Neue Technik für den Sinti-Platz | Neue Braunschweiger
10. Juni 2020
Menschen

Neue Technik für den Sinti-Platz

Nach langer Verzögerung wurde der Wohnwagenplatz am Madamenweg saniert

Stellten die neuen Ladesäulen und das sanierte Sanitärgebäude auf dem Wohnwagenstellplatz am Madamenweg vor (von links): Sozialdezernentin Dr. Christine Arbogast, Thomas Tegtmeyer (Fachbereich Soziales und Gesundheit), Tanka Jonnek (Fachbereich Soziales und Gesundheit), Joachim Hurst (Unterkunftsverantwortlicher), Christian Petermann (1. Vorsitzender der Sinti/Roma BS) sowie Henning Schrader, Telmo Korz und Kevin Bosse (alle Fachbereich Hochbau und Gebäudemanagement). Fotos: Birgit Wiefel

Weststadt. Waschbecken und Toiletten sind marode, an den Stromkästen flog öfter mal eine Sicherung heraus. Seit rund 60 Jahren gibt es den Wohnwagenaufstellplatz am Madamenweg, aktuell leben dort 20 Sinti-Familien.

Jetzt hat die Stadt nach einiger Verzögerung eines der Sanitärgebäude grundsaniert und neun Säulen aufstellen lassen, die im Sommer wie im Winter Strom und Wasser liefern. Außerdem wurde im gleichen Zug das Trink- und Abwassernetz erneuert.

„Es hat etwas gedauert“, sagte Sozialdezernentin Dr. Christine Arbogast über die langwierige Planung und Umsetzung, „aber wir haben ein schönes Ergebnis erreicht.“

Bereits 2016 hatten erste Gespräche zwischen Verwaltung und Bewohnern stattgefunden. Was war nötig, was war sinnvoll? Es stellte sich heraus: mehr als anfangs gedacht. „Bloß eine Zapfanlage für Wasser hätte nicht gereicht“, betont Sinti-Sprecher Christian Petermann beim Ortstermin.

300 000 Euro waren daraufhin für die Sanierung veranschlagt worden, doch Probleme mit dem Untergrund, Kostensteigerungen im Baugewerbe und ein Wasserschaden in einem der Sanitärhäuser sprengten bald den finanziellen und auch den zeitlichen Rahmen. Am Ende kosteten die Sanierung ganze 600 000 Euro.

„Dank der neun Säulen hat nun jede Familie ihren persönlichen Wasser- und Stromanschluss“, nennt Kevin Bosse vom städtischen Fachbereich Hochbau und Gebäudemanagement die Vorteile. „Sie müssen damit nicht mehr zum Wasserholen quer über den Platz zu den Sanitärgebäuden gehen.

Außerdem können sie ihre eigenen Nasszellen zum Duschen nutzen.“ Das Licht an den Säulen würde zudem den Platz besser beleuchten, freut sich Christian Petermann.

Neu ist auch eines der drei Sanitärhäuser. Es gibt jetzt zwei behindertengerechte Waschräume, einen Raum für Waschmaschinen und Trockner sowie Anschlüsse für Frischwasser und Ausgussmöglichkeiten.

Für Christian Petermann ein guter Anfang. „Es wäre schön, wenn auch die anderen beiden Sanitärhäuser angefasst würden“, wünscht er sich. „Zwei Waschräume für 20 Familien sind auf Dauer etwas wenig. Vor allem in Zeiten von Corona, in denen Abstand halten und Sauberkeit gefragt sind.“

Erneuert wurde die Toiletten, Bäder und der Waschraum.

„Sanierung darf nur ein Anfang sein“

Sinti haben noch Wünsche – Die NB fragt nach

Der Geduldsfaden scheint dünn geworden zu sein. Dreieinhalb Jahre hatten die Sinti in Braunschweig auf eine Verschönerung ihres Platzes gehofft, viele Gespräche mit der Stadt geführt. Sie begrüßen die aktuelle Sanierung, doch euphorisch wirken die Familien nicht. „Es gibt noch viel zu tun“, sagt Sprecher Christian Petermann mit Blick auf die immer noch maroden anderen beiden Sanitärhäuser. Auch deren Reinigung würde nicht funktionieren, das passiere „nur alle fünf bis sechs Wochen.“ Wir haben bei der Stadt nachgefragt.

Zwei neue Toiletten, zwei neue Waschräume – für die 20 Sinti-Familien scheint das nicht auszureichen. Wenn jemand krank sei oder jetzt in Corona-Zeiten, könne kein Abstand gehalten werden, so der Tenor. Ist geplant, auch die beiden anderen Sanitärgebäude langfristig zu sanieren?

Aktuell ist keine weitere Sanierung geplant. Die beiden noch vorhandenen Sanitäranlagen sind sicherlich nicht formschön, aber noch funktionstüchtig und vor allem sicher. Die Aussage der Bewohner erstaunt etwas: Vor Beginn der jetzt abgeschlossenen Maßnahmen wurde mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Platzes abgesprochen, dass nach einiger Zeit zusammen geschaut wird, ob überhaupt noch weiterer Bedarf besteht. Darüber herrschte Einvernehmen.

Die Reinigung der Gebäude erfolgt über die Stadt. Angeblich würde das aber nur unregelmäßig passieren. Wie verhält es sich damit?

Es trifft zu, dass die Stadt einen Reinigungsdienst beauftragt hat. Es wird – von Montag bis Freitag – täglich gereinigt. Die erhobene Behauptung „alle fünf bis sechs Wochen“ entbehrt also jeglicher Grundlage. In der Vergangenheit kam es des Öfteren zu Beschwerden der Bewohnerinnen und Bewohner. Die Verwaltung ist dem sofort nachgegangen. Ein eventueller Missstand wurde unverzüglich beseitigt. Die Reinigung erfolgt in den frühen Morgenstunden. Die Reinigungsleistung ist ein Entgegenkommen der Stadt, denn Laut § 4 Absatz 4 der gültigen Satzung obliegt die Reinigung der auf dem Platz befindlichen Sanitäranlagen eigentlich den Bewohnerinnen und Bewohnern.“

So sahen bis vor Kurzem alle drei Sanitärhäuser auf dem Wohnwagenaufstellplatz aus. In zweien löst sich nach wie vor der Putz von den Wand.

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