Neue Krankheit lässt Blaumeisen sterben | Neue Braunschweiger
25. April 2020
Umwelt

Neue Krankheit lässt Blaumeisen sterben

Tote und kranke Vögel auch in Braunschweig – NABU-Vorsitzender Carlo Fuchs plädiert für Sommerfütterung

Eine in diesem Ausmaß bislang unbekannte Krankheit lässt vor allem Blaumeisen sterben. Mit Spannung erwartet der NABU deshalb die Zählergebnisse der Aktion „Stunde der Gartenvögel“ vom 8. bis 10. Mai. Foto: Rita Priemer/NABU Niedersachsen

Braunschweig. Und jetzt auch noch die Blaumeisen: Der NABU erhält immer mehr Meldungen über kranke oder verendete Vögel. Der geheimnisvolle Krankheitserreger konnte mittlerweile identifiziert werden.

Das Bakterium tauchte erstmals in den 1990er Jahren in Groß Britannien auf, nun lässt es hier vorrangig Meisen sterben. Erste Todesfälle, die auf die neue Krankheit zurückzuführen sind, wurden in Niedersachsen aus dem Ammerland und dem Kreis Osnabrück gemeldet, aber auch Braunschweig bleibt nicht verschont.

„Für den Raum Braunschweig liegen uns bisher 58 Meldungen vor: 34 tote Vögel, bis auf vier alles Meisen, sowie 24 kranke Vögel“, berichtet Carlo Fuchs, Vorsitzender des NABU Braunschweig. Das Bakterium sei für sich genommen zwar bekannt, „neu aber ist, dass es nun zu einer Epidemie kommt“. Die kranken Meisen zeigen ein apathisches Verhalten, flüchten nicht, Augen und Schnabel können verklebt, das Gefieder struppig sein. Nach kurzer Zeit verenden die Vögel.

Stichwort Hitzesommer und Insektensterben – könnten äußerliche Ursachen die Tiere schwächen? „Ja, ich würde das nicht ausschließen wollen“, sagt Carlo Fuchs. Im vergangenen Jahr seien kaum Schmetterlinge zu sehen gewesen, also gab es vorher auch nur wenig Raupen, dann folgten Herbst und Winter und nun schon wieder extreme Trockenheit. Es wäre kein Wunder, wenn dies alles den Vögeln und speziell den kleinen Blaumeisen zusetzt.

Doch wir können den Vögeln helfen. Carlo Fuchs plädiert dafür, auch weiterhin zu füttern, denn es sei ein Trugschluss, dass die Vögel mit den wärmeren Temperaturen gleich wieder Sämereien und Insekten in Hülle und Fülle finden würden. Füttern also unbedingt. „Aber keine Schrottknödel“, fügt er an. Schlechtes Futter richtet eher noch Schaden an. Hochwertige Qualität gibt es im Fachhandel und natürlich beim NABU in der Hochstraße (Montag, Mittwoch und Freitag von 16 bis 18 Uhr). Auch Nistkästen, die ein besonders kleines Einflugloch aufweisen, können den Blaumeisen das Leben einfacher machen. Aber auch hier ist darauf zu achten, dass der Kasten insgesamt groß genug ist und nicht allein für Dekozwecke taugt.

Internetmeldungen über kranke oder tote Vögel sammelt der NABU Niedersachsen, außerdem ruft der Naturschutzverband dazu auf, sich an der Vogelzählaktion „Stunde der Gartenvögel“ vom 8. bis 10. Mai zu beteiligen. Je mehr Menschen mitmachen, umso detaillierter wird das Bild, wie es unseren Vögeln – und speziell den Meisen – geht.

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