• Home
  • > >
  • NB-Thema Nachhaltigkeit: Pflanzen pflegen, Gemeinschaft erleben

NB-Thema Nachhaltigkeit: Pflanzen pflegen, Gemeinschaft erleben

Folge 3: Wir besuchen den Garten ohne Grenzen

Gemeinschaft und Zusammenarbeit werden im Garten ohne Grenzen groß geschrieben (v. l.). Die Hobbygärtner Gerlinde und Vito, Sozialpädagogin Bettina Eiben und ihre Kollegin Cihane Gürtas-Yildirim von der AWO-Migrationsberatung sowie Yesim Cil (Plankontor). Fotos: Marion Korth

Westliches Ringgebiet. „Gemeinsam statt einsam“ – unter diesem Arbeitstitel steht Teil 3 unserer Nachhaltigkeitsserie.

Wir haben uns auf die Suche nach gelungenen Nachbarschaftsprojekten gemacht und durften uns für einen Nachmittag als Teil der Gemeinschaft im Garten ohne Grenzen fühlen.
Sie kamen als Gastarbeiter und gingen als Rentner in ihre Heimatländer zurück. Aber nicht alle. Ihnen ein Stück Heimat zu geben – aus diesem Gedanken heraus entstand der Garten ohne Grenzen an der Blumenstraße. Pflanzen pflegen und Gemeinschaft erleben, gehen hier Hand in Hand.

Gartenglück auf 20 Quadratmetern. Die Mini-Parzelle gibt es kostenlos. Rentner, die hier keine Vorurteile, sondern Pflanzen hegen und pflegen möchten, sind – egal, welcher Nationalität – willkommen.
Im Garten ohne Grenzen reiht sich eine Parzelle an die nächste, kein Zaun dazwischen, kein Gartenhäuschen. Wer in Ruhe im Beet herumpuzzeln möchte, taucht tiefer zwischen Kartoffeln und Gurken. Wer das Gespräch sucht, findet unter dem alten Apfelbaum bestimmt jemanden, dem es ebenso geht. Manchmal wird gemeinsam gekocht.

Im Garten ohne Grenzen soll zwischen mannshohen Sonnenblumen und Stangenbohnen Verwurzelung wachsen, wenn die alte Heimat fremd geworden ist. Raum für Begegnung und Austausch bietet er, Ansprechpartner, wenn es Fragen oder Probleme gibt. Die Gartenordnung haben sich die ersten Nutzer selbst gegeben.

Aufeinander Rücksicht nehmen und keine großen Bäume pflanzen – wer sich daran hält, hat die größten Klippen schon umschifft. Gemeinschaftliches Engagement, beispielsweise beim bevorstehenden Sommerfest am 17. August (14 bis 17 Uhr) ist erwünscht, Spritzmittel und Kunstdünger sind verboten. Manchmal wird geschummelt. Eine leere Flasche Flüssigdünger liegt beim Wertstoffabfall. Sozialpädagogin Bettina Eiben vom AWO-Bezirksverband wird das Thema ansprechen. Im direkten Gespräch, Zettelbotschaften funktionieren nicht. Bettina Eiben schätzt die unmittelbare Begegnung und den persönlichen Kontakt, beides macht ihre Arbeit so besonders. Worüber hat sie im Garten mehr gelernt, über Pflanzenanbau oder über Menschen? „Über beides“, sagt sie und lacht.

Im Garten ist eine große türkische und eine große deutsche Community zugange. Italien, Ukraine, Russland, Weißrussland, Vietnam sind weitere Nationalitäten. „Jeder darf anbauen, was er möchte, sagt Bettina Eiben. Die Pflanzenauswahl verrät den Gärtner. Kartoffeln und Buschbohnen sind „typisch deutsch“, Auberginen und Peperoni eher türkisch. Die Weinrebe des gebürtigen Sizilianers Vito Daidone mögen alle, die Trauben und auch die Weinblätter, die die türkischstämmigen Frauen auch an diesem Nachmittag zum Bulgursalat reichen. Vitos Frau Manuela hatte vom Garten ohne Grenzen gelesen. Raus- und

mit anderen in Kontakt kommen, das haben die beiden gesucht und gefunden.

^