Obdachlose in der Kälte: Bitte nicht wegsehen | Neue Braunschweiger
12. Februar 2021
Soziales

Obdachlose in der Kälte: Bitte nicht wegsehen

Zusätzliche Notunterkünfte sind in dieser Kälte wichtig – Tagestreff Iglu organisiert Hilfe für Menschen ohne Heimat

Lauritz Hübner und Silke Ney vom Pentahotel Braunschweig, Thomas Spork vom Verein „Weihnachten für alle“ Foto: privat

Innenstadt. „Immerhin, die Heizung läuft wieder einigermaßen“, sagt Viola Weihe, „wir haben einen Handwerksbetrieb gefunden, der sofort Hilfe zugesagt hat.“ Für die Sozialarbeiterin im Iglu-Tagestreff und ihr gesamtes Team, kam das Heizungsproblem auf alle anderen Probleme noch obendrauf: „Wir haben Corona, und wir haben einen Winter, wie seit gefühlt Jahrzehnten nicht mehr. Für unsere Besucher hier ist jedes Thema für sich schon ein Alptraum.“

Ihre Besucher, das sind Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen aus dem Raster gefallen sind. Wohnungslose, Obdachlose, Menschen ohne Heimat. In Vor-Coronazeiten waren an die 30 Menschen auf einmal im Iglu, um zu duschen, Wäsche zu waschen, sich zum Frühstück oder Mittagessen zu treffen, einfach mal reden, oder einfach mal nicht allein sein.

Das ist jetzt durch die Pandemie nur noch in äußerst reduzierter Form möglich. „Es dürfen immer nur sechs Menschen in unseren Räumen sein“, erklärt Weihe. Dennoch versuchen sie und ihr Team, sich um „ihre Leute“ zu kümmern. Erst recht jetzt, bei diesen eiskalten Temperaturen. Wir haben gemeinsam mit Streetworkern unsere Besucher befragt, wo sie jetzt übernachten“, erzählt Viola Weihe. „Letzten Montag waren nach unseren Recherchen drei Menschen ohne mögliche Schlafstätte“, erzählt sie weiter. Zum Glück ist der Verein „Weihnachten für alle“ direkt aktiv geworden. Er konnte das Pentahotel dafür gewinnen, obdachlose Menschen übernachten zu lassen. Für zwei weitere Obdachlose konnten Zimmer von Privatvermietern gefunden werden.

Wie es weiter geht, wenn mehr Menschen ohne Obdach sein, weiß auch Viola Weihe nicht. „Wir haben mit dem Jugendherbergsverband Kontakt aufgenommen“, erzählt sie von ihren Bemühungen, „das wäre eine optimale Lösung, wenn die Jugendherberge ihrer Türen öffnen würde.“ Und auch mit der Dehoga ist sie im Gespräch, vielleicht gibt es ja irgendwo ein Hotel oder eine Pension, wo Zimmer anzumieten sind.

Und sie appelliert an die Menschen in Braunschweig, aufmerksam zu sein: „Wir sind in solchen Zeiten immer auf Unterstützung aus der Bevölkerung angewiesen. Bürgerinnen und Bürger werden aufgerufen, nicht wegzusehen und Personen zu melden, die sich im Freien aufhalten und deren Leben durch Kälte und Witterung bedroht ist. Es ist nicht auszuschließen, dass Menschen irgendwo noch draußen schlafen. Gerne kann man sich bei uns im Tagestreff melden. Wir gehen den Hinweisen dann nach. Telefon 0531/ 12 16 78 32 oder tagestreff-iglu@diakonie-dwb.de. Und im dringenden Fall sollte sofort ein Notruf – 112 abgesetzt werden“, ist ihr Appell an alle Mitbürger.

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