24. Mai 2021
Natur

Oker steckt voller Überraschungen

Bei Bauarbeiten am Petriwehr wurden Schäden und eine historische Pfahlgründung entdeckt

Für Fische stellte die Wehranlage bislang ein nicht zu überwindendes Hindernis dar, das nun beseitigt wird. Das Foto zeigt den Blick in die neue, noch nicht geflutete Fischaufstiegsanlage . Foto: Wasserverband Mittlere Oker

Braunschweig. Ebbe in der Oker – das gab es in der Vergangenheit öfter. Der Wasserstand war wiederholt wegen der laufenden Bauarbeiten am Petriwehr abgesenkt worden. Dort werden für eine bessere Durchlässigkeit nicht nur eine so genannte Fischaufstiegstreppe gebaut, sondern auch ein Kanupass errichtet, um bessere Bedingungen für Sportler und Ausflügler zu schaffen.

Unerwartet waren am Wehr jedoch Schäden entdeckt worden, die nun gleich mit beseitigt werden. Und noch mehr wurde gefunden: jede Menge Müll im Flussbett und ein altes Fundament.

Die Ankündigung, dass der Wasserstand bis Juni auf geringem Niveau gehalten werden muss, ist zum Glück vom Tisch. Tina Loose, Geschäftsführerin der Floßstation, sowie die anderen Bootsverleiher können aufatmen. Die Oker werde bis Anfang Juni Normalpegel haben. Eine Vollabsenkung werde nicht erforderlich sein. Teilabsenkungen werden voraussichtlich in der zweiten und dritten Juniwoche erfolgen, teilt der Wasserverband Mittlere Oker auf Anfrage mit. Dann sollen die Betonverkleidungen an den Spundwänden eingeschalt werden. Die Spundwände ober- und unterhalb des Wehre sind inzwischen weitgehend in den Untergrund eingebracht. Im Bereich der Fußgängerbrücke habe sich dies unerwartet als sehr schwierig herausgestellt, da sich dort das alte Fundament des historischen Wehres befindet. Das auf Holzpfählen gegründete Fundament sei noch immer tragfähig und fest. Nach Ansicht der Fachleute bestehe keine Grundbruchgefahr. Anstehendes Wasser in der Baugrube werde durch einen neugebohrten Brunnen ständig beobachtet und abgepumpt. Dadurch könne die Baugrube trocken gehalten werden. „In den nächsten Wochen soll dann die bewehrte Sohle vollständig eingebracht werden“, erläutert Claus Wilske, Geschäftsführer des Wasserverbandes Mittlere Oker, das weitere Vorgehen.

Parallel zu den Arbeiten am Fischkanupass werden Sanierungsarbeiten am Wehr vorgenommen, alte poröse Steine ausgestemmt und ersetzt, Führungsschlitze für die neuen Verschlüsse hergestellt und die Stege erneuert.

Geschichtlich ist der Bereich hochinteressant und verweist in eine Zeit, als die Oker wirtschaftlich wichtiger Wasserweg war: Bis 1820 wurde die große Öffnung des Petriwehres als Schleuse genutzt und diente dem Warentransport, unter anderem von den Eisenbütteler Mühlen zur Jutespinnerei. Um 1835 wurde dann die Stauanlage zum heutigen Wehr umgebaut. Alte Schlitze und Befestigungen, die nach dem Umbau der Stauanlage von einer Schleuse zum jetzigen Wehr noch übrig geblieben sind, werden dokumentiert und die gesammelten Daten dem Denkmalschutz zur Verfügung gestellt.

Auch interessant