Neuer Beruf für Rettungsdienst

Am Montag begann die Ausbildung zum Notfallsanitäter – Patienten werden schneller versorgt.

Auszubildender Ahmet Pakmak übt unter Aufsicht von Schulleiter Sebastian Jürgen und Ausbilder André Völzke (v.l.) an einer Notfallpuppe. Foto: Thomas Ammerpohl

Von Martina Jurk, 05.08.2015.

Braunschweig. Ahmet Pakmak startete am Montag seine Ausbildung zum Notfallsanitäter. Damit beginnt für ihn nicht nur ein neuer Lebensabschnitt, sondern er ist einer von 16 Auszubildenden in Braunschweig, die einen ganz neuen Fachberuf erlernen.

Bislang gab es die zweijährige Ausbildung zum Rettungsassistenten, der im Ernstfall auf direkte ärztliche Anweisung handelt. Die zukünftigen Notfallsanitäter, die mittelfristig die Rettungsassistenten ablösen, bekommen mehr Kompetenzen, eigenverantwortlich medizinische Maßnahmen einzuleiten. Für die Patienten bedeutet das, dass ihnen schneller geholfen werden kann. Die Ausbildung dauert drei Jahre. „Das war mehr als überfällig“, sagte Dr. Andreas Günther, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes der Braunschweiger Feuerwehr. Die Anforderungen an den Rettungsdienst seien gestiegen – die Zahl der Rettungseinsätze nehme zu, die Patienten würden immer älter und hätten dadurch Mehrfacherkrankungen. 2014 habe es insgesamt 29 200 Notfalleinsätze in Braunschweig gegeben plus 35 000 Krankentransporte. Von 2013 bis jetzt sei ein Anstieg von sechs Prozent zu verzeichnen, bestätigte Frank Hermanns vom Rettungsdienst der Feuerwehr.
Hintergrund für den neuen Beruf ist das Notfallsanitätergesetz, das am 1. Januar 2014 in Kraft getreten ist. Bis 2020/21 soll das Personal auf allen Rettungswagen mit einem Notfallsanitäter ausgestattet sein.

Die Zeit bis zur praktischen Umsetzung des Gesetzes ist sehr kurz gewesen. Eine Projektgruppe hat ein landesweit einheitliches Lernfeld entworfen. Danach findet die theoretische Ausbildung an der Notfallsanitäterschule statt, die Praxis im Klinikum und in der Rettungswache. „Als einzige Schule in Niedersachsen ist sie direkt an ein maximalversorgendes Krankenhaus angegliedert und bietet den Schülern theoretische und praktische Ausbildung aus einer Hand“, betonte die stellvertretende Pflegedirektorin des Klinikums Birgit Walther. Die Auszubildenden aller Rettungsdienste (Feuerwehr, Rotes Kreuz, Johanniter, Malteser, Arbeiter-Samariter-Bund) werden nun zentral an der Notfallsanitäterschule lernen.

Auch für die Ausbilder bringt der neue Beruf höhere Anforderungen mit sich. Zur Ausbildung zum Notfallsanitäter wird ein pädagogisches Hochschulstudium Pflicht sein.

Die künftigen Notfallsanitäter werden rechtlich besser abgesichert sein, was sie tun dürfen und was nicht. „Die medizinischen Maßnahmen, die Notfallsanitäter am Patienten ausführen, wie Schmerztherapie oder die Anlage von Infusionen, sollen bundesweit einheitlicher werden“, so Dr. Günther. Der Notfallsanitäter werde aber den Notarzt nicht ersetzen können, betonte er.

Die Arbeit bei der Berufsfeuerwehr ist ein Traum für Ahmet Pakmak. Dafür ist die Ausbildung zum Notfallsanitäter erforderlich. „Das ist ein einzigartiger Beruf. Das kann nicht jeder, und das traut sich auch nicht jeder“, berichtete der Azubi. Sein Ausbilder André Völzke nannte die Anforderungen an die Bewerber: „Sie müssen sportlich sein und dürfen keine Angst vor Höhen und engen Räumen haben.“ Für Ahmet geht es nach der Ausbildung zum Notfallsanitäter nahtlos in die Ausbildung bei der Feuerwehr über.

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