28. Mai 2022
Buntes

„Ohne die NB gäb’s das hier nicht “

Corona macht aus einem Studenten mit einer Geschäftsidee einen erfolgreichen Unternehmer

Will auch künftig beruflich bei der Gartenpflege bleiben: Jungunternehmer Felix Huth mit Otto. Foto: Stefanie Druschke

Querum. „Ohne die NB würde es das hier gar nicht geben“, sagt Felix Huth. Mit „das hier“ meint der 28-Jährige sein kleines Unternehmen. Im Grunde ist Corona Schuld daran, dass der angehende Wirtschaftsingenieur auf Gartenpflege umgesattelt hat. Die Neue Braunschweiger berichtet im Mai 2020 als erstes über den findigen Jungunternehmer.

Felix Huth hat, wie viele andere auch, durch die Pandemie seinen Studentenjob in der Gastronomie verloren und steht plötzlich ohne zusätzliches Einkommen da. Doch eine Lösung ist schnell gefunden: Mit „Jung Knackig Grün“ startet er einen professionellen Gartenpflege-Service, bietet – vor allem für ältere Menschen, so die Idee – Rasenpflege Hecken schneiden, Dachrinnen säubern, Beete pflegen, Unkraut entfernen, Terrassen reinigen und sogar Fenster putzen zum günstigen Kurs an.

„Ich habe einfach aus der Not eine Tugend gemacht. Seit ich denken kann, arbeite ich in Gärten, sei es im Garten meiner Eltern, Großeltern oder bei Nachbarn. Ich genieße es, draußen zu sein und die Dinge anzupacken“, so Felix Huth.
1000 Werbeflyer sind fix verteilt, eine kleine Website online gestellt. Den Durchbruch bringt dann der Bericht in der NB. „In der ersten Woche danach klingelte pausenlos das Telefon, 50 bis 60 Mal am Tag“, erzählt Huth.

Wahlweise vom Küchentisch oder der Couch seiner Zweizimmerwohnung managt er ab da seine Firma, die aufgrund der zahlreichen Anfragen und Aufträge stetig wächst.
Bald hat sein Start-up ein Geschäftskonto, einen Steuerberater und ein eigenes Logo. Fährt der Student anfangs noch allein mit dem Fahrrad zu seinen Kunden, kann er bereits im Juni einen Mitarbeiter in Vollzeit und fünf Teilzeitkräfte einstellen – alles Schüler und Kommilitonen mit viel Erfahrung in der Gartenarbeit. Er lässt für alle Firmen-T-Shirts als Erkennungszeichen drucken. So sehen, die Kunden auf den ersten Blick, wer da anrückt und Einlass in ihren Garten begehrt.
Anfangs arbeiten die jungen Gartenpfleger noch ausschließlich mit dem Werkzeug und den Gartengeräten ihrer Kunden, doch nach und nach investiert der Jungunternehmer in eigenes Equipment. Das lagert er zunächst in seinem eigenen Keller, später mietet er eine Garage in der Nachbarschaft an. Eine Werkbank und Regale kommen dazu, Heckenscheren und ein kleiner Rasenmäher. „Wir arbeiten fast ausschließlich mit Elektrogeräten, akkubetrieben oder mit Stromkabel. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern ist zudem viel leiser als kreischende Motorgeräte“, betont Huth.

Der Transport erfolgt zunächst mit Privatauto und Anhänger – aber nicht lange. Vom Überschuss des ersten Jahres kauft er Anfang 2021 den ersten Firmenwagen und lässt ihn mit dem Firmenlogo bekleben, drei Monate wird bereits der zweite angeschafft. „Das war der Punkt wo ich dachte: Wow, jetzt sind wir wirklich ein richtiges Unternehmen!“
Der Herbst kommt und bringt richtig große Aufträge mit: Reichlich Baumschnitt und Hecken in Form bringen – eine davon ist 130 Meter lang. Ende des vergangenen Jahres folgt dann ein weiterer Meilenstein: „Jung Knackig Grün“ zieht in eine Industriehalle in Querum und bekommt damit einen eigenen Firmensitz. Auf 200 Quadratmetern Fläche ist genügend Platz für Autos, Maschinen, Büro und einen Sozialraum. „Hier können wir alles lagern, die Geräte und Werkzeuge warten und reparieren. Und jetzt können wir nach Feierabend auch mal zusammen den Grill an- und ein Bier dazu aufmachen“, freut sich Huth.

Gearbeitet wird überwiegend im Team, in der Regel jeden Tag zwei Einsatzorte mit rund vier Stunden Arbeitsdauer. Die Aufträge kommen aus der ganzen Region. Um die Auftragslücke von November bis März zu schließen und seinen Mitarbeitern (eine Vollzeit- und drei Teilzeitkräfte) ein durchgängiges Gehalt zahlen zu können, hat Huth 2021 den Winterdienst mit ins Programm genommen. Inzwischen gehört auch ein Garten- und Landschaftsbauer zum Team, womit auch Aufträge wie Hecken pflanzen, Rasen säen oder Rollrasen verlegen übernommen werden können.
Rund 50 Stammkunden hat „Jung Knackig Grün“ derweil, für die die kleine Firma die komplette Gartenpflege übernommen hat. Viele davon nutzen die „Gartenpflege im Abo“, die Felix Huth anbietet. „Der Kunde bekommt einen Gartenpflegeplan mit festen Terminen fürs ganze Jahr. Das minimiert den Aufwand für uns und gibt den Kunden die Gewissheit, dass sie dann, wenn bestimmte Sachen erledigt werden sollen auch einen Termin bekommen.“ 70 Prozent seiner Kunden sind nach wie vor Senioren, die anderen wollen ihren Garten lieber genießen, als in ihrer knappen Freizeit darin zu arbeiten. Auch Wohneigentümergemeinschaften und Wohnungsbaugesellschaften haben das junge Gärtner-Team schon gebucht.

Rund 1300 Aufträge von etwa 600 Kunden hat „Jung Knackig Gut“ bisher abgearbeitet – angefragt haben mehr als 1000 Kunden. Doch Felix Huth will sein Unternehmen gesund wachsen sehen. „Aktuell sind wir kreditfrei und das bleibt auch erst einmal so“, sagt er. Ohnehin versucht er gerade, seine Arbeit noch mehr zu verteilen, um seine Masterarbeit zu Ende zu schreiben. Denn auch wenn er sein Unternehmen ausbauen und in der Branche bleiben will: Das Studium soll schon noch einen richtigen Abschluss finden.

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