2. Februar 2022
Stadtplanung

Praktisch, hell: Rathaus mit Aussicht

Bauprojkte 2022: Das Rathaus am Bohlweg wird saniert – Giesler Architekten gewannen Wettbewerb

Der Entwurf des Braunschweiger Büros Giesler Architekten behält die Grundstruktur des Rathaus-Neubaus am Bohlweg bei, schafft aber mehr Leichtigkeit. Der Rathausneubau in seiner jetzigen Form ist bau- und klimatechnisch ein Sanierungsfall. Montage: Giesler Architekten

Innenstadt. Die 50 Jahre haben sichtbar Spuren hinterlassen. Der Rathaus-Neubau am Bohlweg ist längst nicht mehr neu, sondern energetisch wie bautechnisch ein Sanierungsfall (die NB berichtete). Für die 330 städtischen Angestellten, die dort arbeiten, ist aber eine greifbare Lösung in Sicht.

Im Zuge eines Architektenwettbewerbs wurde eine konkrete Idee gesucht – und auch gefunden. Das Büro Giesler Architekten aus Braunschweig konnte das Rennen für sich entscheiden. Im ersten Quartal dieses Jahres soll das Büro nach vorherigem Ratsbeschluss in die weiteren Planungen mit eingebunden werden.

Idee passt zur Stadt

Der Entwurf sei insgesamt weniger radikal als der mancher Mitbewerber, begründete Juryvorsitzender Hartmut Rüdiger die Entscheidung. Die horizontalen Linien blieben erhalten, ebenso das Zurückhaltende eines Verwaltungsbaus. „Das Konzept ist damit insgesamt stadtverträglicher, passt sich besser neben dem historischen Rathaus ein“, so Rüdiger. Und es nutze die vorhandenen Flächen, die sich als besser und zweckmäßiger herausgestellt hatten als im Vorfeld angenommen. Ein Ärgernis wird sicher weichen: die triste graue Betonfassade. Giesler Architekten setzen auf Glas, Licht, Leichtigkeit. Im ersten Geschoss ist zudem ein Stadtbalkon mit Bürgerhalle angedacht. Wer hier steht oder flaniert, hat eine freie Sicht aufs Schloss.

Kolonnaden kommen weg

„Auch die wenig einladenden Kolonnaden sind in dem Entwurf aufgehoben“, sieht Holger Herlitschke, Dezernent für Umwelt, Stadtgrün, Sport und Hochbau, Vorteile. Nach der Idee der Architekten rückt die Ladenzeile direkt an den Radweg heran – was nicht ohne Folgen bleibt. „Die Verkehrsführung wird geändert werden müssen“, sagt Herlitschke. Ebenso werden die Inhaber der Geschäfte ein Wörtchen mitreden wollen, denn das Sockelgeschoss des Rathaus-Neubaus befindet sich nicht im Besitz der Stadt – ein Umstand, der bereits vor zehn Jahren dazu führte, dass Sanierungspläne erst einmal auf Eis gelegt wurden, weil man sich mit den Inhabern nicht einigen konnte.

Wie auch immer: Die Marschrichtung ist mit der Preisverleihung vorgegeben. Die Kosten für den Umbau werden ersten Schätzungen nach zwischen 23 und 33 Millionen Euro betragen, doch angesichts der aktuellen Preisentwicklung und mit Blick auf den Materialmangel rechnet Holger Herlitschke schon jetzt mit einer Steigerung „von 20, 30, 40 Prozent.“
Die fünf erst platzierten Vorschläge können online unter https://www.braunschweig.de/politik_verwaltung/nachrichten/architektenwettbewerb-rathaus-neubau.php eingesehen werden.

PLÄNE

In den kommenden Jahren wird in der Verwaltung ein großes Stühlerücken stattfinden. Voraussichtlich Ende 2023, Anfang 2024 zieht ein Großteil der Fachbereiche in das Business Center III im BraWo-Park. Die freiwerdenden Gebäude werden im Anschluss ertüchtigt, damit sie die 330 Mitarbeiter aus dem Rathaus-Neubau aufnehmen können, bevor dieser dann saniert wird.

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