Polaroids aus dem Toaster | Neue Braunschweiger
2. Januar 2019
Kultur

Polaroids aus dem Toaster

Mitgliederausstellung des Museums für Photographie zeigt faszinierende Vielfalt

Sebastian Günther war in Bosnien-Herzegowina unterwegs, um Fotos zum Thema Landminen zu machen. Fotos: Isabel Kobus

Innenstadt. Bunte Bakterien, südafrikanische Slums, Selbstporträts mit Maschendrahtzaun: Eine faszinierende Vielfalt zeigt die diesjährige Mitgliederausstellung des Museums für Photographie, die noch bis zum 13. Januar zu sehen ist. „In diesem Jahr kommen auch die Künstler selbst in einem Begleitheft zu Wort“, sagt Kuratorin Anne Wriedt.

Das passt, denn oft ist besonders spannend, wie die Fotos entstanden sind. So war Sebastian Günther in Bosnien-Herzegowina mit den Entschärfern von Landminen auf einer lebensgefährlichen Tour unterwegs. Und Manuela Knaut hat sich in Johannisburg mit einem Ghetto-Jungen namens Shotgun angefreundet, der ihr Zutritt zu den „vertikalen Slums“ von Ponte City verschafft hat.

Alltäglicher, aber dennoch interessant sind die seriellen Bilder – etwa von Roelf J. Janssen, der ein Jahr lang den für ihn bedeutsamsten Moment jeden Tages fotografiert hat, oder von der jüngsten Teilnehmerin Lina-Maiken Preuß, die Straßenszenen aus Ostasien im Stil von Postkarten präsentiert.

Dass die bunten Flächen auf den Bildern von Bernd Farny Bakterienkulturen auf den Steinen des Yellowstone-Nationalparks sind, wird nur auf den zweiten Blick ersichtlich – schön sind die Fotos auf jeden Fall. Ähnlich ergeht es dem Betrachter mit den Selbstporträts von Roberta Bergmann, die mit Gras und Maschendrahtzaun verfremdet sind – es handelt sich dabei allerdings nicht um digitale Kompositionen, sondern um doppelbelichtete und vergrößerte Polaroidbilder.

Mit diesem Medium hat auch Herbert Döring-Spengler experimentiert – noch ein wenig schräger, denn er hat seine im Atelier des Malers Edvard Munch entstandenen Polaroid-Fotos kurzerhand in den Toaster gesteckt. Das leicht verschrumpelte Ergebnis lässt sich in der Ausstellung bewundern.

41 Mitglieder des Museums für Photographie – von der Profi-Designerin über den Kunststudenten bis zu ambitionierten Hobbyfotografen – sind in der Ausstellung vertreten. „Während es im vergangenen Jahr noch einen starken Lokalbezug gab, steht die diesjährige Ausstellung unter keinem Thema“, sagt Wriedt. Und ist damit internationaler, denn viele Fotos sind auf Reisen entstanden.

Die Heimat kommt trotzdem vor – zum Beispiel in Form eines digital verfremdeten Braunschweiger Löwen.
Alle Informationen rund um die Ausstellung „Members Only“ im Museum für Photographie, Helmstedter Straße 1, sowie zum Begleitprogramm und zu Künstlerführungen stehen im Internet unter: www.photomuseum.de.

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