Polizei steigt in den Fahrradsattel

Bis September wird die neue Staffel getestet – Kontrollen in Parks und in der Innenstadt

Neue Polizei-Fahrradstaffel v. l. Cornelia Litwora, Anneke Wintjen-Miebs und Mathias Chmela.  Foto: Birgit Wiefel

Braunschweig. Streifen zu Fuß, zu Pferd und im Auto gibt es schon lange – jetzt kontrolliert die Braunschweiger Polizei auch noch vom Fahrradsattel aus. Seit dieser Woche sind fünf Beamte im Einsatz, die über den Sommer Straßen und Parks im Blick haben.

„Es ist erst einmal ein Test. Wir überprüfen im September, ob die Idee tatsächlich Wirkung gezeigt hat“, kündigt Axel Werner an. Der Leiter der Polizeiinspektion Braunschweig legt dennoch große Hoffnung in die Streife. „Die Statistik zeigt, dass Radfahrer ganz besonders häufig in schwere Unfällen verwickelt und auch noch ganz besonders häufig daran Schuld sind“, sagt Werner. Allein 2018 wurden mehr als 400 Radfahrer verletzt, „eine hohe Zahl“, betont der Chef der Polizeiinspektion. Die fünf Beamten werden in den kommenden Monaten nicht nur besondere Unfallschwerpunkte kontrollieren, sondern auch „erzieherisch“ tätig werden. Ganz besonders im Visier der Staffel: notorische Geisterfahrer.

Auch in Hamburg, Berlin und Köln steigt die Polizei mittlerweile in den Fahrradsattel. „Es ist ein Großstadtthema und hängt mit dem wachsenden Radverkehr zusammen“, ordnet Einsatzleiter Jörg Bodendiek ein.
Die ersten Einsätze in dieser Woche machen Mut. „Wir haben durchweg positive Reaktionen bekommen“, freut sich Anneke Wintjen-Miebs. Wie ihre vier Kollegen trägt sie eine sportliche Fahrradkluft in Polizeiblau und ist mit Mountain- und E-Bikes unterwegs, auf denen groß und unmissverständlich das Wort „Polizei“ prangt. Die Helme wurden von der Verkehrswacht spendiert.

Warum die Passanten so aufgeschlossen sind? Darüber kann Wintjen-Miebs nur mutmaßen. „Ich denke, es ist die Begegnung auf Augenhöhe, das Gefühl, hier sind Polizeibeamte zum Anfassen.“
In den kommenden sechs Monaten werden die Fünf immer wechselnd in Zweierteams im ganzen Stadtgebiet unterwegs und nicht nur in puncto Verkehrssicherheit, sondern auch bei der Kriminalitätsbekämpfung und bei Veranstaltungen im Einsatz sein. „Ganz sicher wird unsere Staffel an Himmelfahrt in den Parks kontrollieren“, kündigt Jörg Bodendiek schon einmal an. Über den Sommer hätten sie auch das „wilde Grillen“ im Blick, „außerdem kontrollieren wir in Riddagshausen und der Buchhorst, ob die Natur- und Tierschutzgesetze eingehalten werden.“

Ein Mal musste die Staffel bereits eine Sanktion aussprechen: „Ein Fahrradfahrer fuhr entgegen der Verkehrsrichtung auf dem Fahrstreifen war aber einsichtig und nahm es mit Humor“, berichtete Mathias Chmela.
Ob die Fahrradstaffel über den September hinaus fortgeführt wird, hängt nicht zuletzt von der Einschätzung der fünf Beamten ab, denn eins ist auch klar: Personell kann die Polizei für die Staffel nicht eigens aufstocken, „die fünf Kollegen fehlen an anderer Stelle“, gibt der Leiter der Polizeiinspektion Axel Werner zu bedenken

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