Ohne Worte: Der Poetry Slam ist Geschichte | Neue Braunschweiger
19. November 2020
Gesundheit

Ohne Worte: Der Poetry Slam ist Geschichte

Der Braunschweiger Poetry Slam war einer der ältesten, beliebt bei Publikum und Künstlern – Nun wird er begraben

Finale: Der Poetry Slam füllte regelmäßig die Säle. Unter Coronabedingungen und ohne finanzielle Hilfe konnte er nicht überleben.  Archivfoto: Andreas Reiffer

Braunschweig. Humor ist, wenn man trotzdem lacht? Der kleine Sensenmann in der Traueranzeige sieht fast niedlich aus, aber die Nachricht ist eine traurige: Der Braunschweiger Poetry Slam, von vielen Enthusiasten aus der Kultur- und Verlagsbranche zum Erfolg gemacht, ist tot. Verleger Andreas Reiffer verkündet das Aus und lädt gleichzeitig zum Gedenkgottesdienst am 27. November um 20 Uhr in die Kirche St. Michaelis, Echternstraße, ein.

Damit hat die Coronapandemie eine weitere Lücke in die Kulturlandschaft geschlagen. Angesichts der Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der bis zum Jahresende nicht damit rechnet, dass wieder Veranstaltungen mit mehr als 15 Menschen stattfinden, ist keine Besserung in Sicht und selbst die größten Enthusiasten müssen klein beigeben.

Andreas Reiffer sieht keine Zukunft mehr für das beliebte Format. Hintergrund sei die Tatsache, dass aufgrund der geltenden Hygienevorschriften und den Auflagen durch Stadt, Land und Bund ein kostendeckendes Veranstalten für die Kulturbranche seit Monaten schlichtweg unmöglich geworden ist. „Gerade einmal 25 bis 30 Prozent der sonst üblichen Plätze dürfen in unseren Locations belegt werden. Bei gleichbleibenden Fixkosten für Miete, Technik, Helfer und so weiter. Wir konnten im Jahr 2020 überhaupt nur zwei Poetry Slams veranstalten. Mittlerweile sind unsere finanziellen Reserven aufgezehrt. Hilfe seitens des Landes, des Bundes oder der Stadt wurde zwar medienwirksam versprochen, kam aber bei den meisten Kulturschaffenden nie an. Erst waren wir nicht systemrelevant, dann zu wirtschaftlich oder nicht wirtschaftlich genug und am Ende gar nicht kreativ tätig.“ Für Reiffer und seine Mitstreiter sei das ein Schlag ins Gesicht, immerhin sei der Braunschweiger Poetry Slam einer der ältesten und größten Deutschlands, wird seit 1998 betreut, immer wieder vor ausverkauftem Haus. Dabei haben die Organisatoren nicht für sich, sondern für alle Künstler und Mitwirkenden auf, hinter und neben der Bühne auf finanzielle Hilfen gehofft.

Um darauf aufmerksam zu machen, wird der Braunschweiger Poetry Slam symbolisch zu Grabe getragen. Stellvertretend auch für die vielen, die bereits aufgegeben haben. Aufgrund der Einschränkungen durch den Coronavirus/COVID-19 gibt es in der Kirche nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen. Trauergäste werden geben, sich vorher unter info@poetry-slam-braunschweig.de zu registrieren.

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