverein Bracke Solar

Es bleibt nicht bei den schönen Zahlen. Im Lauf ihrer Schulzeit lernen die Schüler, wie ein Solarmodul aufgebaut ist, wie Sonnenstrahlen in elektrische Energie umgewandelt werden, auch Müllvermeidung, gesunde Ernährung oder das Flicken eines Fahrradreifens stehen auf dem Unterrichtsplan. Eines greift ins andere. „Wir sind auch Umweltschule“, betont Barbara Kage-Heiser, „wir leben und lernen nachhaltig.“

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