Nicht umsonst, aber günstig

Verbilligtes Schülerticket kommt bis 2020

Der Regionalverband Großraum Braunschweig will spätestens zum Schuljahr 2020/21 eine verbilligte Netzkarte für alle Schüler anbieten. oh

Braunschweig. Für höchstens einen Euro mit dem Bus ins Nachbardorf, um Schulfreunde zu treffen, oder nach Braunschweig, um ins Kino zu gehen, oder mit der Straßenbahn kreuz und quer durch die Stadt, um dies oder das zu erledigen. Das neue Netzticket soll Schülern mehr Mobilität bringen und das zum „super Sonderpreis“. Lange haben Schülervertreter dafür gestritten.

Der Protest hat sich gelohnt, Braunschweigs Stadtschülerrat hat mit Hartnäckigkeit ein großes Ziel erreicht: Vielleicht schon im nächsten Jahr, spätestens aber zum Schuljahr 2020/2021 soll die kostengünstige Schülernetzkarte regionsweit eingeführt werden. Ein Ticket für die gesamte Region zwischen Hohenhameln und Helmstedt, zwischen Gifhorn und Goslar. Ein Ticket, das auch an Wochenenden und in den Ferien gilt. Das hat die Verbandsversammlung im Regionalverband Großraum Braunschweig in der vergangenen Woche beschlossen.

Das Ticket soll soll auch für ältere Schüler ab der zehnten Klasse und für Berufsschüler gelten, die noch keine bezahlte Ausbildungsstelle haben. Marcus Bosse, Kreis- und Landtagsabgeordneter aus Wolfenbüttel und SPD-Fraktionsvorsitzender in der Verbandsversammlung, denkt speziell an Auszubildende im sozialen Bereich, die eine Schule besuchen und zunächst über kein eigenes Einkommen verfügen, so wie in der Altenpflege.
Der Regionalverband will darüber hinaus prüfen, ob Grundschüler und Jugendliche, die ein freiwilliges Jahr absolvieren, ebenfalls darauf Anspruch haben sollen. In einem ersten Schritt werden dafür Haushaltsmittel von 100 000 Euro eingeplant.

Die SPD-Fraktion hatte einen entsprechenden Antrag eingebracht, der in einer gemeinsamen Version nun von SPD, CDU, Grünen und FDP verabschiedet worden ist.
Bislang gibt es verschiedene regionale Lösungen, so wie in Wolfenbüttel, wo Marcus Bosse im Kreistag sitzt und wo es ein kostenloses Schülerticket bereits gibt.

In Braunschweig war der Wunsch nach einer kostenfreien oder zumindest deutlich vergünstigten Schülerbeförderung seit 2011 immer wieder diskutiert worden. Rund 50 Euro kostet Schüler ab der zehnten Klasse in Braunschweig das Monatsticket bislang. Von den rund 36 500 Schülern, die in Braunschweig allgemein- oder berufsbildende Schulen besuchen, haben nur rund 9500 Anspruch auf eine Schülersammelkarte, die ihnen erlaubt, kostenlos mit Bus und Bahn zu fahren. Mit ihrer Forderung, daran etwas zu ändern, stießen die Schüler bei der Mehrheit im Rat auf offene Ohren, doch errechnete Mehrkosten von rund 4,5 Millionen Euro allein für die Stadt schreckten gleichzeitig ab. Die CDU verwies auf die Verantwortung des Landes für die Schülerbeförderung. Der Rat hatte bereits im September beschlossen, wenigstens auf Stadtebene schon 2019 ein preisgünstiges Schülerticket einführen zu wollen, das zwischen 15 und 20 Euro im Monat kosten soll. Die Stadtverwaltung verweist auf die jetzt anstehenden Gespräche des Regionalverbandes mit den acht Verbandsmitgliedern. Dabei würden verschiedene Modelle geprüft, erst dann könne gesagt werden, ob die Entscheidung des Regionalverbandes Auswirkungen auf den Braunschweiger Beschluss haben wird.

Auch auf Verbandsebene wird aufs Tempo gedrückt. „Wunsch und Wille ist es, dass die Schülernetzkarte schon 2019 kommt“, sagt Marcus Bosse. Die Verwaltung habe allerdings Bedenken geäußert, ob ein Finanzierungskonzept in der Kürze der Zeit aufgestellt werden kann. Mit den Verbandsmitgliedern müssen nun Gespräche über die Kostenverteilung geführt werden. Eventuell müsse noch ein Gutachten her. „Aber das Schülerticket kommt definitiv“, betont Bosse. Und der Fahrschein wird nicht mehr als einen Euro am Tag kosten – das ist beschlossene Sache.

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