12. April 2014
Kulturelles

Ohne Herzog kein Museum

Zum 300. Todestag erinnert eine Ausstellung an den Fürsten von Welt und Sammler auf Reisen.

Vom zuletzt baufälligen Schloss Salzdahlum zwischen Wolfenbüttel und Braunschweig ist praktisch nichts übriggeblieben. Dort hatte Herzog Anton Ulrich erstmals eigene Räume zur öffentlichen Präsentation seiner Kunstsammlung bauen lassen – ein Novum für seine Zeit.

Von Marion Korth, 13.04.2014.

Braunschweig. Auf seinem Sterbebett hatte Herzog Anton Ulrich 1714 verfügt, dass seine Kunstsammlung der Nachwelt erhalten bleiben soll. 300 Jahre nach seinem Tod wissen wir, dass dieser Wunsch Erfüllung gefunden hat. Davon zeugt die Ausstellung „Epochal“ und neu darin eingebettet die Annäherung an den leidenschaftlichen Sammler und „Fürst von Welt“ .

In einem kurzen Abriss erinnert das Herzog-Anton-Ulrich-Museum in der Kemenate der Burg Dankwarderode bis zum 20. Juli an den Kunstliebhaber und Sammler und begleitet ihn auf seine Reisen nach Frankreich, Italien, die Niederlande und durchs Deutsche Reich, wo der Herzog (1633–1714) Künstlerateliers, Kunstagenten und Auktionen besuchte, immer auf der Jagd nach bedeutenden Werken.
Im Gegensatz zu der herausragenden Kunstsammlung sind keine persönlichen Dokumente oder Schriftwechsel des Herzogs überliefert. Die für die kleine Jubiläumsausstellung herausgesuchten 40 Exponate sprechen aber für sich und lassen ahnen, was den Fürsten leitete. „Schon in seinem Elternhaus wurde gesammelt, das gehörte in jener Zeit zum guten Ton“, erläuterte Kuratorin Lisanne Wepler beim Rundgang. Die Sammlungen repräsentierten nicht zuletzt herrschaftliches Selbstbewusstsein. So lässt sich vielleicht erklären, dass Anton Ulrich nicht nur Bilder aus vielen Teilen der Welt zusammenholte, sondern zum Beispiel auch antike Münzen. Die darauf im Profil abgebildeten Herrscher waren das Vorbild für Münzen mit dem eigenen Konterfei, die der Herzog prägen ließ. Auch der Glanz des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. strahlte bis nach Braunschweig. Das Original des Bronzeabgusses der Jagdgöttin Diana stand im Park von Versailles. Obwohl als Fachwerkbau errichtet, ähnelt das vom Herzog geliebte Schloss Salzdahlum dem großen Vorbild in Versailles. In Salzdahlum manifestierte sich des Herzogs Streben nach Bildung und Öffentlichkeit: In dem Lustschloss ließ er eigens Räume für Gemälde, antike Figuren und Fayencen einrichten und machte sie Besuchern zugänglich. Dies war eine absolute Besonderheit in jener Zeit, die später Nachahmer fand. Gegen einen Obolus führte der herzogliche Bettmeister durch die Sammlung. „Er war für bemalte und unbemalte Laken zuständig“, merkt Museumsdirektor Dr. Jochen Luckhardt trocken an. Das baufällige Schloss wurde 1813 abgerissen, eine Computeranimation erlaubt aber dennoch einen Rundgang durch Park und Zimmer.
Der Herzog blieb seiner Leidenschaft bis zuletzt treu. Nachdem er im hohen Alter über seinen Hund gestolpert und gestürzt war, ließ er sich einen Rollstuhl anfertigen. Die Zeichnung dafür ist in der Ausstellung zu sehen. So war es ihm dann doch noch möglich, an einer Kunstauktion in den Niederlanden teilzunehmen …
Der 300. Todestag hat für das Herzog-Anton-Ulrich-Museum noch immer aktuellen Bezug, ohne Anton Ulrich, seine innere Haltung und die Schätze seiner Sammlung gäbe es das Museum, das seinen Namen trägt, heute nicht. Sein Todestag konnte deshalb nicht unbeachtet bleiben, auch wenn das Museum aufgrund des Umbaus des Haupthauses, der erst 2016 komplett abgeschlossen sein wird, derzeit nur geringe räumliche Möglichkeiten hat. Die Ausstellung ist Teil des Jubiläumsprogrammes mit dem Braunschweigischen Landesmuseum, das im November eine Sonderausstellung eröffnen wird, sowie eines Forschungsprojektes, dessen Ergebnisse im Sommer präsentiert werden. Eine Windrose als Symbol kennzeichnet besondere Veranstaltungen im aktuellen Museumsprogramm.

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