Politisch unkorrekt und lehrreich | Neue Braunschweiger
8. Februar 2014
Kulturelles

Politisch unkorrekt und lehrreich

„Zum Sterben schön“: Musical der Theatergruppe „jetzt oder nie!“ begeistert in der Brunsviga.

Betty Rhys-Jones (Eyleen Reinecke) und Boris Plots (Jonah Ben Hofer): Bekommen sie sich am Ende doch noch? Foto: oh

Von André Pause. 9. Februar 2014. Braunschweig. „Ein Musical für die Ewigkeit“ lautet etwas markig der Subtext des Musicals „Zum Sterben schön“, das die Musiktheatergruppe „jetzt oder nie!“ der IGS Franzsches Feld bis zum kommenden Sonnabend in der Brunsviga präsentiert.

In der Tat legen Regisseurin Kaja Brandenburger und Felix Goltermann als musikalischer Leiter die Latte, die es für das Schülerensemble zu überqueren gilt, sehr hoch. Das berichten die beiden Verantwortlichen der Produktion nicht nur im persönlichen Gespräch, das lässt sich vor allem bei der Premiere im ausverkauften Kulturzentrum beobachten. Das Stück wird nach neun Monaten Probezeit (jeden Dienstag plus ein Wochenende im Monat) mit Bravour bewältigt.
Die Vorlage von Marc Schubring (Musik) und Wolfgang Adenberg (Buch und Liedtexte), welche an die Filmkomödie „Grabgeflüster“ aus dem Jahr 2002 angelehnt ist, wird musikalisch situationsgerecht verschlankt gezeigt. Goltermann an Piano und Keyboard und die Band (E-Gitarre, Bass, Theremin, Schlagzeug) führen die Darsteller zweieinhalb Stunden(!) gefühlvoll durch das Stück. Die jungen Darsteller ihrerseits spielen souverän ohne jegliche Hänger und mit tollem Timing und erweisen sich in den Gesangsparts als erstaunlich stimmfest. Glücklicherweise ist „Zum Sterben schön“ zudem ein lehrreicher Stoff – und das ganz ohne erhobenen Zeigefinger und über weite Strecken politisch angenehm unkorrekt. So wird das Überdenken gelernter Verhaltensmuster hier ebenso zum Thema, wie der Glaube an die Wendung zum Guten: Der langzeiteinsame Bestatter Boris (ausdifferenziertes Spiel: Jonah Ben Hofer) ist seit Schulzeiten schwer verliebt in Betty (stimmlich herausragend: Eyleen Reinecke), die Frau des Bürgermeisters Hugh (körperlich präsent und mimisch stark: Mika Lienert). Der machtbewusste Mann ist nicht die einzige Konkurrenz für Boris. Die zwei überschnappenden Event-Bestatter Frank und Delbert (mit Gefühl für die komische Situation: Lorin Goltermann und Carl Ring) machen Boris beruflich Terrain streitig, bringen ihn jedoch paradoxerweise auf eine Idee, wie Betty und er doch noch zusammenkommen könnten. Der Plan: Die Jugendliebe soll auf dem Frühlingsfest den eigenen Tod vortäuschen. Zeitgleich tüfteln der Bürgermeister und seine geliebte Sekretärin Meredith (lasziv und dämonisch: Laura Markurth) an Bettys veritabler Tötung durch K.-o.-Tropfen …
Am Premierenabend gibt es völlig zurecht tosenden Applaus. Wenn Sie wissen möchten, wie die schmissige Geschichte ausgeht: Weitere Aufführungen sind am heutigen Sonntag, am Montag sowie von Mittwoch bis Sonnabend jeweils um 19.30 Uhr zu sehen. Weitere Informationen und Tickets: www.brunsviga-kulturzentrum.de .

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