30. April 2022
Buntes

NB-Thema Sicherheit: Zeigen, wo die rote Linie ist

Im Szeneviertel zeigt die Polizei deutlich mehr Präsenz

Kurz nach der Wiedereröffnung der Diskotheken strömen Hunderte von Feiernde in Braunschweigs Partyviertel. Seitdem gibt es immer wieder Ausschreitungen, die die Polizei (hier Thomas Bodendiek, Leiter der Polizeiinspektion) auf den Plan rufen. Foto: Markus Hörster

Braunschweig. Braunschweig ein unsicheres Pflaster? Thomas Bodendiek, Leiter der Polizeiinspektion, widerspricht energisch. „Die Sicherheitslage hat sich nicht geändert“, betont er im Interview mit der NB.

Wir haben uns mit ihm über die jüngsten Vorfälle im Szeneviertel und über die Nach-Corona-Lage insgesamt unterhalten.

Herr Bodendiek, Raub, Massenschlägereien, Platzverweise – gefühlt scheint es inzwischen an jedem Wochenende zu Ausschreitungen auf Braunschweigs Partymeile kommen. Wie kommt das? Gibt es nach der langen Zeit des Lockdowns generell eine höhere Bereitschaft „über die Stränge“ zu schlagen?

Das sicher. Zwei Jahre lang waren die Clubs praktisch geschlossen; jetzt feiern die Menschen ihre Freiheit, die Rückkehr zum Leben. Allerdings: Lautes Partyvolk oder auch Auseinandersetzungen hat es vorher auch schon gegeben. Infolge der Coronazeit ist die Gesellschaft einfach nicht mehr daran gewöhnt. Auch deshalb gerät die Szene gerade stark in den Fokus.
Aber haben sich durch die fehlende soziale Kontrolle während der Zeit des Lockdowns nicht vielleicht doch neue, kritische Szenen entwickelt? Etwa, was das Drogenmilieu betrifft oder das Autoposing?

Nein. Die Polizei kontrollierte ganz im Gegenteil sehr engmaschig. Unsere Aufgabe war es schließlich, die Corona-Auflagen zu überprüfen. Im Zuge dessen hatten wir die Parks und die Innenstadt sehr genau im Blick. Das Autoposing haben wir direkt am Anfang unterbunden. Und, was Drogen betrifft, ja, eine solche Szene wird im Umfeld des Rotlichtviertels natürlich begünstigt, aber auch die haben wir auf dem Schirm.

Welche Gruppen fallen aktuell besonders auf?

Sicherlich die feiernden Menschen am Wochenende, die vor allem kurz nach den Lockerungen in großer Zahl ins Partyviertel rund um Gieseler und Kalenwall strömten. Das Problem war, dass Braunschweig noch vor den umliegenden Orten die Clubs wieder öffnete, sodass vermehrt Menschen aus dem Umland in die Stadt strömten. Das wird sich sicherlich in den kommenden Wochen wieder entzerren. Wir als Polizei haben auf die Lage reagiert und ein Konzept entwickelt.

Wie sieht das aus?

Wir zeigen deutlich mehr Präsenz und machen klar: Feiern ist okay, gewalttätige Schlägereien nicht. Wir sorgen also dafür, dass Regeln eingehalten werden.

Sie würden also sagen, dass Braunschweig immer noch eine sichere Stadt ist?

Ja, auf jeden Fall. Das, was im Moment im Partyviertel passiert, hat es vorher auch schon gegeben. Wir sind durch die Corona-Zeit und die erzwungene Ruhe einfach nicht mehr daran gewöhnt. Ich bin jetzt schon auf die Anzeigen wegen Ruhestörung gespannt, wenn die Grillsaison erst richtig in Fahrt kommt. Früher haben wir uns über feiernde Menschen gefreut, heute nerven sie.

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